Theaterclub Elmar mit „TV Luther“

Teelicht der Erleuchtung

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Wie haben sich eigentlich Martin Luther und seine Gemahlin Katharina von Bora kennengelernt? Im Fernsehen, in einer Kuppelshow!   

Offenbach - Mit dem Stück „TV Luther – Im Fahrstuhl zur Reformation“ erzählt der Theaterclub Elmar die Geschichte des Protestantismus ebenso neu wie unterhaltsam – alles ganz im Stil heute gängiger Fernsehformate. Von Silke Gelhausen-Schüßler 

Luther und Fahrstuhl ist auf den ersten Blick eine seltsame Kombination. Wem jedoch die Lutherkirche vertraut ist, der kann damit etwas anfangen. Dort liegt der Kirchenraum im ersten Stock, zum Gottesdienst muss man Treppen steigen – oder seit knapp drei Jahren den Fahrstuhl nehmen. Was konnte da besser passen, als zum 100-Jahre-Jubiläum des Gotteshauses die Architektur in ein Stück einzubauen?. Simon Isser hat das Leitmotiv für den Theaterclub Elmar in eine Komödie verwandelt: „TV Luther – Im Fahrstuhl zur Reformation“ feierte Uraufführung im Gemeindesaal. Pfarrer Ulrich Knödler zeigt sich schon vor Beginn restlos begeistert: „Das ist wie Ostern und Weihnachten gleichzeitig. Es ist schön, dass es so voll ist und es sogar eine Warteliste für Karten gibt!“ Stühle werden zusammengekratzt, damit mehr als 100 Leute das 70-minütige Vergnügen sitzend erleben.

Los geht’s im Bühnenfahrstuhl, der mit zwei Jugendlichen und Pfarrerin stecken bleibt. Niemand hört die Eingesperrten, der Notruf ist ausgefallen, Mobilfunknetz Fehlanzeige: „Ach ja, Kollege Knödler hat einen Störsender gegen Handyklingeln einbauen lassen...“ Für die Pfarrerin (trotz Unmengen an Daten textsicher: Katrin Burger) kein Problem, sie erzählt den Teenies (Viola Borm und Annalena Barnickel) aus Leben und Wirken des Reformators.

Wenig Daten und Fakten

Freilich ist mit Daten und Fakten bei der digitalen Generation kein Blumentopf zu gewinnen. So muss man sich was einfallen lassen, um so kuriose Dinge wie den Ablasshandel rüberzubringen: In einer Auktion wie bei Ebay werden die Sünden des Publikums unter dem Hammer zertrümmert. Hier 301 Euro für Diebstahl, da 500 Euro für Fremdgehen, dort zwei Millionen Euro für schlechte Gedanken: Da kommt für die katholische Kirche ein hübsches Sümmchen zusammen. Zeit, solche Unsitten zu reformieren. Luther schlägt am 31. Oktober 1517 gegen den Ablass 95 Thesen an die Wittenberger Schlosskirche und stellt das System in Frage. In der Folge wird er mit einem Bann belegt und muss sich verstecken.

Zeit für Aktenzeichen XY. Gesucht wird Martin L., vermisst seit 1521. Der erste Zuschauerhinweis: „Er soll sich als Junker Jörg auf der Wartburg aufhalten!“ Kurzweilig geht es weiter: Eheweib Katharina von Bora findet der Theologe in der Kuppelshow „Herzblatt“, den Katechismus kann man im „Teleshopping“ bestellen, das Literarische Duett gibt seinen intellektuellen Senf zur deutschen Bibel-Übersetzung. Bei „Wer wird Millionär?“ darf ein Gast sein Wissen testen: „Welchem Orden schloss sich Luther 1505 an? Märziner, Augustiner, Oktobiner oder Dezemberiner?“ Fünf richtige Antworten bringen das Teelicht der Erleuchtung. Nicht zu vergessen die Werbeeinblendungen. Da gibt es Lutherkekse im Angebot – nur echt mit den 95 Thesen.

„Theater Total“ im Gewächshaus in Rodgau

„Theater Total“ im Gewächshaus

Der Theaterclub hat mit seiner amüsanten Aufführung den Nerv des Publikums getroffen: Die Luther-TV-Episoden werden mit begeistertem Beifall belohnt. Ein Dutzend Proben mussten dem jungen Ensemble reichen, am Einheitstag war die Gruppe ab neun Uhr mit Aufbau und Generalprobe beschäftigt. Weitere Darsteller waren Luis Rettig, Tobias Gruhn, Vera Nießner, Bianka Rehn, Gisken Mittwollen, Jasmin Weber, Cora Hellenthal, Franziska Schlachter, Miriam Buch, Larissa Kessler, Alexander Kempf und Sebastian Gruhn. Simon Isser schrieb das Textbuch und führte Regie, Theologin Jutta Reimers-Gruhn half bei den Recherchen, Ricarda Thöne war Organisatorin. Für die aufwändige Technik inklusive Fernseh-Vorspännen zeichneten Maximilian Rebell, Maximilian Thöne und Verena Hammel verantwortlich. Weitere Informationen auf der Internetseite der Mirjamgemeinde.

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