Taubendreck nervt Bürger

Offenbach - Politik ist mitunter ein mühsames Geschäft. Da entwickelt man Ideen, wie die Stadt sich entwickeln könnte, plant Investitionen und steckt sich hehre Ziele. Und dann wollen die Leute einfach nicht über mutige Zukunftsvisionen reden, sondern über verdreckte S-Bahnhöfe und Taubenkot. Von Denis Düttmann

Oberbürgermeister Horst Schneider war am Donnerstag in den Pfarrsaal der Johannesgemeinde im Nordend gekommen, um sich die Sorgen der Bürger anzuhören, Anregungen mitzunehmen und für seine Politik zu werben. Wortreich schwärmte der „OB vor Ort“ vom Arbeiten und Wohnen im künftigen Hafenareal, entwarf das Bild einer attraktiven Stadt, die solvente Kreative anlockt und in die Betreuung und Ausbildung von Kinder investiert, um den Strukturwandel zu meistern. Doch die Bürger interessierten sich mehr für fehlende Parkplätze, die Sanktionierung verkehrswidrigen Fahrradfahrens auf den Gehwegen und den Zustand der S-Bahnstationen.

Ein Hausbesitzer aus dem Nordring beschwerte sich über die Taubenplage im Quartier, befürchtete Bauschäden an seiner Immobilie. Was die Stadt denn dagegen zu tun gedenke? Sabine Süßmann von der Initiative „Besser leben in Offenbach“ erläuterte die Taktik: „Wir wollen Taubenschläge aufstellen und die Tiere dort anfüttern, um sie an einigen wenigen Plätze zu konzentrieren.“

Ein junger Mann hingegen sorgte sich um die Zukunft des alten Lokschuppens. Der Hafen 2 habe sich zu einer festen Institution in der Musikszene entwickelt. „Früher oder später muss er weichen, sonst können wir das Hafengelände nicht vernünftig entwickeln“, antwortete der OB. „Wir verhandeln aber bereits mit den Betreibern über einen alternativen Standort.“ Wo sich die einen um die Offenbacher Party-Szene sorgen, hadern die anderen mit dem Lärm. Eine ältere Dame berichtete von schlaflosen Nächten, wenn im Sommer die Bässe vom King-Kamehameha-Beachclub hinüber schallen: „Das geht bis nachts um zwei oder drei Uhr - da mache ich kein Auge zu.“ Der Leiter des Ordnungsamts, Peter Weigand, erklärte, dass seine Mitarbeiter die Einhaltung der Richtwerte stets genau überwachten und in den vergangenen Jahren keine gravierenden Verstöße feststellen konnten. „Wir haben nachts einen Schalldruckpegel von 50 gemessen. Das ist weniger als normaler Straßenverkehr“, beschwichtigte Weigand.

Richtig emotional wurde es im Gemeindesaal, als die Fahrradfahrer auf den Bürgersteigen zur Sprache kamen. Keinen Fuß könne man vor die Tür setzen ohne angefahren zu werden, hieß es. Von rabiaten Fahrern, die keine Rücksicht nehmen, war die Rede. „Ich fühle mich wie Freiwild“, klagte eine Frau. Schneider bestätigte, dass Radler auf Gehwegen in der Regel nichts verloren hätten. Er machte jedoch keinen Hehl daraus, dass er sich über jeden freut, der vom Auto aufs Rad umsteigt. Und das Miteinander der Verkehrsteilnehmer sei eben nicht ganz einfach. „Man kann es nicht immer jedem recht machen“, sagte der OB.

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