Tausende Besucher bei Kartmesse

Boxenstopp mit Prominenz

Wer wollte, konnte sich am Wochenende in den Messehallen auch mal selbst hinter das Steuer klemmen. - Foto: Georg

Offenbach - Einmal im Jahr wird Offenbach zum Mekka der Kart-Branche. Und so strömten auch am Wochenende wieder zu Tausenden die Fans dieses Sports in die Messehallen an der Kaiserstraße. Von Harald H. Richter

Organisator Botho G. Wagner aus Obertshausen hat ausgerechnet: „2 500 Meter lang ist die Strecke der Stände aneinander gereiht. Für eine solche Runde bräuchte man auf der Rennpiste höchstens eine Minute.“ Bei der mittlerweile 23. Internationalen Kart-Ausstellung in Offenbachs Messehallen freilich sind dafür mehrere Stunden einzuplanen. Denn überall erwarten das Publikum, das aus ganz Europa angereist ist, technische Neuerungen und eine Fülle an Informationen.

Die weltweit anerkannte Leitmesse stößt mit 600 gemeldeten Ausstellern, darunter etwa die Hälfte aus dem Ausland, an rund 120 Ständen in sieben Hallen und dem Eventcenter inzwischen an Kapazitätsgrenzen. „Sogar das Foyer ist belegt, anders hätten wir gar nicht alle unterbringen können“, beschreibt Wagner die Nachfrage.

Ihm liegt bereits für 2016 ein nochmaliges Plus an Teilnahmemeldungen vor, gilt die Leistungsschau doch als Gradmesser und ist obendrein für viele Anhänger dieses Sports der beste Start in die Saison. Vor allem, weil sie die jüngst zugelassene Chassis präsentiert, die in den kommenden Jahren die Pisten beherrschen sollen. Auch erste Prototypen der Motoren sind zu sehen. Sie lösen die bisherigen KF-Aggregate ab.

Auf dem Vormarsch sind Elektro-Rennkarts. „Sie zeichnen sich durch eine nie erlebte Beschleunigung aus, und zwar in drei Sekunden auf Hundert“, berichtet der Messechef. Dass dafür spezielle Reifen entwickelt werden mussten, versteht sich von selbst. Die Branche hat eine Vielzahl Innovationen mitgebracht und gibt durch ihre Mitarbeiter an den Ständen beredt darüber Auskunft. Der Indoor-Bereich ist umfassend integriert, ebenso alles rund um Bahnplanung und Ausstattung. Auch wer Ausrüstung und Zubehör benötigt, vom Helm bis zum Fahreranzug, oder die heimische Werkstatt auf modernen Stand bringen möchte, wird fündig.

An beiden Messetagen finden im Eventcenter Seminare statt. Dort werden Samstagabend auch die Besten der ADAC Kart Masters 2014 geehrt. Deutschlands führender Automobilclub wirbt darüber hinaus für die Einstiegsserie in den Formel-Nachwuchssport, die Formel 4. Sie löst das ADAC Formel Masters ab.

Teamchef und Ex-DTM-Fahrer Frank Jelinksi kündigt an, dass in der Debütsaison mehr als 20 Talente bei insgesamt acht Rennwochenenden an den Start gehen wollen – zum Auftakt Ende April in Oschersleben und später unter anderem auf dem Nürburgring, im belgischen Spa sowie in Österreich. „Wem die Anreisen dorthin zu weit sind, kann das Ganze auch daheim vor dem Fernsehapparat verfolgen“, freut sich Jelinski über die hohe mediale Aufmerksamkeit an der Neuausrichtung des Formel-Sports.

Bilder der Kartmesse vom Wochenende

Kartmesse in Offenbach

Die Aufmerksamkeit insbesondere junger Messebesucher gilt freilich den grell-bunt lackierten Kart-Modellen. Großen Vorbildern eifert unter anderem der neunjährige Ole aus Berlin nach. Beim Rundgang durch die Hallen legt er mit Papa Torsten Lemm-Scharp einen Boxenstopp bei KMS Motorsport ein. Dem Stand verleiht die Anwesenheit von Inhaber und Ex-Formel-Eins-Pilot Ralf Schumacher prominenten Glanz.

Lemm-Scharp ist mit seinem Sohn nicht von ungefähr aus der Hauptstadt angereist. Der kleine Ole fährt seit zwei Jahren Kart, aber seinen fahrbaren Untersatz hat es gefetzt. „Nun muss ein neuer her“, kündigt der Vater an, der selbst zwölf Jahre lang begeisterter Motorsportler gewesen ist. Das Hobby des Sprösslings, der gerade einen in Scheinwerferlicht getauchten Tony-Kart bestaunt, lässt Lemm-Scharp sich einiges kosten. „Ein vernünftiges Chassis ist kaum unter 2000 Euro zu bekommen, die gleiche Summe muss man für Motor und übrige Ausstattung aufwenden.“

Die Faszination Kart-Sport ist ungebrochen und mit bekannten Namen wie Schumacher, Senna oder Vettel verbunden. Das bestätigt auch Gernot Stöcker, Gründungsmitglied des Klassik-Kart-Clubs Deutschland, der im Foyer an die Anfänge der Szene hierzulande in den 60er-Jahren erinnert, als mit Industrie-und Kettensägemotoren gefahren wurde und Sackkarrenreifen aufgezogen waren. Einige Exemplare von einst stellt er dem Publikum vor. Seit acht Jahren gibt es den Club, dem auch Messechef Wagner verbunden ist. „Uns lag daran, die Historie lebendig und erlebbar zu machen“, so Stöcker. Der Club zählt über 50 aktive Mitglieder, die mit ihren nostalgischen Fahrzeugen nach wie vor Rennen bestreiten.

Kartmesse in Offenbach

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