Tatkräftige Helfer gesucht

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Es gibt immer etwas zu tun: Hier wird zum Beispiel der Barfußparcour von Unkraut befreit. Khalid engagiert sich seit einem Jahr auf der Farm. Brigitta hilft derweil ihren Söhnen Dennis und Daniel, die gern ihre Freizeit auf dem Gelände verbringen.

Offenbach ‐ Wenn es in der Rheinstraße mittags auf 13 Uhr zugeht, erwarten schon einige Kinder, dass sich die Holztüre zum Grundstück der ehemaligen städtischen Gärtnerei endlich öffnet. Besonders viele sind es, wenn die Sonne scheint. Von Stefan Mangold

Dann kommen zwischen 60 und 70“, sagt Karin Schmitz-Roeckerath, die nachmittags mit anderen Helfern Aufsicht und Betreuung übernimmt. Beim Tag der offenen Tür am vergangenen Freitag schien die Sonne und überall rannten und werkelten Kinder und Jugendliche herum. Vor über zehn Jahren hatte der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder verkündet, „jede Schule muss einen Internetanschluss bekommen.“ Die pädagogischen Ziele haben sich verändert. „Solange die Kinder hier sind, sitzen sie auch nicht vor dem Computer,“ sagt Jasmine Imeraj, Vorstandsmitglied und Mitgründerin des Vereins Kinder- und Jugendfarm. Seit 2004 treffen sich auf dem über 8000 Quadratmeter großen Gelände zwischen 13 und 18 Uhr junge Menschen von März bis Oktober.

Die Städter finden hier eine ländliche Oase vor. Wo sonst könnten sie kleine Hütten zimmern, Gemüse anpflanzen oder sich um Kaninchen und Ponys kümmern. „Die Kinder lernen, Verantwortung zu übernehmen,“ erklärt Jasmine Imeraj wichtige Aspekte des Freiluftzentrums. Es stecke mehr hinter dem Umgang mit Lebewesen, „ als einfach nur Tiere zu streicheln und goldig zu finden.“

Sichtlich wohl fühlt sich das Pony Sonnie. Das liegt auf der Koppel im Sand und genießt die Massage der Mitarbeiterin Tanja Folberth, die dem Tier Bündel weißer Wolle aus dem Fell schrubbelt. Daneben bildet sich schon ein großes Knäuel. Sonnie knufft seine Wohltäterin mit dem Kopf an, sobald die droht, die Massage einzustellen. Ein paar Kinder stehen auf den Balken der Umzäunung und schauen zu. Die Jüngsten, die ihre Nachmittage hier verbringen, sind sechs Jahre alt, „sobald sie zur Schule gehen, können sie ohne Eltern herkommen.“ Die ältesten sind 15 Jahre alt.

Frühlingsfest zum letzten Mal in der Rheinstraße

Dicht bevölkert sind die dicken, blauen Turnmatten, „ein Geschenk der Polizei.“ Jasmine Imeraj erwähnt noch Sponsoren, die für das Futter der Tiere aufkommen. Jedes Pony hat einen eigenen Gönner. Wobei Jasmine Imeraj, Mutter von zwei Kindern, die früher selbst auf der Farm spielten, auch ihren Arbeitgeber fragte, ob er nicht eine Patenschaft übernehmen wolle. Deshalb sorgt die japanische Firma Honda dafür, dass Pony Blacky genügend Hafer in den Trog bekommt. Auch Einzelpersonen engagieren sich finanziell. Martin Eckert überweist Geld für ein Huftier, das alle Nero rufen.

Die Kinder- und Jugendfarm sucht ständig Bürger, die mithelfen wollen, „wenn es zum Beispiel darum geht, ein Fest zu organisieren.“ Auch Leute, die sich im Vorstand engagieren wollen, sind willkommen. In der nächsten Zeit stünde dem Verein viel bevor. Das schon fast traditionelle Frühlingsfest „findet am 25. April das letzte Mal in der Rheinstraße statt,“ bedauert Jasmine Imeraj. Dass sie irgendwann weg müssen, weiß der Verein seit damals, als der damalige Oberbürgermeister Gerhard Grandke das Gelände zur Verfügung stellte.

Sie konnten länger bleiben, als erwartet. Doch im nächsten Jahr walzen Bagger die gezimmerten Hütten nieder. Das Polizeipräsidium wird gebaut. Aber die Kinder- und Jugendfarm muss den Betrieb nicht einstellen. Sie zieht um, wenige Gehminuten entfernt, „auf ein Grundstück im Wetterpark, ebenso groß wie das jetzige.“ Auch deshalb hofft Jasmine Imeraj auf neue Helfer. „Wir fangen dann wieder von vorn an.

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