Geisterjäger lernen in Ferien

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Theater-Pädagoge Sascha Mahnel prüft die Stärke der gedachten Schwerter der Kinder. Auch Offenbachs Bildungsdezernent Felix Schwenke macht mit.

Offenbach - Shogufa hat große Pläne. Sie will auf die Marienschule gehen – ein Gymnasium für Mädchen. An der Wegscheide in Bad Orb will das Mädchen während der ersten drei Wochen der Sommerferien dafür den Grundstein legen. Von Sonja Achenbach

Die Neunjährige ist zwar in Deutschland geboren, ihre Eltern kommen aber aus Afghanistan. Sie ist aufgeschlossen, plaudert munter drauflos. Es dauert einen Augenblick, bis der Zuhörer merkt, warum sie von ihrer Lehrerin für die mittlerweile vierte Auflage des Deutschsommers vorgeschlagen wurde. Hin und wieder vertauscht sie Artikel und auch die richtige Verwendung von Zeiten scheint nicht ihre Stärke zu sein.

Nach dem Deutschsommer sind diese Probleme Geschichte – da ist sie sich sicher. „Deutsch macht hier viel mehr Spaß als in der Schule“, meint Shogufa. Ihre Freundin Fatma stimmt ihr zu und ergänzt: „Ich will hier nicht mehr weg.“

Beeindruckt von der Motivation

Projektkoordinator Santo Pedilarco ist beeindruckt von der Motivation der Beiden. Die Mädchen gehören zu 31 Kindern, die in zwei verschiedenen Gruppen von Pädagogen betreut werden. Sie sollen Deutsch lernen, aber nicht so trocken wie in der Schule. Daher ist Pedilarco froh, auf eine Kombination von Sozialpädagogen, Theaterpädagogen und Lehrkräften für Deutsch als Zweitsprache zählen zu können. „Die Kinder lernen unsere Sprache während des ganzen Tages, ihnen ist der Unterrichtscharakter der Aktionen oft nicht bewusst“, erzählt er.

Dazu gehören die Proben für ein Theaterstück. Eine Gruppe ist gerade konzentriert bei der Sache: UEGs laufen lärmend durch die Halle und versuchen jeden zu erschrecken. MEGs sind dagegen eher lustig unterwegs. Theaterpädagoge Sascha Mahnel braucht nur einen Schnips mit den Fingern machen und die Kinder wechseln ihre Rollen. UEGs sind „Unheimlich Ekelhafte Gespenster“, MEGs nur „Mittelmäßig Ekelhafte Gespenster“. Sie sind Teil von Cornelia Funkes Werk „Gespensterjäger auf eisiger Spur“.

Mit Mahnel proben die Kinder den Ausdruck auf der Bühne. Mächtig beeindrucken werden sie ihre Eltern mit der Leistung, sind sie sich sicher. Eine Pause ist den Jungen und Mädchen gar nicht wichtig. Lieber wollen sie nochmal die Szene mir den Gespensterjägern spielen.

Deutschkenntnisse beim Projekt verbessern

Elf Mädchen und 20 Jungs haben in diesem Sommer die Möglichkeit, ihre Deutschkenntnisse bei dem Projekt zu verbessern. 56 Anmeldungen hatte es gegeben. „Ursprünglich konnten 45 Jungen und Mädchen von dem Projekt profitieren“, so Bildungsdezernent Felix Schwenke. Zu dieser Zeit standen Fördermittel in Höhe von 70.000 Euro zur Verfügung. „Der Zuschuss des Landes Hessen fiel nach zwei Jahren weg“, sagt er. Das Projekt sei aber dank Spenden bis auf Weiteres nicht gefährdet.

„Der Deutschsommer hat sich einen Namen gemacht. Wir können die große Nachfrage kaum mehr bewältigen“, erzählt Pedilarco. Die Pädagogen arbeiten eng mit den Lehrern der Grundschulen in Offenbach zusammen. Sie bekommen von ihnen Zusatzinformationen über die Kinder und dokumentieren ihre Entwicklung während der drei Wochen.

„Bei einigen Jungen und Mädchen können wir sagen, dass sie es jetzt auch ohne uns schaffen“, erzählt Santo Pedilarco. Andere haben im Januar mit dem Projekt Endspurt erneut die Möglichkeit, ihre Deutschkenntnisse aufzubessern.

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