Internationaler Museumstag lockt keine Massen

Teilweise märchenhaft

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Nachdem die „Märchenfee“ im Haus der Stadtgeschichte kleine Zuhörer eingestimmt hatte, durften diese sich melden, um Märchen selber nachzuspielen.

Offenbach - Ein Unterschied wie Tag und Nacht: Was der „Nacht der Museen“ regelmäßig gelingt, war dem „32. Internationalen Museumstag“ gestern nicht ganz vergönnt: Besuchermassen allerorten. Von Claus Wolfschlag

Zwar hatten sich die vier Offenbacher Museen dem Reigen aus tausenden Kulturtempeln im gesamten deutschsprachigen Raum angeschlossen und interessante Lockrufe ans heimische Publikum gesendet. Doch zu schönem Gedrängel reichte es dann doch nicht. Was kein Wunder war, weil die Zielgruppe schon vom Alter her eine andere als bei besagter Frankfurter Nachtsause mit Offenbacher Beiträgen war. Jürgen Eichenauer, Chef im Haus der Stadtgeschichte, fasste das so zusammen: „Unser Angebot ist an diesem Tag auf Kinder ausgerichtet. Das unterscheidet natürlich deutlich von der `Nacht der Museen´, die Eintritt kostet und zudem nach Sonnenuntergang stattfindet.“

Eher ruhig im Vergleich mit Publikumsgaranten wie der Nacht der Museen ging es im Klingspormuseum zu.

Doch Interesse war auch beim gestrigen Sonnenschein vorhanden. Beispielsweise an Künstler Helmut Göbel. Der führte den Nachwuchs im Haus der Stadtgeschichte durch seine dort noch bis Sonntag zu sehende Ausstellung „Imaginäre Archäologie“. Der Bad Sodener war als Architekt tätig, widmet sich aber bereits seit den 70er Jahren der Kunst. Mit Hilfe von Bindemitteln trägt Göbel echte Erde auf Holzplatten auf und kreiert dabei Um- und Grundrisse, die wie Ausgrabungsstätten erscheinen. „Archäologie hat mich schon immer fasziniert“, bekannte er. Während Erwachsene in Göbels soeben erschienenem Buch „Freilegungen“ blätterten, goutierten die Kinder dessen Werk mit schwankender Aufmerksamkeit.

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Dies war nicht unbedingt verwunderlich, denn die Konkurrenz vor Ort war mit Märchenfee Erika Hohmann ausgesprochen stark. „Seit zehn Jahren bin ich die Märchenfee in Offenbach, trete mehrmals jährlich im Ledermuseum auf“, erläuterte Hohmann schmunzelnd. Auch an diesem Tag trug die kostümierte Museumsführerin Kindern Geschichten der Gebrüder Grimm vor.

Recht still war es im Klingspormuseum. Museumspädagogin Marianne Vogel erläuterte freundlich die ausgelegten Arbeiten ihrer Buchdruckworkshops für Erwachsene, Jugendliche und Kinder.

Im Rosenheim-Museum verzauberte derweil die aktuelle Schau mit den poetisch-märchenhaften Gemälden der Italienerin Nora Orioli die Besucher. Andrang fand hier zudem der Vortrag des Künstlers Bernd Rosenheim über seine Erlebnisse in Indien. Mit dabei war die Offenbacherin Brigitte, die aus der Zeitung vom Museumstag erfahren hatte. „Im Rosenheim-Museum war ich noch nie gewesen. Somit nutze ich die Gelegenheit.“ Im Schlepptau hatte sie die Spanierin Laura, eine Museumsfreundschaft. „Wir haben uns eben erst im Klingspor-Museum kennen gelernt.“

Im Ledermuseum schließlich eröffnete die Schauspielerin Marion Kracht die von der Organisation „Plan“ konzipierte Ausstellung „Weil wir Mädchen sind...“. Betreuerin Heidi Kissling: „Wir hätten uns zwar zur Eröffnung mehr Besucher erhofft, aber die Ausstellung läuft ja noch lange. Gefreut haben uns die vielen Unterschriften, die wir schon sammeln konnten.“

Nicht jeder Besucher des Museumstages war sich der Veranstaltung auch bewusst. So zeigte sich im Ledermuseum ein Rentner-Ehepaar aus Jena überrascht: „Davon wussten wir nichts.“ Die beiden hatten, durchaus nicht alltäglich, über ein Reisebüro eine Woche Urlaub in Offenbach gebucht: „Das Isenburger Schloss haben wir angeschaut. Und alle anderen Museen sind auch noch dran.“

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