Vom Taxifahrer zum Rauschgifthändler

Offenbach (kat) - Wegen. Rauschgifthandels ist ein 34-jähriger Taxifahrer vom Offenbacher Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Manfred Beck zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren verurteilt worden.

Der Mann hat gegen den Richterspruch Berufung eingelegt und befindet sich auf freiem Fuß. Der 34-Jährige, der inzwischen wieder Taxi fährt, geriet eher zufällig ins Visier der Fahnder: Beamte des Zoll ermittelten gegen eine Tätergruppe aus Neu-Isenburg, die in größeren Mengen Kokain bezog. Dabei fiel ihnen der Angeklagte durch verdächtige Gespräche am überwachten Telefon auf.

Bei einer angeordneten Durchsuchung seiner Wohnung fanden sich denn auch unter anderem zwei Schreckschusswaffen, davon eine geladen, ein Einhandmesser, eine sogenannte Softair-Pistole sowie jeweils 50 Gramm Kokain und Marihuana.

Die Beweislage genügte, um den 34-Jährigen der Staatsanwaltschaft vorzuführen. Vor Gericht stellte sich heraus, dass der Taxifahrer tatsächlich mit Kokain handelte. Er gab dies freimütig zu. Über seine Verkäufer und seine Kunden bewahrte er indes Stillschweigen.

Keine Strafmilderung wegen Geständnis

Unumwunden gestand er dafür, wie er zu diesem Nebenerwerb gekommen war: Beim Taxifahren bekam er mit, wie ein Gast sein Geld als Dealer verdiente. Anstatt diesen jedoch anzuzeigen, entschloss sich der Mann, der selbst keine Drogen nimmt, es diesem gleichzutun. Der Angeklagte gab das Taxifahren auf und widmete sich den Drogengeschäften. Schon bald hatte er 15 bis 30 Abnehmer und brachte es auf einen Monatsverdienst aus Drogenverkäufen von fast 1600 Euro.

Die Polizei hat im Zuge der Ermittlungen einen Türken aus Neu-Isenburg und dessen Neffen als Kokainhändler identifiziert. Sie sind inzwischen auch vom Schöffengericht rechtskräftig zu Haftstrafen verurteilt worden. Der Taxifahrer bestritt, von diesen Kokain bezogen zu haben. Die Familie des Verurteilten sei zwar mächtig in Neu-Isenburg, und niemand würde sich mit ihr anlegen, aber von ihnen habe er sein Kokain nicht bekommen.

Vielleicht hätte sich mehr Geständigkeit mildernd auf das Urteil ausgewirkt. Stattdessen befand der Angeklagte, das Gericht dürfe ihm angesichts seiner Läuterung eine Bewährungsstrafe nicht ausschlagen. Dies sah Justitia jedoch anders: Richter Manfred Beck wies ihn darauf hin, dass er sich ein bequemes Leben auf Kosten anderer genehmigt habe. Der Mann legte Berufung gegen das Urteil ein, in der Hoffnung, das Landgericht Darmstadt werde ihm die Bewährungsstrafe zugestehen.

Rubriklistenbild: © dpa

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