Tage des Schuppens gezählt

Wo einst Öl lagerte und Lokomotiven standen, sollen in Zukunft Schul- und Kita-Kinder lernen und spielen. An der Ölhalle auf dem ehemaligen Hafengelände, zuletzt Ort für Kunstausstellungen, nagt derzeit der Abrissbagger. - Foto: OPG

Offenbach - Die alte Ölhalle liegt bereits am Boden, der Lokschuppen folgt nächste Woche. Ein Stück Offenbacher Industriegeschichte geht damit zu Ende. Wo einst Brennstoff gelagert und die Hafenbahn gewartet wurde, sind zuletzt Kunst und Kultur zu Hause gewesen.

Nun wird ein neues Kapitel aufgeschlagen. Der Lokschuppen weicht der Hafenallee, die Ölhalle macht Platz für Grundschule und Kita. Der Bau soll Ende Mai starten.

Das Genehmigungsverfahren steht kurz vor dem Abschluss. Die Stadtwerke-Töchter Mainviertel Offenbach sowie Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft bereiten unterdessen das Baufeld vor. Bereits im Februar wurde der Lokschuppen entkernt und das Dach der Ölhalle abgetragen. Dem vorausgegangen war eine faunistische Untersuchung zum Schutz womöglich dort nistender Vögel oder Fledermäuse.

Diese Woche hat die Firma Eckert Industrieabbruch an der Ölhalle mit den eigentlichen Abrissarbeiten begonnen. Ab nächster Woche soll der Lokschuppen abgebrochen werden. Der unmittelbar neben dem Gebäude verlaufende Nordring ist dafür ein Stück nach Süden verschwenkt worden. Abschließend müssen auf der Wiese am Hafenbecken, dem neuen Schulstandort, Fundamentreste zertrümmert und beseitigt werden.

Danach wird der Boden etwa einen Meter tief abgetragen, anschließend die Sohle der Baugrube als Arbeitsfläche geschottert. Die Erdarbeiten auf dem 7000 Quadratmeter großen Grundstück werden durch die Sondierung von Kampfmitteln begleitet. Bis Mitte April soll die Fläche baureif sein. Danach wird das Grundstück an den neuen Eigentümer und Bauherrn der Schule, die Stadt Offenbach, übergeben.

Bis Ende vergangenen Jahres war die Ölhalle mit ihrer rohen Architektur ein faszinierender Ort zeitgenössischer Kunst gewesen. Maler, Fotografen oder angehende Designer der Hochschule für Gestaltung (HfG) nutzten sie für Ausstellungen.

Viel stärker jedoch hatte der Lokschuppen ein regionales Publikum angezogen. Ab 2004, als der Verein Süßwasser darin sein Kulturcafé Hafen 2 eröffnete, entwickelte sich eine auch von Frankfurtern viel beachtete alternative Kunst- und Kulturszene mit Ausstellungen, Kino und Konzerten internationaler Künstler. Der seit den 1990er Jahren weitgehend brach liegende Industriehafen bot ein einmaliges Ambiente.

Zuvor hatte die städtische Ausbildungs- und Beschäftigungsgesellschaft GOAB im Lokschuppen eine Metallwerkstatt betrieben und bis 2002 der Verein Hard & Heavy Rockkonzerte für Metal-Fans veranstaltet. Doch der Schuppen, ein nicht denkmalgeschützter Nachkriegsbau, war ein Kulturort mit Verfallsdatum.

Nun müssen Ölhalle und Lokschuppen den Weg für Schule und Kita sowie Hafenallee frei machen. Auf der neuen Fahrbahn, zunächst als Baustraße angelegt, soll später der Verkehr des derzeitigen Nordrings fließen. Zur Entlastung der Anwohner rückt die ost-westliche Verkehrsachse ein Stück nach Norden und hält damit größeren Abstand zu den Wohnhäusern des angrenzenden Nordends.

Der Bau von Grundschule und Kita soll im Mai beginnen. Dazu ist zunächst eine Tiefengründung mit 380 Pfählen erforderlich. Im Sommer könnten die Rohbauarbeiten starten. Zum Schuljahresbeginn im August 2017 soll der Neubau übergeben werden.

Mit Gesamtkosten von 26,6 Millionen Euro ohne Grunderwerb stellt das Projekt die bislang größte Einzelinvestition im Schulbausanierungsprogramm der Stadt Offenbach dar. J mt

Kommentare