Theoretische Steigerungen

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Wohnbaupotential: Auf dem einstigen Allessa-Parkplatz (im Hintergrund das Badehaus der Chemiebetriebe) am östlichen Eingang zur Innenstadt soll Wohnraum entstehen. Investoren interessieren sich für Reihenhäuser und Wohnblöcke.

Offenbach - Der Schutzschirm zwingt zu Optimismus. Wie berichtet, erreicht der Finanzplan, den der Magistrat der Landesregierung übermittelt hat, annähernd die Vorgaben, weil die Entwicklung der Einnahmen positiv vorhergesehen wird.

Dabei legt der Stadtkämmerer, Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD), nahe, dass keineswegs nur Wunschdenken mit völlig aus der Luft gegriffenen Werten den Rechenschieber führte. Zu den Posten Gewerbesteuer, die Grundsteuer und den Anteile an der Einkommensteuer hat der OB vielmehr in seinem Amt für Baumanagement und Stadtplanung sowie von seiner Wirtschaftsförderung die hypothetischen Potentiale Offenbachs ausloten lassen.

Aufgrund der dargestellten Möglichkeiten erlaubte sich Horst Schneider, die genannten Einnahmen theoretisch bis zum Jahr 2022 (Offenbach hat vom Land eine zweijährige Galgenfrist bis zum Haushaltsausgleich gewährt bekommen) ansteigen zu lassen. So soll die Gewerbesteuer am Ende bei 91 Millionen (Ist 2011: 46 Mio) liegen, die Einkommensteuer bei 60,7 (44,9), die vorerst auf 500 Punkte angehobene Grundsteuer bei 23,1 (22,4).

Das (Bau-)Amt 60 legte dem OB „Planungspotenziale Wohnen“ vor, die aus einer Grundlagenermittlung aus dem Jahr 2005 und ihrer Fortschreibung 2011 resultieren. Demnach wäre in Offenbach Platz für 5660 neue Wohneinheiten, die dann 12 000 neue Offenbacher in die Stadt holen könnten. Wenn auch von diesen wie bisher ein Drittel 1000 Euro pro Kopf im Jahr an Einkommensteuer zahlen würde, wären das vier Millionen Euro mehr. Umzüge innerhalb Offenbachs spielen bei diesem Rechenspiel jedoch keine Rolle.

Wo wie viele Wohnungen als Neubauten entstehen können, wenn jede Fläche entwickelt würde beziehungsweise sich für jeden Fleck Investoren fänden: entsprechend Bebauungsplänen 2800 an Pirazzistraße, Fünfhäusergasse, Bieber-Nord, Hafen, Bieber-Waldeck, Bürgel-Ost, An den Eichen, Mathildenstraße (ehemals Friedel), Senefelderstraße (ehemals MAN Roland), östlicher Stadteingang (ehemals Parkplätze Allessa); 2000 in Baulücken und im Siedlungsbestand wie auf den Arealen Luisenhof und ehemals Jahns und Hainsdorf im Nordend; 860 auf Reserveflächen des Regionalen Flächennutzungsplans wie Bürgel-Nordwest, Rumpenheim-Nordwest, Bieber-Waldhof-West.

Eine grobe Annäherung wagt die Wirtschaftsförderung, betrachtet das Potential an Grundstücken, das für An- oder Umsiedlungen zur Verfügung steht, die zusätzliche Arbeitsplätze und Gewerbesteuereinnahmen bringen könnten. 1,22 Millionen Quadratmeter stünden demnach zur Verfügung. Rechnerisch reicht der Platz für die Ansiedlung von 28.000 bis 50.000 neuen Arbeitsplätzen, das Gros, 18.000 bis 35.000, betrifft Büros. Gegenwärtig hat Offenbach rund 45.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Ganz theoretisch wäre also eine Verdoppelung drin.

Allerdings sind laut Wirtschaftsförderung Interessenten meist auf sofort oder kurzfristig verfügbare Grundstücke aus. Investoren beginnen in der Regel erst mit dem Bau, wenn sie eine gewisse Vorvermietung erreicht haben oder baldigen Einzugstermin garantieren können.

Das reduziert in Offenbach die mit einer Vorlaufzeit von bis zu einem Jahr verfügbare und damit attraktiven Fläche auf ein Fünftel, auf 250 000 Quadratmeter. Bedeutet ein Potential von 5000 bis 10.000 Arbeitsplätzen.

Die Gewerbesteuerprognose für den Schutzschirm macht die Wirtschaftsförderung dann aber am Idealfall fest: Wenn 45.000 Beschäftigte 57,9 Millionen erwirtschaften, verspräche ein Ansiedlungspotential von 28.000 bis 50.000 Mitarbeitern zusätzliche Einnahmen von 26 bis 63 Millionen Euro.

Theoretisch. Aber für den Schutzschirm passt’s.

tk

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