„22 Millionen waren eine grobe Schätzung“

Teure Grundschule in Offenbach: 36,5 Millionen Euro für Bieber-Nord

Lernen im Container: Momentan werden die Kinder in einer Interimslösung unterrichtet. Die neue Grundschule mit integrierter Kita soll diese ersetzen. Das ursprünglich in der Schule geplante Blockheizkraftwerk soll nun nahe der B 448 realisiert werden.
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Lernen im Container: Momentan werden die Kinder in einer Interimslösung unterrichtet. Die neue Grundschule mit integrierter Kita soll diese ersetzen. Das ursprünglich in der Schule geplante Blockheizkraftwerk soll nun nahe der B 448 realisiert werden.

Die für Bieber-Nord geplante neue Grundschule wird deutlich teurer als zunächst prognostiziert: Statt 22 Millionen werden mindestens 36,5 Millionen Euro für das Gebäude mit integrierter Kita fällig.

Offenbach - Beim Projektbeschluss in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung spielten diese Kosten aber zunächst keine Rolle: Während knapp fünfeinhalb Stunden zuvor die Vertreter der Ampel-Koalition angesichts des Haushaltsdefizits schmerzhafte Einsparungen beim Busverkehr ankündigten, wurden kurz vor Mitternacht beim Schulbau andere Töne angeschlagen. Gelobt wurden von den Koalitionären die Einbeziehung der Kita, die geplanten Fledermaus-Nistkästen und die klimafreundliche Fassaden- und Dachbegrünung der neuen Schule – die Kosten von 36,5 Millionen Euro waren kein Thema.

Das blieb der Opposition überlassen, und Dominik Mangelmann von der CDU legte den Finger auch deutlich in die Wunde. Man habe sich „verrannt“, und nun werde eine kostenintensive Variante ohne Rücksicht durchgezogen, kritisierte er. So werde extra dicker Stahlbeton, der wesentlich teurer sei als herkömmlicher, vorgesehen. „Es ist eine wahre Materialschlacht“, sagte er. Zudem seien die Planungen viel zu kurzfristig und ohne Aufbereitung den Stadtverordneten zur Verfügung gestellt worden, sodass eine Einarbeitung oder ein Hinterfragen kaum möglich sei.

Offenbach: Grundschule wird deutlich teurer – Wenig Platz im Baugebiet

Tatsächlich ist das Gebäude architektonisch ungewöhnlich: Da nur wenig Platz im Baugebiet für die Schule zur Verfügung steht, sah schon der erste Entwurf vor, dass der Pausenhof etwa auf das Dach der Turnhalle verlegt werden muss. Ursprünglich war auch vorgesehen, dass das für das Gebiet zuständige Blockheizkraftwerk in das Schulgebäude zu integrieren.

Doch davon ist man inzwischen abgekommen. Es werde überlegt, das Heizkraftwerk in Richtung B 448 zu verlegen, sagte Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß. „Mit integriertem Kraftwerk wäre es noch teurer geworden.“ Die Planung sei, so führte Weiß im Plenum aus, ohnehin „gerupft“ worden: Zwar habe man die Schule um eine Klasse pro Jahrgang erweitert, so dass sie nun dreizügig sei, doch seien andere Vorhaben weggefallen. „Statt einer Zwei-Felder-Sporthalle ist nun nur noch ein Feld vorgesehen“, sagte er. Noch mehr sei an dem Bau sei jedoch nicht zu streichen, es fordere ohnehin heraus, den geringen Platz so effektiv wie möglich zu nutzen. Die Dreizügigkeit sei notwendig, um später auch Kinder aus Waldhof-West unterrichten zu können.

Offenbach: 22 Millionen für Bau der Grundschule nur ein „Schätzwert“

Vehement widersprach Weiß dem Vorwurf der Opposition, die Kosten seien gestiegen. „Die 22 Millionen waren nur eine grobe Schätzung, jetzt haben wir erstmals richtig durchgerechnete Kosten vorliegen.“ Die vor Jahren kommunizierten 22 Millionen hatten somit keine konkrete Grundlage. Auch bei anderen Projekten wie dem neuen Gymnasium seien die angesetzten 50 Millionen nur ein „Schätzwert“ – was bedeutet, dass auch hier mit einem erheblichen Plus bei den tatsächlichen Baukosten gerechnet werden muss. Vergleiche mit Schulneubauten in Frankfurt und Darmstadt zeigen Weiß, dass die Quadratmeter-Kosten vergleichbar seien.

Steigende Schülerzahlen

Bedingt durch den anhaltenden Zuzug nach Offenbach steigen die Schülerzahlen kontinuierlich an. Wie Schuldezernent Paul-Gerhard Weiß ausführt, wurden vor zehn Jahren noch zwischen 1000 und 1100 Kinder pro Jahrgang eingeschult. Für das Schuljahr 2021/22 werden 1340 Erstklässler erwartet und für 2025/26 rechnet die Stadt mit 1600 Kindern, die eingeschult werden. Die Stadt reagiert bereits seit Jahren auf diesen Anstieg mit der Erweiterung und dem Bau neuer Schulen: So wurde beispielsweise im August 2017 nach zweijähriger Bauzeit für 26,6 Millionen Euro die Hafenschule eröffnet. Erweitert werden unter anderem Mathilden-, Geschwister-Scholl- und Edith-Stein-Schule. Um den steigenden Bedarf an Plätzen im Gymnasialbereich gerecht zu werden, plant die Stadt auf dem Gelände des Güterbahnhofs ein neues Gymnasium zu errichten.

Zwar gebe es kostentreibende Faktoren bei dem Grundschulbau, doch seien diese den selbst gesteckten Klima-Zielen des B-Plans geschuldet, etwa in Form der Fassaden- und Dachbegrünung, Regenrückhaltung oder Bewässerungstechnik. Allein die Lüftungstechnik schlage mit 1,7 Millionen Euro zu Buche, doch sei diese notwendig, etwa um im fluglärmintensiven Gebiet das Öffnen der Fenster auf ein Minimum zu reduzieren.

Weiß hofft zudem auf Fördergeld von Bund und Land – nur steht die in Aussicht gestellte Summe in keinem Verhältnis zu den gestiegenen Projektkosten: Etwa zwei Millionen Euro könnte die Stadt als Zuschuss erhalten. (Frank Sommer)

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