Stundenweise Büroräume: Täglich neue Mieter

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Noch im Umbau: In den Büroräumen von Markus Tacker befand sich vorher ein Kiosk.

Offenbach - Eine Anwältin aus Wiesbaden benötigt einen Besprechungsraum, eine Firma sucht nach einem Ausweichquartier, und ein Lehrer muss Schularbeiten kontrollieren: Für all diese Fälle hat Markus Tacker bald eine Lösung parat. Von Daniel Schmitt

Er vermietet ab Mitte November gemeinsam mit seiner Frau Tanja frisch renovierte Büroräume.

Was im ersten Moment unspektakulär klingt, ist auf den zweiten Blick ziemlich ausgeklügelt. An der Senefelderstraße 63 sollen Büroräume nach Abschluss der Renovierungsarbeiten nicht nur jährlich, sondern auch täglich oder sogar stundenweise vermietet werden. „Wir wollen unseren Kunden einen ruhigen Arbeitsplatz bieten, an dem sie sich mit anderen Menschen austauschen können“, erklärt Markus Tacker.

„Offenraum“ nennt sich das neue Konzept, das so neu eigentlich gar nicht ist: Allein im Rhein-Main-Gebiet von Wiesbaden über Darmstadt bis nach Frankfurt gibt es mehr als zehn ähnliche Angebote des sogenannten „Co-Workings“. Dabei kann sich jeder Suchende kurzfristig in einen Raum einmieten, seine Arbeit verrichten und darüber hinaus Kontakte knüpfen. „Vernetzung“ nennt Tacker das Schlagwort des „Co-Workings“ immer wieder: „Wir versuchen, Gleichgesinnte zusammen zu bringen. Menschen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, mit denen man sich austauschen kann.“

An allen drei Standorten arbeiten

Aus diesem Grund steht das Offenbacher Netzwerk schon vor der Eröffnung in engem Kontakt mit zwei ähnlichen Einrichtungen in Wiesbaden und Frankfurt: „Vielleicht bieten wir eine Zehnerkarte an, mit der die Kunden an allen drei Standorten arbeiten können.“ Im Monat belaufen sich die monatlichen Mietkosten auf 295 Euro, pro Tag wollen die Tackers 17, 50 Euro, der Besprechungsraum kostet für eine Stunde 15 Euro.

In Offenbach ist dieses Konzept einzigartig. „Dabei gibt es genug Anfragen“, erklärt der 31-jährige Tacker. Vor allem für Freiberufler, Berufseinsteiger und daher oft junge Menschen sei das Angebot interessant. „Wenn die Leute noch nicht wissen, was sie sich leisten können, wo sie mit ihrer Arbeit hinwollen, dann tut es gut, sich nicht über mehrere Jahre an bestimmte Räume zu binden“, sagt der als freier Softwareentwickler tätige Tacker. Auch er will seine Arbeit in diesen neuen Räumen verrichten.

Tacker und seine Frau bieten mehrere Arbeitsplätze, einen Besprechungsraum, eine Küche und zwei Badezimmer an. Ohne jeden Schnickschnack, nur mit dem Nötigsten: Tische, Stühle, Internet. Diese Möbel haben die Eigentümer ersteigert. „Wir wollen uns entwickeln und uns den genauen Bedürfnissen der Kunden anpassen“, sagt Tacker. Sonstige Hardware wie Laptops müsse sich jeder Nutzer selbst mitbringen, um einfacher auf seine eigenen Dateien zugreifen zu können.

Vertrag nicht verlängert

Die Idee kam den Tackers im Frühjahr, als der vorherige Mieter, ein Kioskbesitzer, seinen Vertrag nicht verlängerte.

Bei der eigenfinanzierten Renovierung des 1909 gebauten Hauses haben sie den Kiosk und eine Zwei-Zimmer-Wohnung miteinander verbunden. Dabei mussten neben Böden auch die Elektrik und die Internetverbindungen erneuert werden. „Wir wollen eine angenehme Arbeits-, und nicht nur einen Freizeitatmosphäre schaffen“, sagt Tacker.

In Zukunft könnte es also passieren, dass der Lehrer aus Offenbach neue Unterrichtsansätze von der Anwältin aus Wiesbaden erhält. Einen Versuch sei das doch wert, findet Tacker. Weitere Informationen: www.offenraum.de.

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