Capitol-Chefin blickt auf ein ereignisreiches Jahr

Telegener Kulturtempel

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Freut sich über so viel mediale Präsenz ihres Hauses: Birgit von Hellborn ist seit 2001 Geschäftsführerin des Capitols. Ihr persönlicher Höhepunkt des vergangenen Jahres war das Coldplay-Konzert. Nicht nur, weil es ihrem eigenen Musikgeschmack entspricht. 

Offenbach - Coldplay, Comedians, Cyber-Stars – 2015 hatte das Capitol sie alle. Geschäftsführerin Birgit von Hellborn blickt auf ein rentables Kulturjahr für Offenbach zurück. Und das, obwohl die Veranstaltungshallen der Stadt ein Minusgeschäft sind. Von Sarah Neder 

Birgit von Hellborn hatte immer diesen kleinen Traum. Ein Mal in der Bunten stehen mit dem Capitol. „Ganz hinten, bei den Veranstaltungen“, sagt sie. Mit der Bunten wurde es bisher nichts. Aber mit der Gala. Grund dafür war eins der spektakulärsten Konzerte, die sie je erlebt hat. Coldplay im Capitol in Offenbach. Eine Band, die Arenen füllt, sogar beim Superbowl singt, spielt im heimeligen Theaterambiente. Dabei sein durfte nur, wer eine Karte gewonnen hatte. „Das war der Hammer“, schwärmt von Hellborn immer noch vom Auftritt im vergangenen Dezember. Als Ritterschlag versteht sie, dass die Briten mitentscheiden durften, wo sie auftreten.

Der von der Telekom organisierte Auftritt wirkt aber nicht nur im Kopf der Geschäftsführerin nach. Er brachte dem Capitol enorme Aufmerksamkeit – im Netz und in anderen Medien. „Wir haben dadurch viele neue Fans auf Facebook bekommen“, erzählt von Hellborn. Auch Offenbach hat von der Show profitiert, meint die Capitol-Chefin: „Wir hatten Besucher aus ganz Deutschland. Die haben übernachtet, sind essen gegangen. Abgesehen von den 150 Mann des Telekom-Teams.“

Auch wenn die stadteigene Veranstaltungshalle immer noch ein Zuschussbetrieb ist: Konzertbesucher ließen generell immer etwas Geld in der Stadt, argumentiert von Hellborn. „Selbst wenn sie nur in Offenbach parken.“ 2015 ist für das Capitol auch das beste Fernsehjahr gewesen. Neben dem Coldplay-Spektakel, das ProSieben mehrmals ausgestrahlt hat, zeigte das ZDF die Offenbacher Auftritte der Kabarettisten Urban Priol und Erwin Pelzig im TV. „Da sitze ich vorm Fernseher und freue mich wie Bolle“, erinnert sich die 49-Jährige.

Birgit von Hellborn arbeitet seit 1998 im Veranstaltungssaal an der Goethestraße. 2001 wurde sie dort Chefin, 2005 kam die Stadthalle dazu. An ihrem Job mag sie vor allem die Bandbreite der Künstler – von Kindertheater bis Klassik, von Mundstuhl bis Mittermeier. „Das Angebot ist so bunt gemischt. Die Leute, mit denen ich in Kontakt trete, sind immer andere“, sagt sie. So abwechslungsreich wie die Musikszene ist von Hellborns Arbeitsalltag. Dabei gibt es auch für die Eventmanagerin Neuland – etwa der Hype um Youtube-Sternchen wie Liont und Bibi, die im September für ein ausverkauftes Capitol sorgten. „Dass einer Beauty-Bloggerin Hunderte Mädchen entgegen kreischen, war eine völlig neue Erfahrung für mich“, gibt von Hellborn zu.

Coldplay im Offenbacher Capitol: Eindrücke des Konzerts

So erfolgreich das vergangene Jahr für das Capitol war, hat sich die Geschäftsführerin auch einmal richtig geärgert. Denn eigentlich war ein Auftritt des Weltstars Sam Smith in der ehemaligen Synagoge im Nordend vorgesehen. „Nachdem er aber einen Grammy nach dem anderen abgesahnt hat, füllte er immer größere Hallen“, erinnert sich von Hellborn. Das Capitol war zu klein, umbuchen auf die größere Stadthalle nicht möglich, weil dort zu dem Zeitpunkt einen Firma tagte. Smith gab sein Konzert letztlich in der Frankfurter Jahrhunderthalle.

Der Verlust scheint verkraftbar, wenn von Hellborn über Anstehendes spricht. Im Programm tauchen etwa 70er-Jahre-Legende Art Garfunkel und Pop-Sänger James Morrison auf. Die Komiker-Duos Badesalz und Mundstuhl, aber auch Michael Mittermeier, Dennis aus Hürth und Hundetrainer Martin Rütter bringen Capitolgäste in den nächsten Monaten zum Lachen. Die Auftritte der Letzteren überträgt das Privatfernsehen. TV-Präsens des Offenbacher Kulturtempels ist also auch 2016 garantiert.

Sportgala im Capitol

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