Tag des Buches

Kuck mal, wer da liest

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Vhs-Mitarbeiterin Birgit Grün las im Buchladen am Markt.

Offenbach - Es ist keine Verkaufsveranstaltung. Obwohl auch Literatur an den Kunden gebracht sein will. Am 23. April geht es alljährlich darum, Werbung für dieses holzbasierte Medium zu betreiben. Von Markus Terharn

Am besten da, wo die Menschen tagsüber sind, in der Innenstadt. Offenbacher lesen dort für Offenbacher.

OP-Redakteur Markus Terharn las bei Koffer-Roth.

Kurz nach 11 Uhr, Ecke Frankfurter und Herrnstraße: Welttags-Wimpel und Karree-Offenbach-Aufsteller weisen auf etwas Besonderes hin. Im Schaufenster neben dem Kaufhof-Eingang sitzt Horst Schneider im Philippe-Starck-Designerstuhl, ein Buch auf den Knien. „Hört man mich draußen?“, fragt der Oberbürgermeister. Ja, die Übertragungstechnik funktioniert. Den Schweizer Autor Martin Suter schätzt der OB sehr, wie er in der Anmoderation verrät; die Geschichte einer Meinungsumfrage zum Thema Piercing kennt der Politiker noch nicht. Mit redenerprobter Stimme trägt er sie vor. Passanten stutzen, einige fotografieren. Zu denen, die in Eile sind oder Wichtigeres zu tun haben, gehört ein hessischer Minister.

Steinmetz‘sche Buchhandlung zeigt Flagge

Andere bleiben stehen, hören zu, informieren sich per Faltblatt oder bei Helma Fischer. Die Geschäftsführerin der Steinmetz’schen Buchhandlung ist die Einzige, die an sämtlichen Stationen Flagge zeigt, so beim Buchladen am Markt, beim Koffer-Roth, im KOMM, im Modehaus M. Schneider, im Café Don Pedro, zuletzt in ihrem Laden. Die Schokoladenstückchen, die sie anbietet, munden den Vorübergehenden auch.

Neugierige Blicke gelten dem Zwei-Meter-Mann Bernd Köstering. Der Autor dreier Weimar-Offenbach-Krimis sowie eines Frankfurt-Führers präsentiert nichts Eigenes, sondern Arno Endlers Kurzgeschichte „Safari-Kaffee“. Er tut das mit lesungsgeschulter Stimme und souverän.

Einiges Interesse zieht Eva Reiß auf sich. Die evangelische Dekanin hat sich für „Der Bäcker“ von Ferdinand von Schirach entschieden. Ihrer predigtgestählten Stimme lässt sich gut folgen, zumal bis zum Schluss offen bleibt, ob die Sache ein glückliches Ende nimmt.

Bequeme Stühle laden zum Verweilen

„Ist das die Schriftstellerin?“, fragt eine Dame. Nein, es ist Hausherrin Christiana Baudach. Die Galeria-Chefin verbindet die Vorgabe – Spannung – mit einer Zugabe – Humor. Mit verkaufsgeübter Stimme gibt sie ein Kapitel aus Jonas Jonassons Bestseller „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ zum Besten. Das Land der Handlung, Schweden, ist ihr vertraut, die Region nicht, wie sie erzählt.

Lohn für die Lesenden ist eine Blume. Lohn für die Lauschenden sind kurzweilige Minuten. Und vielleicht die Anregung zu stundenlanger Lektüre...

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