Kostenloses Probefahren ab Montag möglich

OVB testet vier Tage lang neue Antriebstechniken

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Niederländisches Kennzeichen, Offenbacher Mobilitäts-Signet: Ab Montag, 14. März, steigen Offenbacher kostenlos ein. - Foto: Georg

Offenbach - Der erste Test-Elektrobus hatte keine Heizung. Das war bitter für die Fahrgäste und führte vor fünf Jahren zum Abbruch des Testlaufs. Der Nachfolger hat zwar Heizung, aber nach wie vor keine Kasse. Darüber jedoch können sich OVB-Kunden freuen.

Ab Montag, 14. März, erhalten sie vier Tage lang Gelegenheit, auf der Linie 106 kostenlos elektrisch mobil zu sein. In der Elektromobilität ist Offenbach seit Jahren Vorreiter – etwa mit der E-Mobil-Leihstation für E-Autos und Pedelecs. Und die Offenbacher Verkehrs-Betriebe (OVB) waren bundesweit die ersten, die einen rein elektrisch angetriebenen Linienbus für eine mehrwöchige Testphase in Betrieb nahmen. Die OVB konnten unterm Strich viele positive Erfahrungen sammeln, obwohl der Testlauf vorzeitig abgebrochen werden musste. Der in Südeuropa hergestellte Prototyp, ein umgebauter Flughafenbus, war nicht für den Betrieb bei kühlen Außentemperaturen ausgelegt.

Die OVB hat das Thema seitdem nicht aus den Augen verloren, sondern aufmerksam verfolgt, „welche technischen Entwicklungen es bei den Fahrzeugherstellern gegeben hat und welche Erfahrungen andere Kommunen mit der Elektromobilität gesammelt haben“, so Anja Georgi. Die Geschäftsführerin sowohl der OVB als auch des lokalen Aufgabenträgers NiO, Nahverkehr in Offenbach, betont: „Gerade im Hinblick auf die Anstrengungen der Stadt für Klimaschutz und Luftreinhaltung wollen wir das Thema umweltfreundlicher ÖPNV voranbringen.“ Am Montag, 14. März, geht in einer viertägigen Probephase erneut ein Elektrobus auf eine Linienstrecke. Der niederländische Hersteller VDL Bus & Coach stellt dazu ein Citea-Fahrzeug seiner E-Worker-Baureihe samt mobiler Ladestation zur Verfügung. Zwölf Meter lang und 11,7 Tonnen schwer, bietet der per Tieflader nach Offenbach transportierte Elektrobus Platz für 70 Fahrgäste.

Die werden von eigens eingewiesenen Fahrern auf der zehn Kilometer langen Strecke der Linie 106 zwischen Wetterpark und Caritas/Buchrainweiher leise, umweltfreundlich und komfortabel an ihr Ziel gebracht. Damit die Fahrgäste den dynamisch designten VDL-Bus auch als OVB-Fahrzeug erkennen, wird er mit dem bekannten Mobilitätslogo der Stadtwerke Offenbach kenntlich gemacht. Bei dem zeitlich befristeten Praxistest geht es um die Anforderungskriterien im Stadtbusverkehr (Steigungen, Streckenlängen) sowie um die Leistungskapazitäten (Reichweite, Ladezeiten) im realen Alltagsbetrieb. Der Elektrobus soll in seiner Probezeit einen dieselbetriebenen Bus ersetzen und eine Tagesfahrleistung von 120 Kilometern erbringen. OVB-Betriebsleiter Olaf Ortmann ist zuversichtlich, dass der VDL-Bus das problemlos schafft.

Ökostrom-Förderung wird umgestellt: Mehr Wettbewerb

Von einem realen Testbetrieb könne allerdings nicht die Rede sein, dämpft der technische Leiter der OVB, Eberhard Werth, zu hohe Erwartungen. Um das Fahrzeug wirklich auf Herz und Nieren prüfen zu können, müsste der Energieverbrauch über einen längeren Zeitraum zu unterschiedlichen Tages- und Jahreszeiten und bei unterschiedlicher Belastung registriert und darauf entsprechend die Batteriekapazität und die Ladeinfrastruktur abgestimmt werden. So geht es den OVB bei ihrem neuerlichen Testlauf mehr um eine „erste Produktpräsentation unter realen Bedingungen“, um sich einen Überblick über den Stand der Technik zu verschaffen. Eine weitere Vorführung mit dem Fahrzeug eines anderen Herstellers soll möglichst noch in diesem Jahr folgen. „Lärm- und emissionsfreie Elektrobusse im großstädtischen ÖPNV sind eine zukunftsfähige Lösung“, ist Anja Georgi überzeugt. Voraussetzung jedoch sei, dass die Reichweite der Fahrzeuge stimme. Idealerweise müssten die E-Busse 350 Kilometer am Tag zurücklegen können, nicht mehr als eine Viertelstunde Ladezeit an den Endhaltestellen benötigen und so flexibel einsetzbar sein wie Dieselfahrzeuge.

Die Entscheidung über diese Antriebstechnik im Offenbacher Linienbetrieb hängt von der Finanzierungsmöglichkeit der Schutzschirm-Kommune Offenbach und damit vom Votum der Stadtverordneten ab. Die Kosten eines Elektrobusses betragen etwa das Doppelte der Kosten eines Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor. Hinzu kommen Investitionen in die Ladeinfrastruktur. Die Umstellung auf Elektromobilität, so Georgi, sei deshalb nur im Zuge einer Ersatzbeschaffung für einen der 61 OVB-Dieselbusse möglich. (pso)

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