Taxifahrer in Fallen gelockt

Bilddokument vom 18. Februar 2011, wieder eine Taxe durch Einschlagen der Seitenscheibe geknackt, begehrte Beute sind die Mobilgeräte, über die die Fahrer ihre Aufträge erhalten.

Offenbach ‐ Der hinterhältige Trick war schon mindestens ein Dutzend Mal in Offenbach erfolgreich: Die Gauner bestellen telefonisch Taxen zu Adressen, bei denen sie davon ausgehen können, dass der Fahrer das Auto für eine gewisse Zeit verlassen muss, um sich bei den angeblichen Kunden zu melden. VonThomas Kirstein

Ist die Droschke verlassen, schlagen sie die Scheibe ein und greifen sich, was im Fahrzeug zurückgelassen wurde; meist besteht die Beute aus den „PDA“ (handelsübliche Mobilgeräte, über die Taxizentralen heute per SMS den Kontakt zu den Fahrern halten), nicht selten auch aus fahrlässig zurückgelassenen Geldbörsen.

Addy Wehner, Sprecher der in der Offenbacher „Fledermaus“-Gruppe zusammengeschlossenen Taxi-Unternehmer, schlägt Alarm. Für die Zeit seit Dezember hat er eine vom Polizeikommissariat 22 übermittelte Liste von neun Aufbrüchen in Offenbach und Obertshausen vorliegen. In der Nacht zu gestern sind zwei weitere in der Bieberer Straße und der Sprendlinger Landstraße dazugekommen. Von einer Dunkelziffer ist auszugehen, weil nicht alle Taxendiebstähle dem Dreh mit der Scheinbestellung zuzugeordnet werden können.

Geräte meist schnell wieder bei ihren Besitzern

Polizeisprecher Henry Faltin ergänzt ähnlich gelagerte Fälle aus Hanau: Dort allerdings wurden Pizzaboten gern in die Falle gelockt.

Was die Offenbacher Taxichefs über den Verlust der jeweils um die 500 Euro teuren Smartphones hinaus belastet, ist die Selbstbeteiligung für den am Auto angerichteten Schaden und der Umsatzverlust in der Zeit, da das Auto stehen bleiben, der Fahrer aber weiter bezahlt werden muss. „Da kommt ein vierstelliger Betrag zusammen“, sagt Addy Wehner.

Die gestohlenen Geräte mit ihrer speziellen Taxen-Software sind übrigens bisweilen schneller wieder bei ihren rechtmäßigen Besitzern, als man sich vorstellt. Die Wehners kennen Offenbacher Innenstadt-Geschäfte, wo Beute umgehend zur Ware wird.

Nach Verlassen des Wagens noch einmal umdrehen

Das Taxigewerbe versucht natürlich, der neuen Ganovenmasche entgegenzuwirken beziehungsweise den Schaden in Grenzen zu halten. So hat Wehner seine Disponenten angewiesen, ihn bei verdächtigen Bestellungen - es gibt da bestimmte, besser nicht veröffentlichte Indizien - zu informieren, auf dass eine Art Begleitschutz organisiert werden kann. An die etwa 150 Fahrer in Fledermaus-Diensten ergeht der - laut Addy Wehner leider allzu oft ungehört verhallende - Appell, die Smartphones mitzunehmen, wenn man bei der Kundschaft klingelt. Außerdem sollte es abschrecken, wenn sich der Fahrer zehn Schritte nach dem Verlassen des Wagens einfach noch einmal umdreht. Und am besten lässt er die Seitenfenster der Taxen offen, damit sich niemand die Mühe machen muss, sie einzuschlagen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare