Kosten steigen auf bis zu 37 Millionen Euro

Umbau des Riesen-Kreisels: Teure Pfähle im Kaiserlei

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Mit einem Durchmesser von 250 Metern wurde der Kaiserleikreisel einst als größtes Rund Europas gefeiert. Jetzt weicht er mit erheblichen Kosten einer Doppelkreuzung.

Offenbach - Dem Projekt geht auf der Zielgeraden zwar nicht die Luft aus. Es ist jedoch nachzulegen. Der Rückbau des Kaiserleikreisels zur Doppelkreuzung kostet bis zu 5,3 Millionen Euro mehr. In der Summe: 37 Millionen. Zeit zum politischen Diskurs bleibt kaum. Von Martin Kuhn 

Ein kompliziertes Technik-, Prüf- und Förderverfahren gebietet einen parlamentarischen Endspurt. Die bitteren Pillen verabreichen Markus Eichberger, Chef des städtischen Planungsamtes, und Achim Brand, Planungsstab bei Hessen Mobil, den Mitgliedern des Bauausschusses. Dabei wird dem beobachtenden Laien deutlich: Es ist ein technisch aufwändiges Verfahren, das parallel zu einem kniffligen Anzapfen von Förder- und Zuschusstöpfen vorangetrieben wird. Ein Termin ist indes unverrückbar: 2019 muss der Umbau vom Kreisel zur Doppelkreuzung im Kaiserleigebiet fertig sein. Sonst ist der fest eingeplante Finanzierungsanteil über das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) verloren.

Schematische Darstellung der verschiedenen Verfahren, um die erforderlichen Rampen abzustützen.

Dabei ist das Projekt mit einer kalkulierten Bauzeit von 36 Monaten ohnehin in Verzug: Der Umbau sollte im Januar 2015 starten. Ein Grund für die Verschiebung: Nach Vergabe der ausgeschriebenen Ingenieur-Leistungen klagte ein unterlegener Bieter. Das kostete gut sechs Monate, auch wenn die Kommune im Verfahren vor dem Oberlandesgericht obsiegte. Mehr Probleme bereitet jedoch der „ungünstige“ und dicht gefüllte Untergrund im Kaiserlei. Für die Gründung (die Senkung ist unter einem Zentimeter zu halten!) der erforderlichen Auf- und Abfahrrampen neben der A-661-Brücke ist ein spezielles Verfahren notwendig. Um bis zu 50 Meter tiefe Bohrungen zu vermeiden und die Kosten so möglichst gering zu halten, setzen Stadt und Hessen-Mobil auf die kombinierte Pfahl-Plattengründung (KPP, siehe Grafik). Dabei setzen die Firmen spezielle Hülsenpfähle lediglich einen Meter neben die bestehende S-Bahn-Röhre, die sich dort zum Halt „Kaiserlei“ weitet.

Weiteres Erschwernis auf dem Weg, der bereits am 19. Juni 2000 mit dem Planfeststellungsbeschluss und Schaffung des Baurechts eingeschlagen wurde: Es ist kein genormtes Verfahren. Notwendig wird für jedes Bauprojekt ein gesondertes Gutachterverfahren. Der Antrag liegt seit März dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur vor. Zustimmung: offen. „Wir wissen nicht, mit welchem System wir bauen dürfen“, sagt Eichberger. Aber warum gab’s vorher keine detaillierte Bodenuntersuchung, fragt die Union. Die folgte erst mit der Vergabe der Ingenieur-Leistung, „da 350.000 Euro nicht mal eben aus dem Ärmel geschüttelt werden“, so der Amtsleiter.

Verkehrschaos am Kaiserlei

Bauchschmerzen bereitet dem CDU-Abgeordneten Roland Walter zudem, dass der neu zu beschließende Kaiserlei-Umbau (Sitzung am Donnerstag, 16. Juli) nicht mit einem möglichen sechsspurigen A-661-Ausbau korrespondiere, der im Bundesverkehrswegeplan (BVWP) stehe. Dem widerspricht Achim Brand: „Der Platz ist auf jeden Fall vorhanden.“ Zudem dürfe das Land erst mit einer Planung beginnen, wenn der BVWP vorliege. Bei einer durchschnittlichen Planungszeit von acht Jahren, rechnet der Experte mit einem Realisierungszeitraum von 2025 – optimistisch gesehen. „Ob und wann der Ausbau der A 661 kommt, kann heute keiner sagen.“

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