Tankstelle für neuen Lebensmut

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Spendenübergabe an die Teestube Offenbach in der Gerberstraße: Den Scheck über 500 Euro überreichten (v.l.n.r) Tatjana Endres, Ina Mpantis, und Henyrk Kata (alle Mitarbeiter der NIO) an Anne Podborny von der Diakonie.

Offenbach - „Option für die Armen“ - hinter diesem nüchternen Leitgedanken verbirgt sich mehr als eine Redewendung des Diakonischen Werkes Offenbach-Dreieich-Rodgau, das zum Verbund des Diakonischen Werkes in Hessen und Nassau gehört. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Es ist die tägliche Herausforderung, Menschen am unteren Ende der sozialen Leiter das zu geben, was neben dem Notwendigsten zum Leben mindestens genauso wichtig ist: die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

Um diese Arbeit effektiv zu unterstützen, erhielt die Teestube in Offenbach jetzt einen Scheck in Höhe von 500 Euro. Das Geld stammt aus de Einnahmen des Bücherflohmarktes im „OF InfoCenter“, der sich großer Beliebtheit erfreut. Die Offenbacher Stadtinformation GmbH (OSG) und der Nahverkehr in Offenbach (NIO) spenden regelmäßig diesen Erlös.

Die Teestube der Diakonie sorgt seit nun bald zwanzig Jahren dafür, das menschliche Grundbedürfnisse in Offenbach nicht zu kurz kommen. Von Montag bis Samstag stehen in der Gerberstraße 15 drei Räume und eine kleine Freisitzecke zu Verfügung. Wer hierher kommt, ist in der Regel ohne festen Wohnsitz, lebt in Notunterkünften oder sonstigen unklaren Verhältnissen. Als offene Einrichtung steht die Teestube auch allen anderen Bürgern bereit. Ab und an kommen solche, die in der Umgebung arbeiten oder eine Spende im angegliederten Kleiderladen abgeben. Sie bilden aber eine Minderheit.

Mittwochs um 10 Uhr gibt es Gratis-Frühstück

Essen und Trinken gibt es zum Selbstkostenpreis, eine große Tasse Kaffee kostet etwa 40 Cent. Backwaren vom Vortag werden von verschiedenen Bäckereien – mehr oder weniger regelmäßig - gespendet und entsprechend kostenlos angeboten, mittwochs um 10 Uhr kann gratis gefrühstückt werden. Das Angebot kommt an: Das beweisen die täglichen Besucherzahlen von 50 bis 60 Gästen – egal ob es draußen minus zehn oder plus 25 Grad warm ist. Sie alle schätzen die geschützte Atmosphäre, die ihnen neben der bloßen Nahrungsaufnahme und Gesprächen mit dem Tischnachbarn noch mehr bietet: Gepäckaufbewahrung in Schließfächern, eine voll eingerichtete Küche zur Selbstversorgung, Dusche, Waschmaschine, Fernseher, Bücher, Zeitungen und Spiele. Hin und wieder stehen Gruppenausflüge auf dem Programm. Nicht zu vergessen das vielleicht wichtigste Angebot: die Beratung und Unterstützung im Alltag. Die geht über Vermittlung von Fachdiensten, Gelegenheitsangeboten für gemeinnützige Arbeit, Übernachtungsplätzen und ärztlicher Versorgung über Hilfe bei Rechtsansprüchen sowie Wohnungs- und Arbeitsplatzsuche bis hin zur Schuldnerberatung.

Betrieben wird außerdem eine Übernachtungsstätte für Menschen ohne festen Wohnsitz sowie eine Übergangseinrichtung für diejenigen, die nicht mehr auf der Straße leben wollen, aber noch nicht in der Lage sind, sich eine eigene Wohnung zu besorgen und zu finanzieren.

Großer Anteil an versteckter Wohnungslosigkeit

Ein zehnköpfiges Team aus Ehrenamtlichen, Ein-Euro-Jobbern, einer jungen Hauswirtschafterin und drei Sozialarbeitern ist der Motor der Teestube. Eine der Fachberater ist Petra Heck. Die Arbeitsbereichsleiterin ist seit elf Jahren in der Anlaufstelle tätig. „Es gibt einen großen Anteil an versteckter Wohnungslosigkeit, der statistisch nicht erfasst wird,“ erklärt Heck. „Wir betreuen Menschen, die auch noch mit sozialen Problemen wie Überschuldung, Suchtkrankheiten, psychischen Problemen oder langer Arbeitslosigkeit zu kämpfen haben.“

Große Erfolgserlebnisse sind in der Einrichtung selten. Wer hier arbeitet, freut sich über kleine Dinge, wie einen frisch geduschten Gast mit neuem Lebensmut. Zumal man oft nicht weiß, wie es einem Menschen ergangen ist, der nicht mehr herkommt: Er könnte eine neue Bleibe oder einen Job gefunden haben oder aber einfach verstorben sein.

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