Theodor-Heuss-Schüler haben Marketingkonzepte entwickelt

Frische Ideen für den Bioladen

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Wie sie die Umsätze des schulinternen Öko-Shops steigern wollen, erklären die Vertreter der Projektgruppen (von links): Adriana, Hania, Deniz, Bogdan, Nadine und Talha. Initiator des Wettbewerbs ist Lehrer und Vorsitzender des Wirtschaftszweiges Jörg Eckert (rechts).

Offenbach - Die Theodor-Heuss-Schule hat einen eigenen Bioladen. Doch der läuft nicht besonders gut. Die zwölften Klassen des Wirtschaftszweigs sollten sich überlegen, wie er mehr Umsatz erzielen kann. Die besten Konzepte wurden nun vorgestellt. Von Sarah Neder

Der Problemfall befindet sich in der Caféteria und sieht aus wie ein Marktstand. Äpfel und Tomaten liegen in Körben überdacht von einer rot-weiß-gestreiften Markise. Säfte und Joghurts lagern in gläsernen Kühlschränken, auch ein Regal mit Öko-Kosmetik steht dort. Doch trotz all der hochwertigen Produkte läuft der Bioladen an der Theodor-Heuss-Schule nicht. Viele Lehrer, aber kaum Schüler kaufen dort ein. Woran das liegt, und wie sich das ändern lässt, haben Zwölftklässler des Wirtschaftszweiges nun für einen Jahrgangswettbewerb ergründet.

Ihre Aufgabe: Ein Marketingkonzept erstellen, das den Umsatz von 200 auf 400 Euro täglich steigert. Die einzige Beschränkung: Die Schüler dürfen ein imaginäres Budget von 5000 Euro nicht überschreiten. Hellmuth, Francesco und Farshad, alle in hellblauen Hemden, stehen auf der Bühne vor ihrem Jahrgang und den Lehrern, zusammen mehr als 100 Leute. Der Beamer wirft ein Tortendiagramm hinter den Schülern an die Wand. „Eine Umfrage hat ergeben, dass der Laden unattraktiv wirkt“, fasst Hellmuth zusammen. Theodor-Heuss-Schüler fänden den Shop zu teuer, nicht schön hergerichtet oder interessierten sich einfach nicht für biologische Lebensmittel.

Die drei Jugendlichen stellen verschiedene Strategien vor, mit denen sie diesen Schwächen entgegenwirken wollen. Zum Beispiel haben sie vor, über die Qualität und Nachhaltigkeit der Waren aufzuklären oder den Laden in Projektwochen einzubinden, Workshops und Kochkurse zum Thema Öko anzubieten. Außerdem möchten sie eine Bio-Party auf dem Pausenhof organisieren, bei der es Kostproben der im Shop vertriebenen Lebensmittel geben soll. Farshad ergänzt: „Wir würden Stempelkarten einführen, die die Konsumenten zum regelmäßigen Einkauf motivieren.“

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Eine andere Gruppe aus zwei Mädchen hat den Schwerpunkt ihres Konzepts auf ein neues Design gelegt. Corporate Identity ist das Stichwort. So soll der Laden nicht nur ein neues, modernes Logo bekommen, sie wollen auch einheitliche T-Shirts für die Bio-Markt-Mitarbeiter verteilen. Zudem möchten die Schülerinnen an der Kommunikationspolitik des Öko-Stands schrauben und etwa Wegweiser auf dem ganzen Gelände anbringen. Initiator des Marketingwettbewerbs ist Lehrer und Vorsitzender des wirtschaftlichen Fachoberstufenzweigs Jörg Eckert. „Seit acht Jahren müssen die Zwölfer ein solches Konzept für Firmen ausarbeiten“, erzählt er.

Besonders sei diesmal, dass das unter die Lupe genommene Unternehmen unterm selben Dach angesiedelt ist und ebenfalls ein Schülerprojekt ist. Jugendliche aus der elften Klasse können nämlich beim Simulationsbetrieb „Tasty Theo“, zu dem Bio-Shop, Kiosk und Bistro gehören, ihr obligatorisches Jahrespraktikum fürs Fachabitur ablegen.

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Sana, Bendis und Fauzia sind solche Jahrespraktikanten und im Moment im Bio-Shop beschäftigt. Sie gestehen, dass das nicht ihre Lieblingsstation sei, weil zu den benachbarten Imbissen deutlich mehr Kunden kämen. In den Pausen sind die Schlangen vor Kiosk und Bistro ewig lang. Vorm Bioladen nicht. Es liegt also auch in ihrem Interesse, dass sich etwas am Image verändert. Für mehr Bekanntheit ist Initiator Jörg Eckert. Das Projekt solle aber vor allem aufs Studium vorbereiten, in dem die Schüler ähnliche wissenschaftliche Marketingmodelle entwickeln müssten.

Den besten drei Gruppen winkt aber nicht nur die Umsetzung ihrer Ideen, sondern auch Geld. Die für den Shop verantwortlichen Lehrer Eike Schymura und Helmut Müssemann wählen bis Ende Februar die überzeugendsten Modelle aus. Die Gewinner bekommen 300, die Zweiten 200 und das dritte Team 100 Euro. Geld, dass der Bioladen dank der Vorschläge sicher bald einnehmen wird.

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