Unheimliches Treiben

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An der Bushaltestelle treffen merkwürdige Gestalten, Geschichten und Schicksale aufeinander.

Offenbach - Wenn so unterschiedliche Personen wie ein Pillendealer und ein Großinquisitor zusammenkommen, dann handelt es sich entweder um einen höchst unwahrscheinlichen Zufall oder aber um Kunst. Von Alexandra Bauer

Die Kunst des Bühnenspiels war es, die die Schüler der Arbeitsgemeinschaft Darstellendes Spiel Q4 der Leibnizschule dazu trieb, das zeitgenössische Stück „Haltestelle. Geister. “ von Helmut Krausser unter der Regie von Johannes Preissner einzustudieren. Während zweier Aufführungen konnten die Oberstufenschüler, die kurz vor dem Abitur stehen, noch einmal ihre schauspielerischen Fähigkeiten unter Beweis stellen.

Die Handlung des Stückes ist so bizarr und verstörend wie auch zeitweise belustigend: Menschen am Rande der Gesellschaft wie ein Obdachloser, ein Drogendealer und eine augenscheinlich mit der Wahnvorstellung behaftete junge Frau, eine Alien-Prinzessin zu sein, treffen auf Menschen, vermeintlich aus der Mitte der Gesellschaft, die aber ebenso ziel- und haltlos sind. Der Zuschauer begegnet einem Ehepaar, dessen sadistisch geprägte Partnerschaft längst aus dem Ruder gelaufen ist. Hier überzeugten Niko Adam und Mareike Mc Keever mit starken Szenen zwischen Abscheu und Anziehung.

Einziger Handlungsplatz ist eine Bushaltestelle

Das seltsame Figurenpotpourri umfasst zudem zwei einsame Männer, von denen einer sein Leben damit verbringt, seine verschollene Ehefrau zu suchen, drei junge Frauen, die ihre Zeit mit Lästereien, Affären und Drogenkonsum totschlagen, einen vermeintlichen Grill-Imbiss-Angestellten, der eigentlich gar keiner ist, eine Blinde sowie einen Mann mit dem Aliasnamen „Großinquisitor“, der von seiner Internet-Bekanntschaft versetzt wurde. Lisa Kazimirski spielte die Alien-Prinzessin Gala Gracia mit einer weltentrückten Vornehmheit und Koketterie, die Spaß machte. Attila Vajda gab einen unbekümmerten und gutgelaunten Pillendealer, der es genießt, Macht über andere zu haben. Malin Kipke verkörperte eine der „Tussen“ und die Liebschaft aus dem Internet mit mädchenhafter Reinheit. Pia Scharfenberg spielte mit überzeugender Kaltschnäuzigkeit eine weitere „Tusse“ sowie in der Zweitrolle die Blinde, die sich als Ehefrau des alten Mannes entpuppt.

Einziger Handlungsplatz ist eine Bushaltestelle, an der jedoch niemals ein Bus fährt. Durch einen Un- und einen Mordfall werden schräge Protagonisten zu schrägen Geistern, die die Bushaltestelle zu belagern beginnen. Leroy Pfannkuchen glänzte in der Rolle des „Tütenpenners“, der die Stimmen der Geister hört und zum ungewollten Überbringer ihrer Botschaften an die Lebenden wird. Als „Mann im dunklen Mantel“ schuf Max Albinger eine abgründige, dämonische Gestalt, die sich – zunächst als Beobachter – letztlich als der Herr der Toten entpuppt.

Die Produktion der Schüler, die selbst für Maske, Licht und Ton verantwortlich waren und sogar die Redaktion und Kürzung des Originals übernommen haben, war ein voller Erfolg. Bleibt zu hoffen, dass die Theaterkultur an der Leibnizschule weiter einen festen Platz hat.

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