Strukturelle Veränderungen

Offenbach - Karriere@technik. Mit dem Slogan werben die Gewerblich-technischen Schulen (GTS). Speziell für den Tag der offenen Tür am Samstag, 9. November, 10 bis 15 Uhr. Willkommen sind alle, besonders jedoch Schüler, die nach der 9. Klasse ans technische Gymnasium wechseln wollen. Von Martin Kuhn

Interesse an Mathematik und Technik sind vorausgesetzt. Lehrer Michael Matschat, der den Tag plant, verrät einen weiteren Vorteil: „Es ist gerade für junge Leute mit Problemen in Fremdsprachen ein Weg, zur allgemeinen Hochschulreife zu gelangen.“ Heißt: An der GTS kann in der Oberstufe die zweite Fremdsprache wegfallen, dafür kommen Maschinenbau, Elektrotechnik und Technische Informatik hinzu. Obwohl nach dem Abitur „viele in diese Richtung weiter studieren“, steht den Jugendlichen mit dem Reifezeugnis der Weg an alle Universitäten offen und somit beispielsweise zum Jura-Studium. „Das wissen die wenigsten.“

In der Aula steht das aerodynamische Gefährt, das bei einem internationalen Wettbewerb 523 Kilometer mit einem Liter Super schaffte. Daneben gewährt die auftrennte Flugzeugturbine den Blick auf ihr Innenleben. Dem Besucher wird schon beim ersten Blick ins Gebäude die technische Ausrichtung demonstriert – anschaulich, ist hinzuzufügen.

Dabei ist die schulische Untergliederung für den Bildungslaien teils weniger transparent: Schüler, die keinen Abschluss nach der neunten Hauptschuleklasse erreicht haben, bereiten sich auf den Übergang in die Berufs- und Arbeitswelt vor. Diejenigen, die den Hauptschulabschluss mit bestimmten Mindestnoten erreichen, lernen in der Berufsfachschule (Metall- und Elektrotechnik) eine spezifische Fachrichtung kennen und erwerben den mittleren Bildungsabschluss.

Als Berufsschule ist die Gewerblich-technischen Schule Ansprechpartner für Metallberufe, Mechatroniker, Kraftfahrzeug- und Flugzeugberufe. Oder man besucht im Anschluss an die Berufsausbildung, nach mindestens einem Jahr Praxiserfahrung, die Technikerschule im Bereich Maschinentechnik oder Mechatronik. Nach zwei Jahren mündet das im „Staatlich geprüften Techniker“ und versetzt in die Lage, Aufgaben im mittleren Führungsbereich zu übernehmen. Wer für die Technikerausbildung seine Arbeitsstelle nicht aufgeben möchte, kann die Weiterbildung in vier Jahren im Abend- und Samstagsunterricht absolvieren.

Berufliches Gymnasium der GTS feiert Abiball

Berufliches Gymnasium der GTS feiert Abiball

Dabei spüren die Gewerblich-technischen Schulen die strukturellen Veränderungen – sowohl die bundesweiten, als auch die lokalen. Der Niedergang des produzierenden Gewerbes in Offenbach (zuletzt MAN Roland, davor Rowenta, Fredenhagen und andere) schlägt sich zeitversetzt auch bei den Schülerzahlen nieder. Schulleiter Manfred Gütlein erinnert: „Früher füllten allein die technischen Zeichner von MAN ganze Klassen. Alles vorbei.“ Offenbachs oft beschworener Weg von einer Arbeiterstadt zum Dienstleistungsstandort hinterlässt an der Schlossgrabengasse Spuren.

Aber: Der technische Fortschritt bringt auch Neuerungen für die Schule mit sich. So ist unlängst das Berufsfeld Automatentechnik hinzugekommen. Ein weites Feld. Automatisch wird mittlerweile nahezu alles gegeben und genommen – Geld, Fahrkarten, Parkscheine, Kaffee, Getränkedosen, Süßigkeiten, Leergut. Nicht zu vergessen sind allerlei Glücksspielautomaten. All diese mechanischen Helfer wollen gewartet sein – und die Auszubildenden entsprechend unterrichtet.

Rubriklistenbild: © dpa

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