Mobilfunkmast am Geisfeldkreisel versorgt das Offenbacher Kreuz mit 5G

Test für die digitale Zukunft

Der Mobilfunkmast ist 45 Meter hoch.

Offenbach – Nur den wenigsten Autofahrern, die das Offenbacher Kreuz passieren, dürfte aufgefallen sein, dass sie hier eine der schnellsten Mobiltelefonverbindungen bundesweit haben. VON FRANK SOMMER

Grund ist der hier herrschende, neue 5G-Mobilfunkstandard, der extrem große Datenmengen schneller als mit dem bisherigen LTE-Standard transportieren kann. Und dennoch dürfte der Kreis der Nutzer bisher sehr exklusiv sein: Es gibt nämlich momentan gerade einmal zwei Telefongeräte, die 5G überhaupt verarbeiten können – und außerdem sollte der Blick der Verkehrsteilnehmer am Offenbacher Kreuz ohnehin auf die Straße und nicht auf die Verbindungsanzeige des Smartphones gerichtet sein.

Seit 2000 steht nahe des Geisfeldkreisels ein 45 Meter hoher Mobilfunkmast, der von Vodafone und Telefónica betrieben wird. Mehrere Antennen sorgen in luftiger Höhe für eine breitfläche Abdeckung mit dem LTE-Netz. Seit August sind äußerlich unscheinbare, rechteckige Antennenkästen hinzugekommen. „Mit diesen wird hier das Umfeld mit 5G-Netz versorgt“, sagt Bettina Kroeckel, Expertin Mobilfunk und Umwelt von Vodafone.

Am Montag hat Hessens Digitalministerin Kristina Sinemus (parteilos) sich vor Ort über den Ausbau des 5G-Netzes informiert. „Antennen für 5G zu bauen, ist eine Investition in die Zukunft“, sagt die Ministerin. Hauptsächlich sollten künftig Gewerbegebiete mit 5G versorgt werden, da der neue Mobilfunkstandard die nötige Voraussetzung etwa für die Echtzeit-Datenübertragung für neue Automatisierungsprozesse in der Industrie liefert.

Obwohl vornehmlich Industriegebiete für die schnelle Übertragungstechnik prädestiniert scheinen, sei auch an Autobahnknotenpunkten die schnelle Übertragungstechnik sinnvoll, sagt Sinemus. „Das Land will Funklöcher stopfen, kommende Woche werden wir eine vom TÜV Rheinland erstellte Karte der ‘weißen Flecken’ mit Funklöchern in Hessen vorstellen“, sagt sie. Weitere Anwendungen für die schnelle Datenverbindung entlang von Autobahnen sind etwa im Transportsektor bei Echtzeit-Kontrollen von Warenbewegungen auf den Autobahnen. „Wir sind damit natürlich hier auch schon für künftige Anwendungen wie autonomes Fahren, gerüstet“, sagt Kroeckel.

„So einen Mast zu errichten, kostet bis zu 200 000 Euro, Förderungen gibt es keine“, sagt Simon Japs von Vodafone. Die höchsten Kosten entstünden für den Planungsprozess. „Die Reichweiten der einzelnen Masten dürfen sich nicht überlappen, dann kommt es zu Störungen“, sagt er. Standorte zu finden, an denen sich die Reichweiten gerade so berühren, aber keine Funklöcher bilden, sei dabei die größte Herausforderung. Da das 5G-Netz eine wesentlich geringere Reichweite hat als das bisherige LTE-Netz, sind künftig für eine flächendeckende Versorgung wesentlich mehr Standorte für Antennen nötig als bisher. Wie viele, dazu möchten weder Sinemus noch Kroeckel eine Prognose wagen.

Im Umkreis gibt es sonst nicht allzu viele 5G-Antennen: So existiert eine weitere in einem Gewerbegebiet in Frankfurt-Sossenheim, und in Offenbach gibt es noch eine Vodafone-Antenne auf einem Gebäude in der Mühlheimer Straße nahe des künftigen Standorts der Fröbel-Schule. Da die Stadt auf dem Güterbahnhofgelände nahe der Mühlheimer Straße ein Gewerbegebiet plant, das auf die Industrie 4.0 zugeschnitten sein soll, wäre eine 5G-anbindung sinnvoll. Ob die Antenne an der Mühlheimer Straße aber das Gebiet abdecken kann oder ob ein eigener Funkmast geplant ist, dazu gibt es noch keine Informationen.

Für innerstädtische Gebiete würden sich ohnehin eher sogenannte „small cells“ anbieten, sagt Sinemus. Diese kleineren Antennenkästen sind kostengünstiger und sorgen in dichtbesiedelten Räumen für eine entsprechende Netzabdeckung. An Orten, an denen es für Telefongesellschaften wirtschaftlich nicht rentabel sei, Anlagen zu errichten, möchte das Land nach den Vorstellungen der Digitalministerin einspringen, eine entsprechende Förderinitiative wird momentan noch von der EU geprüft.

Bis in Offenbach flächendeckend 5G sinnvoll angewandt wird, dürfte es aber ohnehin noch dauern. Aktuell wird von der Telekom in Darmstadt 5G im innerstädtischen Bereich getestet, etwa für Projekte wie autonomes Fahren. Allerdings hat der Testbetrieb dort schon für Aufregung gesorgt, Telekom und Stadt mussten bereits mit einer Infoveranstaltung versuchen, Sorgen über Strahlenbelastung zu zerstreuen. Am Geisfeldkreisel dürfte ähnliches nicht notwendig sein, denn die Verweildauer hier liegt im Sekundenbereich.

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