Fünf Tandems für Berlin

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Die grünen Leibchen unterstreichen den Mannschaftsgeist der Offenbacher, die heute in Richtung Berlin losradeln.

Offenbach - Es macht ihnen einen Heidenspaß, den Tandemfahrern aus Offenbach. Ein kleiner Junge fragt angesichts der grünen T-Shirts des Vereins: „Geht ihr Fußball spielen?“ Auch das wäre vorstellbar, aber die Inschrift auf den Hemden ist eindeutig. Von Ernst Buchholz

Es sind die Mitglieder des Tandemclubs Offenbach für Blinde, Sehbehinderte und ihre Freunde, die ihre Fahrzeuge aus der Garage auf der Rosenhöhe holen.

Je ein Pilot sitzt vorn am Lenker, ein Sehbehinderter oder Blinder schiebt hinten kräftig mit. Sie wollen an der Sternfahrt zum 100-jährigen Bestehen des Blinden- und Sehbehindertenverbands nach Berlin teilnehmen. „Wir haben ganz schön trainiert“, sagen Piloten wie ihre Beifahrer hinten.

Eifrig werden Tipps ausgetauscht, was gegen Muskelkater und andere fahrradtypische Beschwerden hilft. Bis zu 80 Kilometer am Tag fuhren André Koch und Rima Stiben, Marc Hochgeschurz und Peter Welzbacher, Gudrun Luprich und Gabriele Bosten, Ralf Wunderlich und Lothar Janotta, Heidi Köhler und Mirvat Kortam. Die Organisation übernimmt Johannes Bosten, der auch den Kleinlaster für den Transport von Gepäck und notfalls Rädern fährt. „Das Tandemfahren ist eine sportliche Herausforderung“, betont er, „es ist aber auch ein hervorragendes Teamtraining.“

Längste Tagesstrecke sind 125 Kilometer

Die lange Strecke nach Berlin bedurfte einer gründlichen Vorbereitung. Auch wenn nicht alles mit dem Tandem gefahren wird. Die erste Gruppe fährt am heutigen Samstag mit der Bahn nach Fulda. Von dort führt die Strecke über den Milseburg-, den Ulstertal- und den Werra-Radweg nach Bad Liebenstein, danach über Erfurt, Schkopau (dem Berlinfahrer ehemals durch die Aufschrift „Plaste und Elaste“ an der Brücke bekannt) und Leipzig nach Bitterfeld.

In Bitterfeld kommen drei weitere Offenbacher Tandems hinzu, die über Wittenberg, Neuendorf und Potsdam Kurs auf Berlin nehmen. Der weiteste Streckenabschnitt sind die 125 Kilometer von Erfurt nach Schkopau. Das ist eine Herausforderung. Immerhin spannt sich der Altersschnitt vom jüngsten Teilnehmer mit 42 Jahren, die beiden ältesten sind 70 Jahre alt. Probleme außer der körperlichen Belastung sieht keiner von den Doppelradlern. „Bei der Bahn haben wir immer freundliche und hilfsbereite Schaffner gefunden. Natürlich müssen wir mit unseren großen Rädern in den Regionalbahnen fahren.“

Die Übernachtungen unterwegs zahlen die Teilnehmer selbst. In Berlin sind sie vom Bundesverband eingeladen. Die Route durch Berlin ist glänzend vorbereitet. Da kann sich so schnell keiner verfahren. Und vielleicht sind die Offenbacher Tandemfahrer ja in den Fernsehnachrichten durchs Brandenburger Tor strampelnd zu sehen. Mit Blick auf den Bundestag, versteht sich.

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