Taxi-Tricks am Pranger

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97 Taxikonzessionen sind in Offenbach vergeben. Die Stadt muss die Wirtschaftlichkeit des Taxigewerbes in regelmäßigen Abständen überprüfen lassen. Das jüngste Gutachten dazu, satte 28.000 Euro teuer, stammt aus dem vergangenen Jahr. Es kommt zu dem Ergebnis, dass es vier Konzessionen zu viel sind. Sie sollen nun im Falle einer Rückgabe nicht mehr vergeben werden.

Taxifahrer, die nicht wissen, wo das Klinikum ist. Kutscher, die es trotz Beförderungspflicht ablehnen, Kurzstrecken zu fahren. Unternehmer, die nur eine Konzession haben, aber mehrere Taxis gleichzeitig rollen lassen, und eine Verwaltung, die es nicht schafft, Betrug bei der Ortskenntnisprüfung zu unterbinden. Es sind schwere Vorwürfe, die Paul G. erhebt. Von Matthias Dahmer

Der Mann, der nicht möchte, dass sein richtiger Name genannt wird, ist Insider. Sitzt seit zwei Jahrzehnten hinterm Steuer, kennt die Gepflogenheiten im rauen Taxigewerbe genau. Und er hat die Nase voll.

Die größten Tricksereien, weiß G., laufen bei den Konzessionen: Offiziell wird bei einer Übertragung nur für den Pkw, laut G. meist ein Schrottauto, gezahlt. Schwarz müssen dann in Offenbach dem bisherigen Inhaber bis zu 50.000 Euro hingelegt werden. Weil das Geschäft ein hartes und der Verdienst kein üppiger ist, lassen einige schwarze Schafe mehrere Taxis unter einer Konzessionsnummer laufen, berichtet G. weiter. Er schätzt, dass rund 30 Wagen in Offenbach illegal unterwegs sind.

Das größte Problem: Beweise zu bekommen

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„Das Gerücht, wonach bei der Ortskenntnisprüfung geschummelt wird, kennen wir schon lange“, sagt die Leiterin des Bürgerbüros, Martina Fuchs. Doch es sei falsch. Die Identität des Bewerbers werde im Prüfungsraum nochmal gegengecheckt. Peter Weigand hat es da schon schwerer, die Vorwürfe zu entkräften. Das größte Problem für den Leiter des Ordnungsamts: Beweise für die Unregelmäßigkeiten zu bekommen. Am einfachsten ist das wohl noch bei der Weigerung, Kurzstrecken zu fahren: „Das kann der abgewiesene Fahrgast bei uns melden“, sagt Weigand. Dass bei der Übertragung von Konzessionen Schmiergeld gezahlt werden soll, kann der Ordnungsamts-Chef wohl nur vermuten. Offiziell sagen darf er nur: „Führen sie mal den Beweis.“

Auch die Nummer mit der gleichen Nummer in mehreren Taxis kann er mangels Beweisbarkeit nicht bestätigen. Immerhin: Demnächst soll es an den größeren Taxiständen in der Stadt groß angelegte Kontrollen der Stadtpolizei geben, um solche Dinge aufzudecken

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