Tauben-Hinterlassenschaften

Eklig, aber unbedenklich

Für sich sprechen diese Bilder, die Doris Schaaf von der Firma Management Coaching im Q-Park am Marktplatz gemacht hat.

Offenbach - Die einen füttern und züchten sie liebevoll, eher prachtvolle Exemplare wie das Altdeutsche Mövchen. Die anderen jagen sie hasserfüllt, besonders die gemeine Stadt- oder Straßentaube. Von Fabian El Cheikh

Zuletzt schoss ein Tierfeind die Vögel im Januar wochenlang mit Blasrohrpfeilen am Kaiserlei ab. Legale städtische Versuche, die Population irgendwie in den Griff zu bekommen, haben in der Vergangenheit nur wenig Erfolg gezeitigt. Immer absurdere Instrumente waren ausprobiert worden: Der Versuch, Taubeneier durch Imitate auszutauschen, wurde genauso aufgegeben wie der Einsatz eines Taubenwagens, der zuletzt an der Bahnüberführung Bieberer Straße stand. „Der Aufwand war einfach zu groß“, berichtet Christian Broos vom Ordnungsamt. Obwohl die Hinterlassenschaften der Tiere dort besonders auffällig sind.

Immer wieder gehen Beschwerden über verdreckte öffentliche Flächen beim Ordnungsamt ein. Dessen ungeachtet, berichtet Sachgebietsleiter Broos, stagnierte zuletzt die Taubenpopulation in der Stadt. „Das konsequent überwachte Fütterungsverbot hat einiges dazu beigetragen.“ Mit der Konsequenz, dass sich die Tiere vermehrt in private Liegenschaften zurückziehen.

Ekelerregende Zustände

Von besonders ekelerregenden Zuständen berichten Besucher des Parkhauses an der Ziegelstraße (Toys’R’Us) sowie Kunden von Doris Schaaf und anderen Firmen im Geschäftshaus am Marktplatz (ehemals Kleider-Frei). Seit Monaten fordern die Mieter dort den Betreiber des Parkhauses von Q-Park an der Waldstraße vergeblich auf, das Gebäude zu reinigen.

Schaafs Schilderung hat zwischenzeitlich das Gesundheitsamt alarmiert: „Die Parkflächen, Wände und Deckenträger sind völlig verkotet mit Taubenexkrementen. Insbesondere auf den oberen Etagen watet man durch Taubenkot, wenn man die Parkebene über das ebenfalls seit Monaten ungepflegte Treppenhaus verlassen möchte.“ Ihre Geschäftskunden, die aus Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet ihren Weg nach Offenbach finden, seien entsetzt. „Vorurteile gegenüber unserer Stadt finden so ungewollt Nahrung“, ärgert sich Schaaf.

Nachdem sich eine Hygiene-Inspektorin des Gesundheitsamts an Ort und Stelle ein Bild von den unhaltbaren Zuständen gemacht hatte, ist der Hauseigentümer offiziell aufgefordert worden, das Parkhaus in einem häufigeren Turnus als bisher reinigen zu lassen. „Eine Gesundheitsgefährdung nach dem Infektionsschutzgesetz liegt zwar nicht vor“, beruhigt die stellvertretende Amtsleiterin Kornelia Weber, „aber wir behalten die Immobilie weiterhin im Auge.“

Die am stärksten bedrohten Tier-Arten

Bilder: Die am stärksten bedrohten Arten

Regelrecht ein Dorn im Auge ist Ordnungsdezernent Felix Schwenke vor allem die S-Bahn-Station Marktplatz. „Die ist ein Aushängeschild unserer Stadt.“ Leser berichteten auch unserer Zeitung von Stadttauben, die sich in der B-Ebene breit gemacht haben. Ein Bahnsprecher kennt die Schilderungen und klärt auf: „Wir haben wegen verschärfter Brandschutzauflagen die Deckenverkleidung in der B-Ebene austauschen müssen. Die Tauben sind so schlau und haben sich dort sofort zum Nisten breitgemacht.“ Vergrämungsmaßnahmen hätten nichts genutzt, „die Vögel setzten sich auf die Stacheln“.

Inzwischen seien die Decken wieder abgehängt, hofft man bei der Bahn, dass sich das Problem von allein erledigt. „Allerdings ziehen auch Essensreste in der Nähe des Kiosks in der B-Ebene immer wieder Tauben an.“

Christian Boos vom Ordnungsamt weist darauf hin, dass der Verstoß gegen das Fütterungsverbot laut Gefahrenabwehrverordnung eine Ordnungswidrigkeit darstellt, die mit einer Geldbuße von 35 bis – bei Wiederholungstätern – mehreren hundert Euro geahndet wird. „Zu diesem Mittel greifen wir besonders, wenn Tauben mit gefüllten Tüten verköstigt werden.“

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