Theaterclub Elmar im Capitol

Freund und Chefberater

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Die Grimm-Brüder Jacob (Tilman Camphausen) und Wilhelm (Simon Isser) sowie der Kater (Valentina Vinkovic) führen durchs Märchen.

Offenbach - „Wenn die Nase langsam kribbelt, kommt der Kater angetippelt. “ Diese Erfahrung muss Jacob Grimm machen – leidet der Ärmste doch an Katzenhaarallergie. Von Markus Terharn 

Was ihn nicht daran hindert, mit seinem Bruder Wilhelm durch die Geschichte zu führen, nachdem ein Problem gelöst ist: „Es war einmal ein Vorhang, der wollte nicht aufgehen. “ Dank lautstarker Mithilfe der Kinder kann’s endlich losgehen: „Märchenwelt, öffne dich!“. Die kleinen Besucher sind stark gefordert, ohne sie geht nichts. Sie müssen „Es lebe der König“ rufen. Dürfen den versteckten Kater nicht verraten. Verwandeln tote Plüsch- in essbare Rebhühner. Und müssen für die gute Sache auch mal lügen, wenn gefragt wird, wem diese Wiesen, jene Felder oder der Wald dort drüben gehören. In die vertrauten Schlussworte können alle einfallen: „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute...“

Habe die Ehre: Szene am Königshof mit Anja Büttner, Valentina Vinkovic, Timo Hartmann, Gabi Thomas, Eva Stichweh und Holger Kraus (von links).

Das Märchen vom Müllersohn, dem sein kluger Kater Grafentitel und Königreich nebst Gattin verschafft, zehrt von der langjährigen Elmar-Erfahrung in Sachen Weihnachtsinszenierungen. Viele, die erst als Kinder, dann mit eigenen Sprösslingen gekommen sind, gehen inzwischen mit ihren Enkeln hin. Und alle haben ihren Spaß an den tollen Darbietungen. Roter Faden in Simon Issers Buch und Regie sind zum einen die Märchenbrüder, verkörpert von ihm und Tilman Camphausen. Und zum anderen die roten Stiefel, die dem Ledermuseum zur Ehre gereichen würden und einem Vierbeiner den aufrechten Gang ermöglichen. In der Titelrolle liefert Valentina Vinkovic eine Darstellung ab, mit der sie auf Profibühnen bestehen könnte, so listig wie lustig und geschmeidig.

Mit diesem besten Freund und Chefberater meistert der junge Michel alias Alexander Kempf seinen Aufstieg in den Adelsrang mühelos. Dazu passt, dass Cora Hellenthal als Prinzessin Maria gar nicht schüchtern ist: „Komm, Graf, steig ein, ich setz mich neben dich!“ Der ewig hungrige König Holger Kraus und die zur Vernunft mahnende Königin Gabi Thomas sehen’s gern. Für Humor bei Hof ist Eva Stichweh als Narr zuständig, für ernsthaftere Arbeit Timo Hartmann als Kanzler. Mit Nebenpartien bleiben Tobias Gruhn als böser Zauberer („Käferschleim dort an der Wand“), Nadine Graf als verzauberter Rabe („Krah, krah“) und Philipp Thomas als Bairisch redender Förster („Kruzifix“) in Erinnerung.

Als Putzkolonne und Serviererinnen wirbeln Ballettschülerinnen aus Stadt und Kreis in entzückenden Choreografien von Marianne Wycisk und Thorsten Hellmich zur eingängigen Musik von Oguz Dogan, dass es eine wahre Freude ist. Mit herrlich bunten Kostümen hat Schneiderin Marija Vinkovic sich selbst übertroffen. In der Maske leisten Anja Büttner und Christine Rinke Erstaunliches. Das Werkstatt-Team um Dieter Reinhart, Jürgen Klauke, Harald Gille, Michael Kempf, Klaus Thöne und Tabea Schneider erntet Sonderbeifall für die zweispännige Kutsche mit Elmar-Wappen und hat sich beim raschen Kulissenwechsel im letzten Akt ebenso einen verblüffend einfachen Effekt einfallen lassen wie bei der Verwandlung des Zauberers in Elefant, Löwe und Maus. So unsichtbar wie unentbehrlich ist die Technik, für die Maximilian Rebell, Helmut Büchel, Maximilian, Ricarda und Karin Thöne sowie Verena Hammel verantwortlich zeichnen.

Den drei Sonntagsvorstellungen folgen drei weitere am heutigen Montag. Es gibt noch Karten für 14.30 Uhr: 069/852714 oder E-Mail.

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