7. Tattoo-Messe

Gestochen scharfe Motive

+
Die beste Werbung tragen Tätowierer auf ihrer eigenen Haut. Sie präsentierten sich am Samstag und Sonntag in der Messe Neugierigen und alten Hasen des Tattoo-Geschäfts.

Offenbach - Zum siebten Mal kamen Freunde ganz besonderer Kunst in die Messe: Besucher, die sich ihren Körper verzieren lassen wollten, machten sich bei der Tattoo Convention ein Bild von den Trends. Von Ramona Poltrock 

Der Anfang ist gemacht. „Jetzt bist du offiziell gepimpt“, meint Babs vom Tattoostudio „Burning Cubes“ aus Rheinland Pfalz und kneift Sandra leicht in den Oberarm. Stolz schauen sich Tätowiererin und Kundin das fertige Kunstwerk an. Auf dem Unterarm von Sandra prangt in Schwarz auf Haut ein etwa drei Zentimeter großer Stern in einem Herzen. „Jetzt habe ich meine Kinder immer bei mir“, freut sich die Offenbacherin. Es ist ihre erste Tätowierung.

Die beste Werbung tragen Tätowierer auf ihrer eigenen Haut. Sie präsentierten sich am Samstag und Sonntag in der Messe Neugierigen und alten Hasen des Tattoo-Geschäfts.

Etwas früher an diesem Samstag in den Messehallen Offenbach offenbart die 35-Jährige: „Ich habe schon mit sechzehn gesagt, dass ich einTattoo will, aber ich habe mich nie so richtig getraut, aber jetzt mach’ ich es.“ Auch nach den ersten schmerzvollen Stichen bei der siebten Tattoo Convention am vergangenen Wochenende bereut sie ihre Entscheidung nicht. Nach einer dreiviertel Stunde ist Sandra „entjungfert“, ihr erstes Tattoo ziert nun ihren Körper. Und wie das nun mal so ist: Wer einmal von der Frucht der Sünde genascht hat, will mehr. „Das ist nur ein Teil von dem, was ich wirklich haben will“, verrät denn auch die Offenbacherin. „Da soll auf jeden Fall noch ein Drache dazu und noch einiges anderes.“ Dass es bei einer Tätowierung im Allgemeinen nicht bleibt, wird jedem nicht-tätowiertem Besucher klar. „Es ist wie eine Sucht“, sagt Karolina Zacharska. „Es tut zwar weh, aber der Schmerz ist auch irgendwie geil.“ Zwei Tätowierungen zieren bereits den Körper der 21-Jährigen. Heute soll das dritte gestochen werden. Über das Motiv ist sie sich bereits im Klaren. „Ich stehe auf Old-School-Tattoos und will mir einen Cupcake stechen lassen.“

Schmerzen auf dem Klapptisch

Mit einem Old-School-Tattoo liegt Karolina voll im Trend. Neben Schriftzügen sind auch die bunten Tätowierungen, wie sie früher die Oberarme vieler Seemänner schmückten, wieder angesagt. Aber Karolina läuft nur bedingt den Trends hinterher. „Ich mag es nicht, wenn sich Leute etwas stechen lassen, nur weil es im Trend liegt. Für mich ist es wichtig, dass die Tätowierung auch etwas mit mir und meinem Leben zu tun hat.“

Auf Armen, Köpfen, Rücken – keinen Zentimeter des Körpers lassen manche Tattoo-Fans aus.

Mit schmerzverzerrtem Gesicht liegt die Offenbacherin auf einem Klapptisch mitten in der Halle und lässt sich einen blauen Cupcake inklusive Zuckerstange und Spruchband unter ihrer Brust stechen. „Auf der Banderole steht das Geburtsdatum meiner Mutter und im Cupcake versteckt sind die Initialen von mir und meinem Bruder,“ erläutert sie. Doch auch die ausgewählte Stelle von Karolina folgt einem Trend. Es ist auffällig zu beobachten, dass Männer ihre Lebensgeschichten und Hobbies vorwiegend an Armen, Waden oder auf ihrer Brust zur Schau stellen. „Für Frauen hingegen sind Tattoos etwas Intimeres, sie achten mehr darauf, dass man es leicht bedecken kann,“ sagt Babs. Sie als Tätowiererin ist da wohl eine Ausnahme. Ihre bunten Tätowierungen sind auch unter ihren schwarzen langen Kleidern noch zu sehen. Mehr als 40 Prozent ihrer Haut erzählen bereits ihr Leben. Darunter sehr persönliche Zeichnungen, aber auch „totaler Nonsens“ und Übungsstücke.

Bilder der Tattoo-Messe in Offenbach

Tattoo-Messe in Offenbach

Übungsstücke? Ja. An ihrem Körper dürfen sich auch mal ihre Azubis austoben. „Jeder darf an meiner Wade üben.“ Was für den einen unglaublich erscheint, ist für sie von großer Bedeutung. „Die Leute sind für immer ein Teil meines Lebens. Jedes Tattoo erzählt eine Geschichte“, führt die Künstlerin aus. Doch diese zusätzlichen Bilder auf ihrem Körper sind für sie meist kostenlos, andere müssen für die Geschichte ihres Lebens tief in die Tasche greifen. Einzelne Bilder von bis zu 600 Euro zieren die Körper mancher Besucher. Da wäre es durchaus billiger, ein Fotoalbum anzulegen – das aber kann man nicht immer bei sich tragen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare