Die kalten Schnauzen helfen

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Was passiert eigentlich, wenn ich gerettet werden muss? Die neunjährige Kara durfte im Rettungswagen probeliegen.

Offenbach - Riechen, Suchen, Anzeigen – so lässt sich beschreiben, wozu Rettungshunde in der Lage sein müssen. Unerschrocken durchläuft Mr. Jones den Klimpertunnel. Obwohl dieser mit allerlei Sichthindernissen versehenen ist, erreicht er das andere Ende. Von Harald H. Richter

Teamleiter Alexander Strombach erwartet den Bordercollie und lobt ihn. Der vier Jahre alte Rüde gehört zur Rettungshundestaffel des ASB, die am Tag der offenen Tür vor Publikum einen Ausschnitt ihres Könnens demonstriert. Diese Vorführung bestreiten sieben Hunde mit ihren Führern. Die komplette Staffel ist in Gießen stationiert. Sie besteht aus zwölf Hunden und 18 Hundeführern. In einem kleinen Parcours werden verschiedene Einsatzsituationen in teils unwegsamem Gelände simuliert, wobei Moderatorin Daniela Harnacke die einzelnen Übungen erläutert. Die Vierbeiner haben eine mindestens zweijähriger Ausbildung durchlaufen. Sie müssen sich auf einer Wippe ebenso sicher bewegen können wie durch einen Schlauchtunnel.

Carrie und Alice, zehn und acht Jahre alt, sind schon recht erfahrene Rettungshunde. Die Australian Shepherds gelten in hohem Maß als intelligent und gelehrig. Sie werden daher in der Fährtenarbeit und zum Aufspüren von Menschen eingesetzt. Staunende Zuschauer belohnen sämtliche Darbietungen mit Beifall. Anziehungskraft bei überwiegend erwachsenen Besuchern übt die Fahrzeugschau aus, die nur einen kleinen Überblick bildet. Denn trotz des Jubiläumsfestes läuft das operative Geschäft der Rettungsorganisation auch an diesem Sonntag weiter. Das bedeutet etwa: 160 Mahlzeiten des Menü-Services sind an Kunden auszuliefern.

ÁSB: Mehr als 50 Fahrzeuge in Offenbach

Allein am Standort Offenbach unterhält der Arbeiter-Samariter-Bund Mittelhessen mehr als 50 Fahrzeuge, darunter 16 für den Katastrophenschutz, weitere 15 für die ambulante Pflege und sechs im Rettungsdienst. Auch für die drei Dutzend Mädchen und Jungen, die sich in der Jugendgruppe engagieren, stehen zwei Fahrzeuge zur Verfügung. Wie vielfältig die Arbeit ist, macht sich neben der Ausstattung an der personellen Stärke fest. Mehr als 600 haupt- und ehrenamtliche Aktive bringen sich im Regionalverband Mittelhessen an unterschiedlicher Stelle ein, davon allein in Offenbach 250 Hauptamtliche. 15 Personen leisten zudem ein freiwilliges soziales Jahr beim ASB, hinzu kommen vier im Zuge des Bundesfreiwilligendienstes.

40 000 fördernde Mitglieder zählt der Regionalverband in seinen Reihen, davon allein 11 000 in Offenbach. Vom Kleinkind bis zum pflegebedürftigen Senior reicht das Altersspektrum derjenigen, die in irgendeiner Weise durch Mitarbeiter des ASB betreut beziehungsweise gepflegt werden. Mehr über das und weiteres erfahren die Besucher an Infoständen und Schautafeln, sowie in Gesprächen mit den vielen Helfern. Auch darüber, dass kürzlich eine 16-köpfige Gruppe des Katastrophenschutzes aus dem Einsatz im Hochwassergebiet bei Gartow im Landkreis Lüchow-Dannenberg zurückgekehrt ist. Zudem wird die vor kurzem erschienene Chronik beworben, die eine umfassende Darstellung der Geschichte der Arbeiter-Samariter-Bewegung in der Region Mittelhessen seit 1913 zusammenfasst und anlässlich des Jubiläums des ASB in Offenbach von Erhard Bus (Nidderau) erstellt worden ist.

Der Historiker hält dazu einen Vortrag. Drei Jahre Recherchearbeit und viele Zeitzeugenberichte stecken in dem Werk. Auch Erinnerungen des ehemaligen Offenbacher Oberbürgermeisters Wolfgang Reuter sind eingearbeitet. Er wird unter den Festgästen ebenso freundlich begrüßt wie der frühere Bundesgeschäftsführer Wilhelm Müller, der inzwischen im ASB-Bundespräsidium sitzt. Unterdessen vergnügen sich im Freien die jüngsten Festgäste auf der Hüpfburg und an mehreren Spielestationen. Das Küchenteam verpflegt die Besucher gewohnt vielseitig mit deftiger Kost vom Grill und süßen Leckereien vom Kuchenbuffet. Die Festivitäten zum Hundertsten rundet der ASB ab mit einer akademischen Feierstunde am Samstag, 28. September.

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