Wie teuer ist guter Rat beim Klinikum?

Offenbach (psh) ‐ Viele Mitarbeiter am Klinikum in Offenbach reiben sich in diesen Tagen verwundert die Augen: Das hoch verschuldete Krankenhaus kann auch sehr lukrativ sein - zumindest für Berater.

So ist deren Zahl weiter gewachsen. Nachdem Experten des Berliner Klinikkonzerns Vivantes für sechs Monate das Ruder übernommen haben, sind jetzt auch noch Fachleute des Beratungsunternehmens McKinsey angeheuert worden.

„Seit einer Woche sind sie im Einsatz“, berichtet der Betriebsratsvorsitzende Holger Renke. Seine Einschätzung: „Offenbar traut man in den Stadtspitze den Zahlen aus dem Klinikum nicht mehr und will sich nun durch McKinsey einen Überblick verschaffen. Die Stadtführung will sich für die weiteren Verhandlungen absichern.“

Offenbachs Stadtkämmerer und Klinik-Dezernent Michael Beseler wies im Gespräch mit unserer Zeitung auf eine Bitte der Interims-Geschäftsführerin Franziska Mecke-Bilz hin. Die Mitarbeiterin des Berliner Vivantes-Klinikkonzerns soll bis Mitte Dezember einen Drei-Jahres-Plan fürs angeschlagene Offenbacher Klinikum vorlegen. Sie habe dafür die Unterstützung der Fachleute von McKinsey angefordert. Pikantes Detail am Rande: Vor sieben Jahren widersprachen die Arbeitnehmervertreter beim Vivantes-Klinikkonzern in Berlin Bestrebungen der dortigen Unternehmensleitung, die Berater von McKinsey zu engagieren. Begründung: Das Honorar von 900 000 Euro pro Monat sei einfach zu hoch.

Beseler wollte sich zu den genauen Kosten der McKinsey-Experten nicht äußern. Er räumte aber ein, dass man bei deren Einsatz „schnell mit 100 000 Euro dabei“ ist. Er verwies aber auf die prekäre Finanzlage des Klinikums. Tatsächlich braut sich seit Wochen Düsteres zusammen: Für 2011 erwartet das Haus ein Minus von 42 Millionen Euro, knapp zehn Millionen Euro mehr als 2010; die Stadt musste das Krankenhaus in diesem Jahr mit einer Finanzspritze in Höhe von 30 Millionen Euro vor der drohenden Insolvenz retten. Beseler, der zuletzt mehr und mehr die Unterstützung von der Landesregierung eingefordert hat: „Ich brauche die Zahlen, um überhaupt eine Gesprächsgrundlage für Verhandlungen mit dem Sozial- und Innenministerium zu haben.“

Kritiker halten ihm entgegen: In den vergangenen Jahren sind doch bereits dutzende Berater der Firma Roland Berger im Klinikum tätig gewesen. Von Kosten in sechsstelliger Höhe war die Rede.

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