Tag der offenen Tür beim Imkerverein

Süßes auch vom Götterbaum

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Von der Blüte in die Wabe: Die Imker erklären ihren gästen, wie Honig entsteht.

Offenbach - Dem Honig wird schon seit der Steinzeit eine besondere Wunderwirkung zugeschrieben: Gegen Entzündungen, gegen den Hunger und in Form von Met auch gegen langweilige Abendgesellschaften. Von Eva-Maria Lill 

Gegen den strömenden Regen am gestrigen Sonntag konnten allerdings auch die fleißigsten Bienen nichts ausrichten. Dementsprechend gering war leider auch der Andrang beim Tag der offenen Tür des Imkervereins Offenbach am Lehrbienenstand. „Schade, dass es regnet. Ansonsten wären die Bienen hier lauter als die Flugzeuge“, berichtet der erste Vorsitzende, Holger Marx.

Die Stimmung ließen sich die Besucher trotzdem nicht vermiesen: Bei Gegrilltem, Kaffee und Kuchen wurde ausgiebig geplaudert und über das goldgelbe Lieblingshobby sinniert. Fachleute und Laien konnten sich tiefgehend über das Handwerk informieren: Bunte Tafeln und Schaukästen dokumentierten Wissenswertes rund um Bienen und Imkerei, fachkundige Führungen wurden angeboten.

Auch die beliebten Kerzen durften aus sogenannten Mittelwänden selbst hergestellt werden. Normalerweise dienen diese Wachsplatten als Verstärkung der Waben in der Zentrifuge, mit etwas Fingergeschick werden sie jedoch rasch zur hübschen Wohnungsdekoration.

Großer Andrang beim Probeimkern

„Jeder, der ökologisch interessiert ist, kommt an den Bienen nicht vorbei“, erklärt der Vizevorsitzende des Imkervereins, Jürgen Panthöfer. Besonders stolz ist er auf den Andrang bei den Probeimkern. Ein Projekt, dass Interessierten ein eigenes Bienenvolk anvertraut und sie mit passendem Unterricht in die Welt der Imkerei entlässt. Etwa 15 neue Begeisterte im Alter von 30 bis 60 Jahren hat der Verein im vergangen Jahr mit dem „Imkerfieber“ infiziert. Eine davon, Evelyn Reinhold, schwärmt: „Praxis- und Theorieunterricht sind an das Bienenjahr angepasst. Was man lernt, kann man sofort selbst umsetzten. Und am Ende gibt es den ersten selbst geschleuderten Honig zur Belohnung.“ Bereits am nächsten Wochenende ist es soweit, und die Neuimker können das erste Mal von ihrem eigenen Produkt probieren.

Gleich nebenan gibt es auch die Offenbacher Spezialität zu kaufen: Der Honig von den städtischen Götterbäumen: „Menschen kommen sogar von außerhalb, um unsere Produkte zu testen. Das Aroma des außergewöhnlichen Baumes, der bei uns im Stadtwald wächst, ist über die Region hinaus bekannt“, weiß Panthöfer. Neben Honig gibt es auch Met, Kerzen und kleinere Mitbringsel zu erwerben. Der 1875 gegründete Verein zählt momentan um die 50 Mitglieder – und auch für den Nachwuchs wird gesorgt. Zwischen langweilig braunen Bienenkästen stehen auch ein paar besonders bunt bemalte. „Wir organisieren Schul-AGs“, verrät Panthöfer lächelnd, „Die Grundschulkinder kommen immer einmal in der Woche vorbei und sind mit Feuereifer bei der Sache.“ Auch Schulklassenführungen erfreuen sich großer Beliebtheit.

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Etwas weniger rosig sieht es hingegen für die Honigbiene aus. Vor einigen Jahren erlangte die schädliche Varroamilbe unsägliche Berühmtheit, aber auch industrielle Landwirtschaft macht den Insekten zu schaffen. Freilebende Bienen gibt es heute bloß noch in wenigen morschen Hausfassaden, sollte sich ein Brummer in den eigenen Garten verirren, stammt er meist vom hiesigen Imker. Erfreulich hingegen ist, dass sich immer mehr Privatleute engagieren und dem Reiz des besonderen Hobbys erliegen. Die Zukunft des leckeren Honigbrötchens ist somit wohl gesichert.

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