Kurkonzert im Offenbacher Dreieichpark

Technobeat statt Opernarie

Offenbach - Durchatmen, hinhören, entspannen. Kurkonzerte haben Tradition, sind Frischluft-Hörgenuss der besonderen Art. Seit zwei Jahren gibt’s sie auch im Dreieichpark. Ein Ausflug nach „Bad Offenbach“ – und in die Irrungen und Wirrungen eines jungen Internet-Nutzers. Von Sebastian Krämer 

Mit der Badekultur in Offenbach ist das so eine Sache. Ständige Kosten-Querelen ums Waldschwimmbad, Blaualgen im Schultheisweiher. Zum Kurort taugt die Stadt wohl eher nicht, als Schauplatz für ein „Kurkonzert“ allemal. Solche Veranstaltungen waren besonders im 19. Jahrhundert bedeutend für die populäre Musik. Zu Opernarien und Tänzen versammelte sich das badebegeisterte Publikum. Auch wenn der Teich im Dreieich-Park allerhöchstens zur Wels-Jagd geeignet ist, entspannten sich dort am Sonntag auf Einladung des Amts für Kultur- und Sportmanagement etwa 300 Besucher.

Während sich ein Teil des Publikums auf den Holzbänken vor dem Pavillon fläzt, nutzt der Rest die Wiese für ein Picknick oder zum Kartenspielen mit der Familie. Anstelle klassischer Musik gibt es elektronische Beats von DJ Toni Disco auf die Ohren. Dabei freut sich der in Athen geborene Künstler, in seine ehemalige Wohnstadt Offenbach zurückzukehren. So habe der mittlerweile in Frankfurt lebende DJ unter anderem den Dreieichpark und das „Offenbacher Lebensgefühl“ sehr vermisst.

Wer Antonios Chrysovalantis Koufogiannis lieber vom heimischen Balkon über die Schulter schauen will, klickt den Livestreamsender „L’oreille Offenbach“. Bereits seit 2014 stellt das Team von LOOF.TV DJs aus der Region mit Interviews vor und filmt sie bei ihrer Arbeit in den Clubs oder beim Musikmixen in der Küche.

Trotz des verlockenden Internetangebots nutzen die Zuschauer vom Kinder- bis zum Rentneralter am Sonntag lieber die Chance, die Show bei perfektem Sommerwetter im „Offenbacher Central Park“ zu genießen. Auch wenn während des Programms auf der Wiese überwiegend Frisbee gespielt und gechillt wird, zumindest eine Mutter tanzt mit ihrem Kind zu den Techno-Beats. Nach drei Stunden darf dann die Newcomerband Stan2000 ihr Konzertdebüt feiern.

Wenn sich die vier Film-, Architektur-, Philosophie- und Informatikstudenten Simon Bugert (Keyboard, Gitarre), Luca Killer (Gitarre, Percussion, Bass), Björn Schmitt (Gesang, Saxofon) und Erich Aleksei Maier (Drums) nicht ihrem Studium widmen, experimentieren sie im Offenbacher Zollamt mit Klängen. Für die Songtexte ihrer Indie-Pop-Nummern haben sie eine besondere Quelle aufgetan. Sie erstellten aus Textfragmenten, die der amerikanische User „Stan“ auf der Internetplattform „Reddit“ postete, spannende Soundcollagen.

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Mit einer Mischung aus Synthie-Sounds sowie gefühlvollen Instrumental- und Gesangparts kann sich das Ergebnis beim Kurkonzert durchaus hören lassen. Passend zur „Highschool-Romantik“ der Texte, wie das die Vier nennen, streicheln sich die balladenartigen Titel in die Gehörgänge des Publikums und bilden einen angenehmen Kontrast zu den turbulenten Disco-Loops von Koufogiannis.

Seit 2016 haben sich die Offenbacher Kurkonzerte zu einer festen Institution im Kulturleben Offenbachs entwickelt, was sich auch im deutlich gewachsenen Zuschauerinteresse ausdrückt. Wer braucht da noch Arien oder eine Badekultur?

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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