Tanzdrache führt Besucher durchs Haus

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Lena Schrieb beugt sich über eins der ersten Exemplare ihres Magazins. Es dauert ein Weilchen, bis sie und die Drucker den perfekten Farbton gefunden haben.

Offenbach (kap) ‐ Man konnte sie regelmäßig im Ledermuseum sehen, stets ausgerüstet mit Papier und Zeichenstift. Die Studenten und Studentinnen des Illustrations-Seminars „Reportagezeichnen“ der Hochschule für Gestaltung (HfG) suchten sich mit ihrem Professor Michael Jordan im vergangenen Wintersemester in den Sammlungen des Ledermuseums Inspiration und Motive.

Dabei entstanden nicht nur Vorskizzen – die Studenten suchten für die freie Arbeit den Kontakt zu Besuchern und Museumsmitarbeitern, um ihre Eindrücke zu erweitern.

Studentin Lena Schrieb machte in ihrer Begeisterung für das Gesehene und Erlebte das Thema zur Prüfungsarbeit für ihr Diplom-Nebenfach. Für ihr „Barong“-Magazin, das im Sommer beim Rundgang der HfG zu sehen war, hatte sie mit Ellen Wagner Interviews geführt. Museumsmitarbeiter gaben bereitwillig Auskunft über ihr Lieblingsstück im Haus, über ihre Tätigkeit und ihre persönlichen Erfahrungen. Gespickt sind die Texte mit Anekdoten aus dem Museumsalltag.

Ein indonesischer Tanzdrache hatte es Lena Schrieb besonders angetan

Beim Zeichnen ließ sich Lena Schrieb von der Atmosphäre im Museum beeinflussen: Sie fühlte die Nähe des Originals, wenn sie vor den Vitrinen saß, genoss die Ruhe und relative Dunkelheit und ließ sich von den Lichtintervallen der Vitrinen, deren Lampen sich zum Schutz der Objekte nach wenigen Minuten von selbst ausschalten, tragen: „Das An und Aus der Lichter beeinflusste meinen Arbeitsrhythmus und zwang mich zum regelmäßigen Aufstehen und Setzen, zum Zeichnen und Pausieren“, beschreibt sie den Prozess.

Skurriles fiel der 25-Jährigen auf, aber auch Spannendes wie die filigranen Schattentheaterfiguren. Besonders angetan hatte es Lena Schrieb der „Barong“, ein indonesischer Tanzdrache, der auch Namensgeber ihres 16-seitigen Magazins ist, das im Atelier an Zeichentisch und Computer entstand.

Auflage von 2000 Stück

Der erste Schritt dazu war die Erstellung zweifarbiger Motive mittels Folien. Schwarze Acrylfarbe wurde gekratzt und gemalt, später eingescannt und digital übereinander gelegt. Das Heft entstand danach als digitale Collage in einem Layoutprogramm, die Schrift wurde nachträglich hineingezeichnet. Das Magazin dokumentiert Schriebs Auseinandersetzung mit dem Deutschen Ledermuseum (DLM), den Skizzen, den Räumen, den Personen, denen sie Porträtbilder widmet, und ihren eigenen Lieblingsdingen.

„Barong“ wurde in einer Auflage von 2000 Stück im Verlagshaus unserer Zeitung gedruckt und ist zu einem Sonderpreis von zwei Euro zugunsten des Deutschen Ledermuseums dort an der Frankfurter Straße 86 zu erwerben. Den Vertrieb übernehmen das Museum und Lena Schrieb. Dank der Kooperation mit dem Verlag konnte die Künstlerin die Entstehung ihres Werks in der Druckerei miterleben.

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