Team aus Offenbach – er sehend, sie blind

Mit dem Tandem durch Kuba

+
André Koch und seine blinde Lebensgefährtin Rima Stiben, Mitglieder des Tandemclubs Offenbach, haben gemeinsam etliche Kilometer zurückgelegt. Jetzt sind sie mit dem Verein Tandem-Hilfen auf Tour durch Kuba und unterstützen dort sehbehinderte Kinder.  

Offenbach - Mit dem Tandem zwei Wochen unterwegs durch Kuba sind derzeit vier Teams aus Deutschland. Eins davon sind André Koch und Rima Stiben vom Tandemclub Offenbach. Das Besondere: Je ein blinder Copilot und ein sehender Pilot fahren miteinander für einen guten Zweck. Von Veronika Schade 

Unterwegs besuchen sie Blinden- und Sehbehindertenschulen und übergeben ihnen Tandems und Hilfsmittel. Auf gemeinsamen zwei Rädern unterwegs waren sie schon in Paris und St. Petersburg, vor elf Jahren ging es von Berlin nach Athen. Jetzt sind Rima Stiben und André Koch auf Tour durch Kuba. Tandemfahren ist das liebste Hobby der Offenbacherin und ihres Lebensgefährten.

Für die Beiden ist es die ideale Möglichkeit, zusammen Zeit in der Natur zu verbringen und sportlich aktiv zu sein – ohne jede Einschränkung. Denn Stiben ist blind. „Es gibt nichts Besseres als ein gut funktionierendes Tandem-Team“, schwärmt sie. Sich aufeinander verlassen zu können, das Gefährt mit vereinten Kräften in Bewegung zu halten und unmittelbar das Erlebte miteinander zu teilen: Das macht den Reiz des Tandemsports aus.

Mehr über das Projekt erfahren Sie hier

Kennengelernt hat sich das Paar beim Tandemclub Offenbach, in dessen Farben es etliche Kilometer zurückgelegt hat. Dabei kam der Kontakt mit dem Verein Tandem-Hilfen zustande. Dieser fördert nationale und internationale Tandem-Freizeiten, bei denen Sport, Kultur, Rehabilitation und Bildung im Vordergrund stehen und deren Ziel die Integration blinder und sehbehinderter Menschen ist. Kuba ist Ziel der diesjährigen Freizeit. „Wir wollen, dass dort blinde Kinder und Jugendliche die Möglichkeit erhalten, das Tandemfahren als integrative Sportart kennen und lieben zu lernen“, erläutert Vorsitzender Thomas Nicolai. Vier Teams aus Deutschland, bestehend aus einem sehenden Piloten mit seinem blindem Copiloten, sind 14 Tage mit dem Tandem unterwegs.

Dabei besuchen sie mehrere Blinden- und Sehbehindertenschulen und übergeben Tandems, Blindenschrift-Schreibmaschinen, weiße Stöcke und weitere Hilfsmittel. Sie kamen durch Spenden zusammen und gingen zum Teil schon im November mit einem Containerschiff auf die Reise. Gefördert wird das Projekt vom Deutschen Blindenhilfswerk. Die Flug- und Aufenthaltskosten tragen die acht Teilnehmer aus Berlin, Leverkusen und Offenbach selbst.

Weltreise: Günstig um die Erde fliegen

Weltreise: Günstig um die Erde fliegen

Am Dienstag ging die Reise los. Erwartungsfroh zeigen sich die Offenbacher vor dem Abflug nach Varadero: „Aktuell ist viel von politischem Tauwetter im Zusammenhang mit Kuba zu hören und zu lesen.“ Sehr gespannt sind beide auf das Land. „Es soll ja in vielem so anders sein“, schmunzelt Koch. Stiben, die noch nie in der Karibik war, ist außerdem auf das tropische Klima gespannt.

Zu erleben, wie blinde Menschen in dem sozialistischen Land zurecht kommen, macht für beide den speziellen Reiz der Reise aus. Vor allem freuen sie sich auf das glückliche Kinderlachen, wenn sie auf dem Schulhof mit den Tandems die ersten Runden drehen.

Die Teilnehmer führen abwechselnd eine Art Tagebuch. „Das gibt sicher einen schönen Bericht“, sagt Koch, der auf eine nachhaltige Wirkung hofft: „Ich wünsche mir, dass die Kontakte zu den Schulen und Organisationen nach der Reise bestehen bleiben. Mit modernen Kommunikationsmitteln könnte das möglich sein – auch oder vielleicht gerade auf Kuba.“

Kommentare