Jugendlicher gesteht

Sechs Täter nach Angriff auf Rabbi gefasst

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Offenbach - Offensichtlich gibt es Ermittlungserfolge im Fall des Angriffs auf den Offenbacher Rabbi Mendel Gurewitz: Nach seinen Angaben hat die Polizei sechs Jugendliche im Alter zwischen 11 und 15 Jahren ermittelt, die zugegeben haben, die Tat im KOMM-Einkaufszentrum begangen zu haben.

Er sei von der Offenbacher Polizei über die neuen Entwicklungen informiert worden; die Jugendlichen hätten eine eigene Version der Vorkommnisse. Diese hatten bei vielen Bürgern, Verbänden und Parteien große Bestürzung ausgelöst. Wie die Polizei berichtet, hatte ein 14 Jahre alter Jugendlicher aus Offenbach, offenbar als erster ein schlechtes Gewissen.

Er sagte gestern bei der Polizei umfangreich aus. Demnach soll die Gruppe, nach der seit dem Vorfall intensiv gefahndet wurde, aus Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 11 und 15 Jahren bestehen. Alle sollen aus dem Raum Offenbach stammen und einen nordafrikanischen Migrationshintergrund haben. Nach den bisher gesammelten Erkenntnissen von Staatsanwaltschaft und Fachkommissariat, gibt es aber widersprüchliche Angaben. Der 14 Jahre alte Jugendliche, der sich als Haupttäter bezeichnet, gab in seiner Vernehmung an, dass ihm das Ganze sehr leid tue. Er wolle sich vielmehr, nach Vermittlung seitens der Polizei, bei dem Geistlichen für sein Verhalten und das seiner Freunde entschuldigen.

Anzeige gegen Angreifer erstattet

Gurewitz hatte bereits unmittelbar nach der Tat Anzeige gegen die Angreifer erstattet. Der 39 Jahre alte Rabbiner war nach seiner Schilderung in der Einkaufspassage von einer Gruppe Jugendlicher mit Worten und körperlich angegangen worden. Die sechs bis acht jungen Männer hätten „Sch... Jude“ gerufen und ihn später auch geschubst, hatte er bestätigt. Unter dem Verdacht der antisemitischen Beleidigung und Körperverletzung sollten von der Polizei, der Staatsanwaltschaft in Darmstadt und dem Staatsschutz in den vergangenen Tagen auch Videoaufzeichnungen des Centers ausgewertet werden.

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Polizei und Staatsanwaltschaft wollen heute über die Ermittlungsergebnisse in dem Fall informieren. Beobachter erhoffen sich auch Aufklärung in der umstrittenen Frage, ob es rechtens war, Gurewitz zum Löschen von Bildern zu zwingen. Er hatte Fotos von den Jugendlichen gemacht, nachdem sie ihn beleidigt hatten. Diese und Security-Mitarbeiter hätten ihn daraufhin aufgefordert, die Bilder zu löschen, hatte der Rabbiner berichtet. Danach war die Situation eskaliert und es kam zu den Handgreiflichkeiten. Nach Angaben eines Zeugen soll auch eine von der Security angerufene Person - angeblich war es ein Polizist - Gurewitz über Telefon zum Löschen der Bilder aufgefordert haben.

Nach Gurewitz' Worten ist nun eine Diskussionsveranstaltung in Offenbach angedacht, um den Vorfall zu thematisieren. Dafür sei er offen. „Es kann etwas Gutes herauskommen“, sagte der Rabbi, der nun aber auch nach vorne blicken will: „Ich möchte die ganze Sache hinter mir lassen.“

dr/psh/dpa/nb

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