Schulschwänzers Strafgericht

Offenbach ‐ Sitzen wir im richtigen Stück? Das sind doch Sherlock und Holmes, die durchs Capitol tapern! „Da sind ja Kinder“, kombiniert der Meisterdetektiv. Was die wollen? „Theater gucken!“, hallt die Antwort vielstimmig im Saal wider. Von Markus Terharn

Richtig schlau scheint der doppelte Ermittler nicht zu sein; er kennt Pinocchio nicht... Aber da kann geholfen werden: „Märchenwelt, öffne dich!“, rufen alle – und hinein geht’s ins Vergnügen, das der Theaterclub Elmar alle Jahre wieder Jung und Alt bereitet.

Die Entdeckung der Inszenierung ist Julia Hagen in der Titelrolle von Carlo Collodis Kinderbuchklassiker: Von der ersten ungelenken Bewegung an hat die begabte Jungmimin ihre Figur im Griff, vereint Witz und Charme mit hoher Natürlichkeit.

„Hatschi“, niest die Puppe Pinocchio, nachdem der Schnitzer Gepetto (herzlich: Holger Kraus) ihr einen roten Mund gemalt und eine spitze Nase geschnitten hat. Der alte Mann meint sich verhört zu haben und geht müde zu Bett. Da wird die hölzerne Marionette erst richtig munter. Von der blauen Fee (sanft: Valentina Vinkovic) zum Leben erweckt, von der grünen Grille Zivjeli (agil: Eva Thomas) begleitet und von den Kindern lautstark unterstützt, begibt sich der kleine Kerl auf große Reise. Das Ziel ist, ein richtiger Junge zu werden, wie ihn sich Gepetto so sehnlich wünscht.

Puppen, Nachtvögel, Clowns, Herumlungerer

Da scheint der Schulbesuch unausweichlich. Aber ist Theater nicht schöner? Flugs ist jeder Vorsatz vergessen und die Fibel in Eintritt für die Puppenbühne umgemünzt. Dort schmeißt der naseweise Bengel die Vorstellung, indem er ins Geschehen eingreift und den Bösewicht versohlt. Es ist der Auftakt zu einer Reihe Abenteuer, die den Helden in Kontakt mit äußerst zwielichtigen Gestalten bringen:

Zum Fürchten ist Thorsten Stichweh als Carlo Diabolico mit fieser Lache, der die Marionetten (Jael Döldissen, Philipp Despot und Alexander Späth) am Faden hält. Geschickt beschleichen und umschmeicheln Daniel Thomas als ehrenwerter Fuchs und Christine Klauke als liebenswerte Katze den arglosen Pinocchio. Grell und marktschreierisch verführen Bodo Ballermann (Simon Isser) und Candyman (Tobias Simmen) die superlässige Faulenzer-Gang mit Nadine Graf, Lisa Kazimirski, Jessica Gomolla, Timo Hartmann und Max Rebell.

Mit sicherem Gespür für die Bedürfnisse des Nachwuchses haben Elmar-Vorsitzender Klaus Walther und Sandra Sedlaczek Regie geführt. Die Chefin der Locomotion-Tanzbühne hat auch den Text eingerichtet und die Choreografie besorgt. Ihre Mini-Schülerinnen sind als Puppen, Nachtvögel, Clowns und Herumlungerer sehr grazil und einfach niedlich. Dazu hat Oguz Dogan eingängige Melodien und flotte Rhythmen komponiert.

Patrick Roth zaubert Lichteffekte

Sich selbst übertroffen hat das Werkstatt-Team: Willi Rinke, Ina Reimer, Jürgen Klauke, Dieter Reinhart, Harald Gille, Klaus Thöne und Michael Kempf haben für jede Szene eine fantasievolle Kulisse gezimmert und gepinselt. Die kunterbunten Kostüme haben Marija Vinkovic, Elli Göschl sowie Fine Hüneke geschneidert. Als Maskenbildnerinnen tragen Anja Büttner und Christine Klauke zur Verwandlung der Darsteller bei. Patrick Roth zaubert Lichteffekte. Für den Ton bürgen Percy Walther, Helmut Büchel, Karin und Max Thöne sowie Nina Sedlaczek.

Für die Aufführung am Montag um 14.30 Uhr gibt es noch Karten.

Sherlock und Holmes (Dragica Klauke und Thomas Isser) haben etwas gelernt – die Zuschauer ebenso: Aufrichtigkeit, Liebe und Mut sind wichtige Werte! Diese Erkenntnis, mit leichter Hand vermittelt, nimmt das begeisterte Publikum mit nach Hause.

Rubriklistenbild: © Georg

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