GEW in Stadt und Kreis fordert mehr Geld für Grundschullehrer

„Tag der unbezahlten Arbeit“

Offenbach - Die schlechtere Bezahlung von Grundschullehrern im Vergleich zu Lehrern anderer Schulformen hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Stadt und Kreis Offenbach kritisiert. Von Michael Eschenauer

Warum verdienen Grundschullehrer bei höheren Stundenzahlen weniger als die Lehrkräfte aller anderen Schulformen? Ist die Arbeit von Grundschullehrern weniger wert? Mit diesen Fragen macht die GEW auf eine Aktion mit dem Namen „A13 für alle“ aufmerksam: Gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen in den Grundschulen will man die Benachteiligung von Lehrern in dieser Schulform beenden.

„Wir fordern die gleiche Bezahlung aller Lehrkräfte auf der Grundlage von A13 als Mindestgehalt“, so ein Schreiben, das GEW-Vertreter zeitgleich allen Frauenbeauftragten der Staatlichen Schulämter in ganz Hessen überreicht haben. Nach GEW-Angaben werden Lehrer in der Grundschule mit der Besoldungsgruppe A12 am niedrigsten bezahlt. Alle anderen Lehrer erhalten A13, im Gymnasiallehramt auch A13 plus Zulage.

Die Unterschiede seien ungerecht und frauenfeindlich, heißt es in der Erklärung weiter, weil der Frauenanteil im Grundschulbereich mit 86 bis 88 Prozent am höchsten sei. Außerdem werde die Qualifikation „Pädagogik“ abgewertet, da die Erziehungswissenschaft in der Ausbildung und Praxis der Grundschullehrkräfte einen besonderen Stellenwert habe.

Die Grundschullehrer würden ferner gegenüber den Förderschullehrern benachteiligt, weil sie schon lange inklusiv arbeiteten, eine Aufgabe, die ansonsten in den Förderschulen stattfinde. Darüber hinaus hätten Grundschullehrkräfte im Rahmen der Inklusion einen erheblichen Mehraufwand an bürokratischen Aufgaben, Beratungen und Zusammenarbeit mit Therapeuten zu bewältigen. Auch das Argument der unterschiedlich langen Studienzeiten entfalle für Hessen. Die Studiengänge seien hier gleichlang.

Die GEW-Vertreter erkärten den 13. November zum „Ersten Tag der unbezahlten Arbeit“, denn wenn sie, wie gefordert, nach A 13 besoldet würden, hätten sie ihr derzeitiges Jahresgehalt schon am 12. November erreicht.

Rückendeckung erhält die GEW durch ein Gutachten im Auftrag des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE). Hier kommt Professor Christoph Gusy, Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht, Staatslehre und Verfassungsgeschichte an der Uni Bielefeld, zu dem Schluss, dass die Ungleichbezahlung von Lehrern weder gerechtfertigt ist durch die angeblich verschiedene Ausbildungsdauer noch durch anspruchsvollere Inhalte im Unterricht an Gymnasien. Derartige Unterschiede, so Gusy, bestünden praktisch nicht mehr.

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