Taktfrequenz in Richtung Frankfurt erhöht

Enger zusammengerückt

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Vor zehn Jahren rückten Stadt und Region an Marktplatz (Foto) und Offenbach-Ost enger zusammen: Zwei neue Linien nahmen ihren Betrieb ins Kreisgebiet auf.

Offenbach - Großer Trubel herrschte vor genau zehn Jahren in Stadt und Kreis Offenbach: Mit der S 1 und S 2 nahmen zwei neue S-Bahn-Linien ihren Probebetrieb auf.

Mag die S-Bahn aus Wiesbaden auch schon lange vorher durch Offenbach gerollt sein – für Kreiskommunen wie Rodgau, Heusenstamm und Dietzenbach war ihr S-Bahn-Anschluss der Aufbruch in eine neue mobile Freiheit, von der aus Sicht der Stadt Offenbach auch die lokale Wirtschaft profitierte. Heute wird am Heusenstammer Bahnhof der Festakt zum Jahrestag begangen. Damals feierte man im Dietzenbacher Kreishaus. Doch nicht nur dort: An allen 14 neuen Stationen der S 1 und S 2 wurde die Eröffnung des Verkehrsbetriebs gefeiert. Mit einer eigens komponierten Hymne würdigten die Bieberer ihren Anschluss. Dabei hatten sie doppelten Grund zur Freude: Nicht nur, dass ihr Bahnhof umgebaut wurde, in Waldhof entstand auch eine neue Station. Zusammen mit Dietzenbach-Mitte war das einer von zwei neuen Haltepunkten an den beiden zusammen fast 30 Kilometer langen Strecken.

Bei der Erweiterung des Netzes nutzte die Deutsche Bahn als Bauherrin historische Schienenstrukturen. Zum einen wurde die 1896 eröffnete Rodgaubahn integriert, zum anderen der 1982 zu Gunsten einer Busverbindung eingestellte Personenverkehr auf der 1898 eröffneten Strecke Bieber, Heusenstamm und Dietzenbach wieder aufgenommen. Waren die Verbindungen auf diesen Strecken früher eher dürftig, sind die schnellen S-Bahnen wochentags im 15- beziehungsweise 30-Minuten-Takt unterwegs. Mit Vorteilen auch für Offenbacher: Zusätzlich zur S 8 und S 9 rollen zwei weitere Linien durch den 1995 eröffneten S-Bahn-Tunnel in der Innenstadt. „Die Taktfrequenz in Richtung Frankfurt hat sich dadurch erhöht“, sagt Anja Georgi, Geschäftsführerin der Nahverkehrsorganisation NiO. Und viele Offenbacher nutzten die S-Bahnen sogar innerstädtisch.

Längst überfälliger Zusammenschluss

Die S-Bahn-Linie 1 aus Wiesbaden fuhr schon vor der Netzerweiterung durch den Offenbacher Tunnel, endete jedoch in Offenbach-Ost. Seit 2003 fährt sie weiter über Bieber und Jügesheim bis Rödermark-Oberroden. Die S-Bahn-Linie 2 aus Niedernhausen kam neu hinzu. Ab der Frankfurter Ostendstraße erhielt sie einen neuen Linienweg und wurde weiter geführt über Offenbach, Bieber und Heusenstamm bis Dietzenbach. Die Fahrzeiten haben sich dadurch deutlich verkürzt. Von Heusenstamm etwa dauert es keine zehn Minuten, von Dietzenbach gerade mal eine Viertelstunde nach Offenbach. Insgesamt, so Verkehrsplaner Klaus Böttcher von der Kreisverkehrsgesellschaft (KVG), wurden fünf Kreisgemeinden mit zirka 150.000 Einwohnern erschlossen. Offenbach und der Landkreis rückten näher zusammen.

„Das war ein längst überfälliger Zusammenschluss und ein wichtiger Schritt für die Infrastruktur der Metropolregion“, sagt Oberbürgermeister Horst Schneider. Die Funktion Offenbachs als Oberzentrum sei durch den neuen S-Bahn-Ast deutlich gestärkt worden. Die Stadt hatte sich mit 5,7 Millionen Euro an dem 309 Millionen Euro teueren Streckenausbau beteiligt. Die Finanzierung leisteten Bund, Land und Kreis sowie Anrainergemeinden gemeinsam. Dass das Geld gut angelegt war, zeigen die Fahrgastzahlen. Seit Inbetriebnahme haben sie sich nahezu verdoppelt. Wurden wenige Monate nach der Eröffnung werktags noch auf beiden Linien zusammen 19.700 Fahrgäste gezählt, waren es 2008 bereits 22.500. Die jüngste Zählung des RMV ergab 38.000 Kunden. Fast zwei Drittel von ihnen nutzten die S1.

Bahn erhöht Preise zum Fahrplanwechsel

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Allein 20.000 Menschen aus dem Rodgau fahren an jedem Werktag mit der Bahn nach Offenbach und Frankfurt. „Offenbach“, sagt IHK-Geschäftsführer Frank Achenbach, „ist durch die S-Bahn für viele Beschäftigte aus der Region besser und leichter erreichbar geworden.“ OB Schneider: „Wir haben viele innerstädtische Arbeitsplätze hinzugewonnen. Unsere Innenstadt ist täglich voller Menschen.“ Von der besseren Erreichbarkeit hat auch Offenbachs Einzelhandel profitiert. Als Einkaufsstandort, so Achenbach, habe Offenbach nur ein relativ kleines Einzugsgebiet. Durch den S-Bahn-Ausbau sei es ein Stück gewachsen. „Wir haben vor allem aus Heusenstamm, Obertshausen und Rodgau Kunden hinzu gewonnen“, bestätigt Stefan Becker, Geschäftsführer des Modehauses M. Schneider. „Das war ein großer Schritt nach vorn.“

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