Unternehmen steht vor neuen Herausforderungen

OVB testet einen Elektrobus

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Bei der Mobilität verbietet es sich, allein auf eine Schiene zu setzen – auch wenn das im Fall der OVB und ihrer Busflotte nicht wörtlich zu nehmen ist. Aber Geschäftsführerin Anja Georgi (rechts) betont: „Das ist nicht mehr zeitgemäß.“ Daher startete das Projekt eMiO (Elektromobilität in Offenbach) 2013 mit dem Ziel, 40 Elektrofahrzeuge an Offenbacher Unternehmen und andere gewerbliche Kunden wie etwa Bauingenieur Dominik Mangelmann zu vermieten. Das ist inzwischen erreicht. 

Offenbach - Die Stadt wächst. Experten rechnen bis zum Jahr 2030 mit rund 10.000 weiteren Menschen in Offenbach. Von Martin Kuhn

Eine der zentralen Fragen bei dem Wachstum: Wie kommen sie von A nach B? Der jährliche Mobilitätsbericht gibt zwar keine Antworten, zeigt aber Wege auf – in Zeiten knapper Finanzen. Für Anja Georgi ist inzwischen klar: Die Menschen legen sich nicht fest, wechseln zwischen Auto, Fahrrad, Bus und S-Bahn. „Schauen Sie einmal auf ihre vergangene Woche“, fordert die Geschäftsführer der Nahverkehr in Offenbach GmbH (NiO) einen Blick aufs persönliche Bewegungsprofil. Daher ist der jährliche vorzulegende Mobilitätsbericht umfassend. Auf 18 Seiten schafft das Werk etwas Transparenz in einem komplexen Räderwerk aus lokalen und regionalen Bus- und Bahnlinien sowie einem breiten Angebot an Leihfahrrädern, Car-Sharing und elektromobilen Leihfahrzeugen. Darüber hinaus verweist der Bericht perspektivisch auf die Arbeitsschwerpunkte öffentlicher Mobilität in den kommenden Jahren. Heißt: Leihräder und -autos, auch elektrisch betrieben, gewinnen im öffentlichen Verkehrsmix mit Bus und Bahn an Bedeutung. Ziel ist es, dies „zukunftsorientiert zu erweitern“ und mit Hilfe weiterer eMobil-Stationen eine „umweltfreundliche Anschlussmobilität“ zu schaffen.

Das hört sich gut an, ist wohl auch einem Gerichtsurteil geschuldet. Die Deutsche Umwelthilfe bekam im Sommer vor dem Verwaltungsgericht Recht. Der Verband klagte, weil in Offenbach und Limburg Stickoxid-Grenzwerte überschritten werden. Als Hauptursache für die hohe Belastung gelten laut DHU Verkehrsemissionen, in erster Linie von Diesel-Fahrzeugen. Dazu zählen auch OVB-Busse, die im Jahr rund 3,5 Millionen Fahrplankilometer zurücklegen.

Dennoch laufen die nächsten drei Busse, die von den OVB bestellt sind, mit Diesel-Aggregaten. Aber die Stromer sind nicht vom Tisch. Im Gegenteil. 2016 wollen sich die Verkehrsbetriebe „intensiv mit dieser Technik auseinandersetzen“, sagt Anja Georgi. Dabei wollen die Offenbacher von den Erfahrungen anderer Kommunen profitieren und zwei Wochen lang einen Elektrobus im realen Offenbacher Linienbetrieb testen. Die Geschäftsführerin legt gestern vor Journalisten die Messlatte fest: „Schafft er beispielsweise die Steigung am Bieberer Berg? Oder unsere längsten Strecken?“ Mit entscheidend ist wohl, ob an verschiedenen Endhaltestellen künftig Ladestationen gebaut werden können.

Bus, Bahn und Tram -Metropolen im Test

Erheblich weiter ist die Stadt bei den kleineren Elektro-Varianten: An der zentralen Station können 15 Pedelecs (Fahrräder) und zwei Autos ausgeliehen werden. Die Zahl der Nutzer stieg von 400 (2013) auf 476 im vergangenen Jahr. In der bestehenden Form ist das Kunden-Potential jedoch ausgeschöpft. Daher sind fünf weitere Stationen in den Stadtteilen vorgesehen. Bürgermeister Peter Schneider: „Die Leute wollen das Fahrzeug nicht unbedingt dorthin zurückbringen, wo sie es ausgeliehen haben.“

Also kommen fünf kleinere Stationen, zwei bereits im nächsten, drei im Jahr 2017 – am Hafen, in Bürgel/Rumpenheim, in Bieber, An den Eichen. Die Wahl der Standorte ist nicht willkürlich. Sie beruht auf einer Bachelor-Arbeit eines Studenten. Der hat ermittelt, wo potentielle e-MiO-Kunden wohnen. Das auch für die Experten etwas überraschende Ergebnis: rund ums Ledermuseum. Der durchschnittliche Nutzer ist männlich, verfügt über ein gutes Einkommen und ist technik-affin.

Eine Absage erteilt er bereits Forderungen der oppositionellen CDU, die eine solche Station gern am Bürgeler Dalles sehen würde – samt der seit Jahren geforderten Niederlegung des Bürgerplatzes auf Straßenniveau. „Diesen Standort halte ich eher für gewagt.“ Um einen Anschluss ans Busnetz - und somit an die künftige Linie 108 im Wohngebiet Bürgel-Ost - zu ermöglichen, präferiert er den Mainzer Ring.

Beispiele aus dem neuen RMV-Preissystem

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