Vier historische Anlaufstellen

Tag des offenen Denkmals: Von Altem inspirieren lassen

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Früher war es ein Arbeiterhaus, heute bietet es Wohnraum für Restauratorin Monika Hiltner und ihre Familie. Zum Grundstück an der Rathausgasse, das von Teilen der alten Bieberer Ortsmauer eingefasst ist, gehören eine Werkstatt und ein freigelegter Brunnen.

Offenbach - Zum Tag des offenen Denkmals am 13. September finden auch in Offenbach Führungen und Veranstaltungen statt. Vier Objekte können von der Öffentlichkeit in Augenschein genommen werden, darunter das im Privatbesitz befindliche Fachwerkhaus Rathausgasse 2 in Bieber. Von Harald H. Richter 

„Wir standen vor der Wahl: Entweder ein Reihenhaus oder ein Gebäude alten Stils, das dann aber noch behutsam renoviert werden muss“, erinnert sich Manuela Hiltner. Sie und ihr Mann Holger entschieden sich für das zum Kauf stehende Fachwerkhaus an der Rathausgasse 2, das sich bei genauerem Hinsehen freilich als arg heruntergekommen erwies. Für die diplomierte Möbelrestauratorin kein Hinderungsgrund, sondern eine Herausforderung, den Umbau zu wagen. Das war im Jahr 2005. Kaum zwei Jahre später erstrahlte das etwa zu Beginn des 19. Jahrhunderts errichtete und 1840 erstmals auf einer Karte des Bieberer Ortskerns erwähnte Gebäude in neuem Glanz. Es ist eines von vier Objekten in Offenbach, das anlässlich des Tags des offenen Denkmals am Sonntag, 13. September, besichtigt werden kann.

Vieles deutet darauf hin, dass es sich bei dem Gebäude um ein ehemaliges Arbeiterhaus handelt. Hiltner vermutet, dass es mehreren Parteien Wohnraum bot. Denn dem Grundriss nach waren vier große, einander ähnliche Zimmer vorhanden, jeweils mit einem Alkoven versehen. Dazu eine große, wahrscheinlich gemeinsam genutzte Küche. Heute ist einer dieser Nebenräume Teil des stilvoll möblierten Wohnzimmers der Hiltners, das nicht zuletzt durch sein freigelegtes und zum Teil erneuertes Gebälk aus Nadelhölzern eine behagliche Atmosphäre verströmt.

„Wenn man bedenkt, dass hier früher mehrere Familien gelebt haben, mutet es geradezu luxuriös an, dass uns nun etwa 110 Quadratmeter Wohnfläche auf zwei Etagen zur Verfügung stehen“, bemerkt Hiltner schmunzelnd. Reichlich Platz daher auch für den elfjährigen Sohn, der sich im Obergeschoss eingerichtet hat. Das Anwesen bekam 2007 den Denkmalpreis der Stadt Offenbach, steht es doch exemplarisch für eine sensible Sanierung schutzwürdigen Fachwerks und neue Nutzungsformen. Während im Inneren des Hauses die Holzbalken sichtbar gemacht wurden, hat man sich bei der Fassade für eine Kombination aus Verputz und Schindel entschieden. Mittlerweile rankt Efeu empor, neben der Haustür lädt eine gemütliche Bank zum Verweilen ein. Dort sitzend, fällt der Blick hinüber zur westlichen Grundstücksgrenze. Dort ist im Zuge der Sanierung ein erhalten gebliebener Teil der alten Ortsmauer restauriert worden.

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Gleich daneben befindet sich ein ebenfalls saniertes Gebäude, in dem Manuela Hiltner ihre Werkstatt betreibt. Auch darin können sich interessierte Besucher am Sonntag umschauen und etwas über die Erhaltung historischer Hauseinrichtungen und das Polstern von Sitzmöbeln erfahren. „Außerdem gibt es Kunsthandwerk und Antikes im Hof zu sehen“, kündigt die Restauratorin an. Auf großflächigen Fototafeln hat sie den Ablauf der Sanierung dokumentiert und weiß die Aufnahmen um Erfahrungsberichte zu ergänzen. Unter dem diesjährigen Motto „Handwerk, Technik, Industrie“ beteiligt sich der von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz bundesweit koordinierte Tag an der Kampagne „European Industrial and Technical Heritage Year 2015“. Ähnliche Veranstaltungen finden in vielen anderen Ländern der EU statt. Damit wird auf die Bedeutung industrieller und technischer Objekte für die Denkmallandschaft in Europa hingewiesen.

Nicht nur große Gotteshäuser und malerische historische Altstädte formen die baukulturelle Identität. Vielerorts stechen liebevoll sanierte Kleinobjekte hervor, wie eben jenes in Bieber.

In Offenbach sind anlässlich des Tags des offenen Denkmal am Sonntag für die Öffentlichkeit zugänglich:

• Fachwerkhaus Rathausgasse 2 in Bieber, 10 bis 18 Uhr; Führungen je nach Nachfrage durch Familie Hiltner, auch Werkstattbesichtigungen möglich.

• Katholische Pfarrkirche St. Marien, Bieberer Straße; im Neobarock 1913 erbautes Gotteshaus, das zur Führung des Geschichtsvereins um 14.30 Uhr geöffnet ist.

• Alter Friedhof, Friedhofstraße 21; mit teils über 100 Jahre alten Bäumen und bis zu 180 Jahre alten Grabstätten, sehenswert sind das Krummsche Mausoleum bzw. das Grabmal von Marie Krumm; Führung durch den Geschichtsverein um 11.30 Uhr, Treffpunkt am Haupteingang.

• Historische Voigt-Orgel der Evangelischen Schlosskirche im Schlosspark Rumpenheim, 15 bis 18 Uhr; denkmalgeschützter Klangkörper von 1852, älteste erhaltene Orgel in Offenbach und in der Werkstatt des Orgelbauers Christian Friedrich Voigt (1803-68) entstanden. Führungen nach Bedarf, im Anschluss Konzert.

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