Taxiunternehmen leiden unter Mindestlohn und Uber

+
Taxiunternehmer Harry Schweitzer kann sich nicht über den Mindestlohn freuen. Er befürchtet eine radikale Veränderung des Markts.

Offenbach - Mindestlohn und der alternative Fahrdienst Uber machen Offenbachs Taxiunternehmern zu schaffen. Auch die Fahrer sind über den Mehrverdienst nicht glücklich, verdienen sogar weniger. Von Simon Busch 

Taxiunternehmer Harry Schweitzer echauffiert sich. Seit nicht einmal ganz zwei Monaten gilt der Mindestlohn in Deutschland, und schon hat er in seinem Offenbacher kooperativen Taxibetrieb „Die Fledermäuse“ Fahrer, die sich nach einem anderen Arbeitgeber umschauen. „Die wollen nicht mehr verdienen“, sagt Schweitzer. Was zuerst paradox klingt, löst sich auf Nachfrage schnell auf.

Da der Geldbeutel von Taxifahrern seit jeher nicht überquillt, müssen nach Schätzungen Schweitzers 90 Prozent von ihnen auf staatliche Unterstützung zurückgreifen. Mit der gesetzlich festgelegten Lohnerhöhung gehen jetzt aber auch Kürzungen dieser Hilfen einher. Im Durchschnitt bleibt den Fahrern also weniger Geld als früher.

„Gut gemeint, aber schlecht gemacht“

Harry Schweitzer ist kein Gegner des Mindestlohns, hält diesen jedoch für zu niedrig: „Auch von 8,50 Euro in der Stunde kann heute niemand mehr leben.“ Das Gesetz sei „gut gemeint, aber schlecht gemacht“. Der Offenbacher Taxiunternehmer hat eine Lohnerhöhung von 20 bis 30 Prozent zu verkraften, der auch die Tarifanhebungen von 15 bis 20 Prozent nichts entgegenstellen können.

„Das Gewerbe wird sich in Zukunft in dieser Form in der Großstadt gar nicht mehr rechnen“, bedauert Schweitzer. Normalerweise erwirtschaften seine Fahrer in der Spitze 40 Euro in der Stunde. Um den Betrieb rentabel zu halten, müsste diese Zahl nach seiner Schätzung auf 70 bis 100 Euro steigen.

Kritik übt er an dem Onlinevermittlungsdienst für Taxifahrten Uber. Dieser spart enorme Kosten, indem er private Fahrer einsetzt und damit gewerbliche Abgaben umgeht. Zahlt Schweitzer für jedes seiner 49 Autos ungefähr 27.000 Euro für Versicherungen im Jahr, fallen diese Kosten beim amerikanischen Unternehmen komplett weg. „Für mich ist das Schwarzarbeit“, ärgert sich Schweitzer. Im Vergleich zum herkömmlichen Taxibetrieb fehlen sowohl Kunden als auch Fahrern bei Uber etwaige Sicherheiten. Nach Taxametern sucht man in Fahrzeugen vergeblich, der Gast ist der Preisforderung des Unternehmens ohne jegliche Kontrollmöglichkeit ausgesetzt.

Fahrer des Unternehmens genießen als Selbstständige keine Arbeitnehmerrechte. Kündigungsschutz oder einen gesetzlichen Anspruch auf bezahlten Urlaub kennt Uber nicht. Diese Einsparungen bescheren dem Unternehmen bis zu 25 Prozent Mehreinnahmen pro Fahrt. Das Konzept ist hierzulande höchst umstritten, da es sich nicht mit dem Personenbeförderungsgesetz vereinbaren lässt. Eine einstweilige Verfügung des Landesgerichts Frankfurts, Uber in Deutschland zu verbieten , ist mittlerweile wieder hinfällig. Ubers rechtliche Probleme erstrecken sich aber auf den gesamten Globus. Am weitesten legal verbreitet ist der Fahrdienst in der Vereinigten Staaten, große Märkte wie China und Indien haben den Betrieb komplett verboten. Trotzdem sieht Schweitzer Uber auf dem Vormarsch. 2014 hatte das Unternehmen 1,2 Milliarden Dollar Risikokapital von seinen Investoren Google und dem Investorenunternehmen Goldman Sachs erhalten.

Geld, dass Uber in Schweitzers Augen großen Einfluss verleiht: „Mit mehr als einer Milliarde Dollar hat Uber eine unglaubliche Lobbymacht.“ Auch Strafzahlungen für die ungesetzliche Weiterführung des Betriebs fielen dabei nicht ins Gewicht. Diese finanziellen Mittel stehen Schweitzer natürlich nicht zur Verfügung: „In Zukunft werde ich meine Taxis wohl selbst lenken müssen“, befürchtet er.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare