Theodor-Heuss-Schüler befragten Direktkandidaten

„Nobelpreis für Snowden“

Offenbach - Das letzte Mal in diesem Wahlkampf hieß es in Offenbachs Schulen „Schüler fragen Politiker“. Von Jonas Diebold

Zu Gast an der Theodor-Heuss-Schule waren vier Direktkandidaten für den Bundestag: Dirk Gene Hagelstein (SPD), Paul-Gerhard Weiß (FDP), Wolfgang Strengmann-Kuhn (Grüne) und Christine Buchholz (Linke). Peter Wichtel (CDU) fehlte entschuldigt. Thematisch spannte sich der Bogen von der Jugendarbeitslosigkeit über Mietpreise und Energiewende bis hin zum Abhörskandal.

Zuerst wurde nach der Jugendarbeitslosigkeit gefragt, sie liegt derzeit bei sieben Prozent. FDP-Mann Weiß lobte die momentane Arbeitsmarktpolitik, die ohne gesetzlichen Mindestlohn einen flexiblen Einstieg in den Markt sichere. Qualifikation sei das A und O gegen Arbeitslosigkeit. Für eine funktionierende Qualifizierung solle das Kooperationsverbot von Bund und Ländern aufgehoben werden, so Buchholz.

Schüler interessiert vor allem die Datenschutzpolitik

Als es um die Mietpreise ging, waren Hagelstein und Weiß ausnahmsweise einer Meinung. Nur eine Erhöhung des Angebots von Wohnungen senke den Preis.

Die Energiewende funktioniere nur dezentralisiert, ergriff Strengmann-Kuhn erstmals das Wort und versuchte, den Zuhörern die Angst von steigenden Energiekosten zu nehmen.

Sehr interessiert zeigten die Schüler sich an den Ausführungen zur Datenschutzpolitik. Gegen die Vorratsdatenspeicherung richteten sich alle anwesenden Kandidaten. Beschämend fand Strengmann-Kuhn, dass ausgerechnet Putin dem Whistleblower Edward Snowden Asyl biete. Buchholz fordert nicht nur Asyl für Snowden, sondern auch den Friedensnobelpreis für ihn.

Von den Kandidaten der Oppositionsparteien wurde zudem das Verhalten Deutschlands gegenüber den USA stark kritisiert: Man müsse energischer sein Anliegen für mehr Datenschutz formulieren und im äußersten Fall sogar die wirtschaftliche Zusammenarbeit aussetzen.

Nach den vorbereiteten Themen hatte das jugendliche Publikum Gelegenheit, die Politiker zu befragen. Das Spektrum der Fragen war groß. Es reichte vom Inzestverbot über Wahlrecht für Ausländer bis hin zur Diskriminierung. Insgesamt ernteten Buchholz und Hagelstein den größten Beifall für ihre Antworten. Populär waren die Aussagen gegen Kriegseinsätze und für die vermehrte Aufnahme von syrischen Flüchtlingen.

Vor dem Schlusswort der Politiker hatten viele Schüler bereits den Saal verlassen.

Rubriklistenbild: © dpa

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