Williams-Drama überzeugt bei Theateressenz

Thalbach-Trio mit der „Glasmenagerie“ zu Gast im Capitol

Bekannte Gesichter überzeugten beim Gastspiel: Nellie und Anna Thalbach Foto: Barbara Braun/Komödie Ku’damm
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Bekannte Gesichter überzeugten beim Gastspiel: Nellie und Anna Thalbach.

Nicht viele Theaterstücke kommen ohne Mord, Sex und Intrigen aus. Tennessee Williams 1944 veröffentlichtes Drama „Die Glasmenagerie“ konzentriert sich dagegen auf das Leben einer alleinerziehenden Mutter und ihrer beiden Kinder. Bei der Theateressenz im Offenbacher Capitol schlüpfen Anna und Nellie Thalbach in die Rollen von Mutter und Tochter.

Offenbach – Amanda Wingfield (Anna Thalbach) wohnt mit ihrem Sohn Tom (Louis Held) sowie der schüchternen Tochter Laura (Nellie Thalbach) in einer Seitenstraße des St. Louis‘ der 1930er Jahre. In der Großen Depression leben die drei ohne den Vater, der seine Familie verlassen hat. Auf der Bühne ist er lediglich in Form eines Porträts präsent.

Um der humpelnden Tochter eine gute Zukunft zu ermöglichen, möchte Amanda sie mit Toms Arbeitskollege Jim O’Connor (Sven Scheele) verkuppeln. Obwohl sich Laura und Tom näherkommen, wird nichts aus dem Plan. Den Jim will eine andere heiraten, woraufhin es zwischen der Mutter und ihrem Sohn kracht.

Anna Thalbach wählt für ihre Rolle der „Helikopter-Mutter“ statt des Floretts den Zweihänder. Mit krächzender Stimme raunt sie bestimmend Sohn und Tochter an und dominiert das familiäre Leben. Nelly Thalbach, die Enkelin der verantwortlichen Regisseurin Katharina Thalbach, versteht es im Offenbacher Capitol genial, die Fragilität ihrer Figur zu zeigen. Zerbrechlich wie ihre Glasfiguren traut sie sich nur zögerlich, Jim gegenüberzutreten. Als dann eine der Figuren beim Tanz mit dem charmanten Besucher zerbricht, haben wohl die meisten der 550 Zuschauer Mitleid.

Nicht weniger beeindruckend ist bei dem Gastspiel im Rahmen der Reihe Theateressenz auch Louis Helds ambivalente Bruderfigur, die sich in ein Ensemble von internationalem Format einreiht. Zu überzeugen weiß neben dem Bühnenbild auch die geschickt eingesetzte Lichttechnik.

Ein Wermutstropfen ist bei der zweistündigen Inszenierung die stellenweise ungünstige Tonqualität. Tosender Beifall dennoch für die gelungene Familienproduktion. Dass Großmutter, Mutter und Tochter gemeinsam für eine Inszenierung gefeiert werden, ist besonders.

Von Sebastian Krämer

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