Solidarität von Christen, Muslimen, Juden und OB

Bei Terror-Gedenken: Offenbach lebt Toleranz vor

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Auf dem Platz der Deutschen Einheit treffen sich Offenbacher und zünden Kerzen an.

Offenbach - Ihre Solidarität gilt Frankreich und allen Opfern blutigen Terrors: 100 Menschen haben sich am Samstagabend trotz Regens und Kühle auf dem Platz der Deutschen Einheit versammelt. Sie entzünden Teelichte, legen Blumen nieder, halten Kerzen in den Händen. Von Harald H. Richter 

Hans Schinke führt ein Plakat mit sich in den Farben der Trikolore auf der einen Seite und vor Fanatismus, Brutalität und Waffengewalt warnenden Worten auf der anderen. „Mir ist es wichtig, Mitgefühl zu zeigen und die Schrecken von Krieg und Gewalt zu geißeln“, sagt er. „Paris ist überall, denn Schauplätze gibt es inzwischen viele – Beirut etwa, Sinai, Ankara, jetzt auch Mali“, sagt Philipp Türmer, Juso-Vorsitzender und mit dem Stadtschülerrat Organisator des Gedenkens. Für ihn ist die Welt im Angesicht der Anschläge ein schockierender Schauplatz geworden, an dem die unschuldigen Opfer betroffen machen, die Menschen aber nicht verzagen dürfen.

„Der Terror ist bis in die Nähe unserer Partnerstadt Puteaux gerückt“, erinnert Oberbürgermeister Horst Schneider an das Geschehene, das in Paris 130 Menschen das Leben gekostet hat. In der Trauer mit den Freunden vereint, mahnt er zugleich an, sich mit den Ursachen von Krieg und Gewalt zu befassen und Folgerungen daraus zu ziehen. „Wir funktionieren als eine Welt, das verpflichtet uns.“ Unabhängig von Religion oder ethnischer Zugehörigkeit sei ein friedvolles, von Toleranz geprägtes Miteinander möglich. „Wir in Offenbach leben es vor.“

Wie ausgeprägt das ist, drückt sich in der Anwesenheit von Repräsentanten mehrerer Religionsgemeinschaften aus. Der katholische Dekan Michael Kunze spricht für die beiden großen kirchlichen Konfessionen, Imam Selçuk Dogruer aus Frankfurt als hessischer Landeskoordinator für die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religionen (DITIB), Henryk Fridman für den Vorstand der Jüdischen Gemeinde.

Der Terror verdunkle die Welt, mitunter ohnmachtsgleich stockten den Menschen die Worte, sagt Kunze. „Dunkelheit kann Dunkelheit nicht vertreiben: Nur Licht kann das. Hass kann Hass nicht vertreiben: Nur Liebe kann das“, zitiert er zuversichtlich US-Bürgerrechtler Martin Luther King.

Hanauer gedenken Terroropfern von Paris

Bilder: Gedenken an Terroropfer von Paris

„Es wird nicht gelingen, uns zu entzweien“, ist Dogruer überzeugt. Auf einer gemeinsamen Wertebasis stehend, sei die Gesellschaft stark genug, sich gegen Versuche verbrecherischer Fanatiker zu erheben, sie zu entzweien. „Der heutige Abend, an dem wir den Terror verurteilen und die Anschläge, die den Islam missbrauchen: Setzt ein Zeichen des Friedens und des Zusammenhalt!“ Wer sich radikalisiere und dem Fanatismus anheimfalle, tue das in Wahrheit nicht im Namen Gottes. Diese Einschätzung greift Fridman auf. Er betont, nicht durch Religion werde ein Mensch gut oder schlecht, sondern durch sein Handeln. Alle Redner fragen, was die Mörder erreichten, wenn es ihnen gelänge, Angst und Misstrauen zu säen. Im Aufbegehren dagegen sei das Zusammenstehen über die Mahnwache hinaus wichtig und richtig.

„Trotzdem verunsichert mich, dass Terroristen immer mehr Schrecken verbreiten“, bringt Hibba Kauser, stellvertretende Stadtschulsprecherin, ihre Besorgnis zum Ausdruck. Dennoch möchte die junge Frau nicht kapitulieren, sondern spricht sich und den Versammelten Mut zu, weiter die Stimme für mehr Mitmenschlichkeit zu erheben. Ihre nach Schluss der Veranstaltung in die Nacht getragenen Lichter sind dafür leuchtende Symbole.

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