Illegale Methoden immer dreister

Tausende beschweren sich über Telefonwerbung

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Symbolbild

Offenbach - Die Stimme am Telefon verkündet fröhlich: „Sie haben gewonnen!“ oder sie fragt: „Wollen Sie von unseren günstigen Tarifen profitieren?“ Zwar ist Telefonwerbung weitgehend verboten - dennoch wird weiterhin über viele Überrumpelungsversuche berichtet.

Betroffene beklagen, dass sie durch aggressive Verkaufsmaschen am Telefon überrumpelt werden. Im Zeitraum vom 1. Juli 2014 bis zum 15. November 2015 haben knapp 5500 Verbraucher an einer bundesweiten Online-Umfrage der Verbraucherzentralen zum Thema „unerlaubte Telefonwerbung“ teilgenommen. Die Auswertung ergab, dass über 90 Prozent der Befragten Werbeanrufe erhalten. Die meisten Verbraucher hatten der Telefonwerbung vorab nicht zugestimmt - der Anruf war demnach rechtswidrig. Wie sehr das Thema vielen Verbrauchern auf den Nägeln brennt, zeigt auch die hohe Zahl an Beschwerden; 19.500 sind im Befragungszeitraum bei den Verbraucherzentralen eingegangen.

„Bezeichnend ist, dass Werbeanrufe durch Telefonanbieter oder Energieversorger im Verhältnis deutlich zugenommen haben“, so Peter Lassek von der Verbraucherzentrale Hessen. Diese Branchen wurden von der Gesetzesänderung nicht erfasst. „Daher ist es erforderlich, dass die gesetzlichen Regelungen nachgebessert werden“, fordert der Jurist. Es könnten im Rahmen eines Telefonats sogar wirksame Verträge geschlossen werden. Und das ist das Dilemma für den Verbraucher. Will er sich vom untergeschobenen Vertrag lösen - zum Beispiel durch Ausübung seines in vielen Fällen bestehenden Widerrufsrechts - muss er selbst aktiv werden, innerhalb von zwei Wochen. „Machen Sie das idealerweise schriftlich mit einem Einwurfschreiben“, so der Expertenrat.

An vorderster Stelle steht inzwischen der Vertrieb von Produkten der Energieversorger. „Der Gesprächspartner am Telefon gibt vor, den Kunden im Auftrag seines derzeitigen Versorgers anzurufen“, sagt Peter Lassek. Erst mit Zusendung der Vertragsunterlagen bemerken aufmerksame Leser, dass es sich hierbei um einen Anbieterwechsel handelt. „Auf diese äußerst unverschämte Weise wird versucht, den Verbrauchern einen Vertragsabschluss unterzuschieben“, so Lassek weiter. „Es gibt immer wieder Menschen, die auf diese Masche hereinfallen und die Unterlagen des neuen Energieversorgers unterzeichnen.“ Teilweise versuchen anrufende Unternehmen dem Gesprächspartner auch zu suggerieren, ein Vertrag sei zustande gekommen. Grundsätzlich raten die Verbraucherschützer Betroffenen: Wer am Telefon aufgefordert wird, einen Vertrag abzuschließen, sollte am besten einfach auflegen.

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psh

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