Tanzsportclub Maingold-Casino e. V.

Klangvoller Name bleibt

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Ein Foto aus den 70er-Jahren, den goldenen Zeiten des Maingold-Casinos: 20 Jahre in Folge richtete der Verein etwa in der Stadthalle Offenbach Deutsche Meisterschaften in den Standard- und Lateintänzen aus.

Offenbach - Ein Verein mit langer Tradition, sportlichen Erfolgen, ohne Mitglieder- oder Nachwuchsproblem, bar jeglicher finanzieller Sorgen, ohne interne Streitigkeiten: Aber ab 1. Januar 2015 gibt es ihn nicht mehr. Zumindest nicht in der der bisherigen Rechtsform. Von Thomas Kirstein

Der mit 65 Jahren durchaus ehrwürdige Tanzsportclub Maingold-Casino e. V. ist dann nicht mehr. Aber es lebt weiter die Tanzsport-Abteilung Maingold-Casino Offenbach der DJK Blau-Weiß Bieber. Mehr als 45 Jahre lang hat Carlo Enders das Maingold-Casino verkörpert. Der dienstälteste Offenbacher Sportvereinsvorsitzende hat im 81. Lebensjahr seinen Sessel geräumt – nachdem er schon 2013 erklärt hatte, die definitiv letzte Amtsperiode anzutreten. Seit diesem Herbst ist er der Ehrenvorsitzende.

Einen Nachfolger gibt es nicht. Der zehnköpfige Vorstand will auch nicht weitermachen, hat ohnehin, wie Enders sagt, nur ihm zuliebe noch weitergemacht. Das Maingold-Casino ist wohl Vorbote einer Entwicklung, die auch andere Vereine ereilen wird. Kürzlich beklagte Waldemar Krug, dass er keinen Nachfolger für sich im Amt des Offenbacher Fechterpräsidenten finde.

Es ist aber nicht nur die Zeit, in der die ehrenamtliche Tätigkeit im Verein nicht mehr begehrt ist, in der auch der Beruf oft nicht mehr den Freiraum lässt. Carlo Enders, der auch auf überregionaler Ebene und in städtischen Gremien tätige Funktionär, entwickelt Verständnis. „Wenn man sieht, was auf die Vorsitzenden heutzutage zukommt: Versicherungen, Finanzamt, Erhalt der Gemeinnützigkeit, elektronische Zusammenarbeit mit den Verbänden...“ Ohne hauptamtliche Kraft, da ist er sich sicher, ist das gar nicht mehr zu bewältigen.

Notwendigkeit der Fusion früh erkannt

Die Notwendigkeit von Fusion oder Kooperation ist beim Maingold-Casino schon früh erkannt worden. Der einzige klassische Tanzsportverein Offenbachs musste nach Frankfurt blicken und dort vorstellig werden. Ein Zusammengehen auf gleicher Ebene war dort aber nicht gefragt, die 165 Offenbacher hätten gern eintreten dürfen. Mehr nicht. „Nach 66 Jahren wollten wir nicht einfach so geschluckt werden“, sagt Enders.

Carlo Enders verkörperte lange als Vorsitzender das Maingold-Casino. Jetzt hat er den Sessel geräumt.

Wie gut, dass es familiäre Bindungen gibt, die zwar keinen eigenständigen Verein, jedoch einen klangvollen Namen der deutschen Tanzszene bewahren. Sohn Achim Enders ist Vorsitzender des Sportvereins DJK Blau-Weiß Bieber. Ein gut funktionierender Verein mit 410 Mitgliedern, der sich zur Führung seiner Geschäfte eine bezahlte Halbtagskraft leisten kann. Und der jetzt mit einer neuen Tanzsportabteilung ein Schnäppchen macht. Enders junior hat Enders senior gern geholfen. „Es ist schon ein trauriges Kapitel, irgendwie ein Spiegelbild einer Gesellschaft, in der keiner mehr ein Ehrenamt übernehmen will“, meint er. Was er sozusagen vom Papa erbt, „passt gut bei uns rein“.

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Juristisch handelt es sich um eine Verschmelzung, der beide Vereine einmütig zugestimmt haben. Biebers DJK hat die Maingold-Mitglieder mit allen Rechten und Pflichten übernommen. Für Letztere ändert sich nichts, auch der Beitrag bleibt.

Ihrem Sport können sie wie bisher nachgehen, ob in den florierenden Hip-Hop- und Salsagruppen, ob in den traditionellen Sparten Standard und Latein. Deren Tunierpaare betreten weiterhin als Maingold-Vertreter das nationale Parkett. Norbert Appel und Birgit Fehrmann-Koschier sind die Leiter der Abteilung. Als Ehrenpräsident kann Carlo Enders Repräsentationsaufgaben übernehmen.

Eine große Offenbacher Sporttradition bleibt damit, erhält aber einen neuen Status. 1948 gegründet, wurde das Maingold-Casino der Tanzsportclub Offenbachs schlechthin. 20 Jahre in Folge richtete der Verein etwa in der Offenbacher Stadthalle Deutsche Meisterschaften in den Standard- und Lateintänzen aus. „Das hat uns bundesweit kein Verein nachgemacht“, ist Carlo Enders bis heute stolz.

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