Deutscher Engagementpreis

Talent-Raum bald auch in Offenbach

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Vor 400 geladenen Gästen im Konzerthaus Berlin zeichnete Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (2. von inks) das Odenwälder Elektronikunternehmen Jäger Direkt mit dem Deutschen Engagementpreis 2014 in der Kategorie Wirtschaft aus. Geschäftsführer Franz-Josef Fischer (rechts) nahm die Ehrung entgegen.

Reichelsheim/Offenbach - In Berlin ist am Tag des Ehrenamts der Deutsche Engagementpreis 2014 verliehen worden. Träger ist das Bündnis für Gemeinnützigkeit. Von Harald H. Richter 

Mit der zum sechsten Mal vergebenen Auszeichnung wird das unentgeltliche Eintreten von Personen und Organisationen für das Gemeinwohl anerkannt. Einer der sechs Preisträger kommt aus Hessen. Das Projekt ist beim Bundesverband Deutscher Stiftungen angesiedelt und wird durch das Bundesfamilienministerium und den Generali Zukunftsfonds gefördert. Entsprechend groß ist das Lob von Ministerin Manuela Schwesig (SPD) an die Adresse der Preisträger: „Sich freiwillig zu engagieren bedeutet, aktiv mitzugestalten und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Der Deutsche Engagementpreis drückt meinen Respekt vor dem Einsatz für unsere Mitmenschen aus.“

Die mit 10.000 Euro dotierte Publikumsauszeichnung erhält die in Brasilien tätige Hilfsorganisation „Der Kleine Nazareno“ aus dem niedersächsischen Löningen. Neben der Münchener Demenzaktivistin Helga Rohra sowie der Stadt Hannover mit dem Projekt Lesemonitoring und der Generationsbrücke Deutschland in der Schwerpunktkategorie „Miteinander der Generationen“ hat auch das Maximilian-Kolbe-Werk für das Projekt „Demokratieerziehung an sächsischen Schulen durch Zeitzeugengespräche mit Überlebenden des NS-Regimes“ die Jury überzeugt. Die Auszeichnung in der Kategorie Wirtschaft geht diesmal nach Hessen. Der Odenwälder Elektronikhersteller Jäger Direkt in Reichelsheim bekommt den Preis für die frühzeitige Talentförderung junger Menschen zugesprochen.

1,44 Millionen 20- bis 29-Jährige ohne Berufsausbildung

In Deutschland bleiben laut Zahlen der Bertelsmann-Stiftung 1,44 Millionen 20- bis 29-Jährige ohne Berufsausbildung. Ihnen droht ein Leben in der Erwerbslosigkeit oder in prekären Arbeitsverhältnissen. Gleichzeitig nimmt der Fachkräftemangel in vielen Branchen zu. Das seit 1990 bestehende Elektronikunternehmen Jäger aus dem Odenwaldkreis, das 2008 bereits mit dem Deutschen Bürgerpreis ausgezeichnet wurde, steuert erfolgreich dagegen. „Nur durch Qualifizierung und hohe Bildungsstandards können wir die Herausforderungen der Zukunft meistern“, sagt Firmengründer Thomas Jäger, der mit Franz-Josef Fischer die Geschäfte führt.

Jäger Direkt zeichnet sich durch eine überdurchschnittliche Ausbildungsquote im Betrieb aus. Der 200-köpfigen Belegschaft gehören aktuell 34 Lehrlinge an. Deren individuelle Betreuung durch persönliche Paten sowie enge Partnerschaften mit Schulen der Region genießen hohen Stellenwert. Für die Auszubildenden gilt, dass sie ab dem ersten Arbeitstag in das Lebensphasen-orientierte Konzept „gut drauf Leben – von der Schulbank bis zum Ruhestand“ eingebunden sind. Schon 2003 startete das Unternehmen eine Fördermaßnahme für Jugendliche. Damals wurden 26 Hauptschüler in Ausbildung gebracht. Das Konzept legte den Grundstein für die Talent Company – ein mittlerweile bundesweit etabliertes Projekt der Strahlemann-Stiftung, zu deren maßgeblichen Initiatoren und Gründungsstiftern Jäger Direkt zählt. Die Talent Company festigt das Selbstwertgefühl junger Menschen und trägt dazu bei, deren Kompetenzen zu erkennen und zu nutzen. Es schlägt Brücken zwischen Schulen und Unternehmen und unterstützt Jugendliche in der Berufsorientierung. Vor allem Hauptschüler und andere benachteiligte Altersgenossen werden gefördert.

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In einem Fachraum, der über die Komplettausstattung zum Vermitteln von Berufsthemen verfügt, erhalten Jugendliche wichtige Informationen. Workshops und simulierte Assessments vermitteln ihnen Orientierung. Darüber hinaus haben Unternehmen in der Talent Company die Möglichkeit, sich und ihre Ausbildungsinhalte vorzustellen sowie offene Ausbildungsplätze anzubieten. „Im nächsten Frühjahr werden wir auch in Frankfurt einen solchen Talent-Raum eröffnen“, kündigt Mitgeschäftsführer Franz-Josef Fischer gegenüber unserer Zeitung an. „Ähnliches strebt die Stiftung auch für Offenbach an, wenn sich ansässige Unternehmen finden, die mit uns an einem Strang ziehen.“ Mehr als 80 Unternehmen sind dem Beispiel von Jäger Direkt gefolgt und Kooperationspartner an einem oder mehreren der Talent Company-Standorte geworden. So haben immer mehr junge Menschen die Möglichkeit, sich kompetent beraten zu lassen und berufliche Perspektiven zu entwickeln.

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