Coronavirus

2G-Bändchen sollen Weihnachtsshopping retten

Zwei Frauen zeigen die blauen 2G-Bändchen der Stadt Offenbach an ihrem Handgelenk.
+
Zeigt her, eure Bändchen: Die 2G-Bänder mit Offenbach-Schriftzug.

Mit 2G-Bändchen will Offenbach lange Shopping-Schlangen vermeiden und so das Geschäft ankurbeln – viele größere Ketten nehmen aber noch nicht Teil.

Offenbach – Am weißen Pavillon vor der Fielmann-Filiale in der Frankfurter Straße haben sich Gabi K. und ihre Tochter gerade mit einem blauen Bändchen ums Handgelenk ausgestattet und sind jetzt bereit für ihre Shopping-Tour. Was es mit dem Papier-Armband mit Offenbach-Schriftzug auf sich hat? Geimpfte und Genesene, die ihren Weihnachtseinkauf in der Innenstadt erledigen wollen, können sich damit doppelte und dreifache Corona-Kontrollen bei teilnehmenden Einzelhändlern ersparen.

Generell falle die Rückmeldung positiv aus, sagt der Security-Dienst, der Nachweise prüft und Bändchen verteilt: „Die Leute freuen sich.“ Und auch einige alteingesessene Läden wissen die Initiative der Stadt zu schätzen. Klaudia Russ von M. Schneider sagt: „Es erleichtert die Arbeit, geht schneller und gerade die Älteren fluchen, wenn sie in ihrer Tasche nach Ausweis und Impfpass suchen müssen.“ Hans-Jörg André, Inhaber des Musikhauses André, kann sogar sagen, dass das Weihnachtsgeschäft nach Stotterstart kürzlich erheblich an Tempo zugenommen hat.

Frankfurt schaut auf Offenbach: Die Stadt hat aber noch Bedenken bei dieser Art der Bändchenvergabe

City-Managerin Birgitt Moebus berichtet, dass sich auch schon die Frankfurter Verwaltung über die Umsetzung des Konzepts erkundigt habe. Doch das Offenbacher Bändchen-Modell ist beim Nachbarn nicht eins zu eins übertragbar. „Wir haben die Bändchen-Vergabe gerne an zentraler Stelle, wie es jetzt der Fall ist.“ Dass die Einzelhändler künftig selbst Armbänder verteilen, das sei aus Sicherheitsgründen hingegen eher auszuschließen. „Bei uns funktioniert das auch, weil wir eine kompakte Innenstadt haben“, sagt Moebus. In Frankfurt sei dieser Ansatz aufgrund des weitläufigeren Stadtzentrums nicht so einfach zu handhaben.

Wie Moebus erzählt, sei das Bändchen-Konzept in Absprache mit dem Ordnungsamt in kürzester Zeit auf die Beine gestellt worden. Das erklärt auch, warum noch nicht alles reibungslos abläuft. Denn insbesondere die großen, überregionalen Ketten scheinen das Konzept nicht durchweg anzunehmen.

Die Bändchen-Aktion ist ein Angebot der Stadt und keine Verpflichtung

Birgitt Moebus, City-Managerin

So bleibt der Eintritt zu einigen Geschäften beim Vorzeigen des OF-Bandes noch verwehrt. „Dass manche Einzelhändler weiterhin auf klassische 2G-Kontrollen setzen, ist völlig okay. Die Bändchen-Aktion ist ein Angebot der Stadt und keine Verpflichtung“, sagt Moebus. „Die Leute ärgert’s aber“, berichten die angeworbenen Sicherheitsdienstmitarbeiter. Immer wieder kämen Menschen, die sich echauffieren, weil sie nur mit Armband keinen Zugang zu bestimmten Geschäften erhielten.

Die Leiterin eines Franchise-Ladens im Rathaus-Plaza beschwert sich zudem über die Kommunikation der Stadt. „Ich habe überhaupt erst aus den Medien von den 2G-Bändchen erfahren“, sagt sie. Birgitt Moebus erklärt, neben der Pressemitteilung habe die Wirtschaftsförderung auch eine E-Mail an die Händler versandt, im Falle der großen Einkaufszentren das jeweilige Center-Management informiert. „Bei größeren Ketten mag die Möglichkeit bestehen, dass die Information versandet ist, weil die Firmenzentralen gar nicht in Offenbach sitzen,“ sagt sie.

Probleme mit der neuen Idee: Viele größere Ketten verweigern sich und haben Sicherheitsbedenken

Bleibt dennoch die Frage: Warum akzeptieren einige Geschäfte das Bändchen nicht? Die Antwort: Sicherheitsbedenken. Die Händler sind durch die strengen Corona-Kontrollen der vergangenen Monate sensibilisiert. „Die Bändchen können einfach gefälscht werden“, befürchtet ein Mitarbeiter von TK Maxx. Die Einzelhändlerin aus dem Rathaus-Plaza sagt: „Ich weiß gar nicht, welche Armbänder ich akzeptieren kann. Zählen beispielsweise auch die Bunten vom Weihnachtsmarkt?“

So hat die Stadt in der Tat noch Arbeit vor sich, will sie das mit heißer Nadel gestrickte Projekt auch im neuen Jahr fortführen. Am wichtigsten scheint es, klarzustellen, ob eine Händlerhaftung bei einem Bändchen-Betrug auszuschließen ist – scheint das doch die zentrale Sorge derjenigen Geschäfte zu sein, die noch nicht teilnehmen.

Von der Aktion begeistert: Birgitt Moebus, Wirtschaftsförderung, Martina Holzer, Sportsline, Hans-Jörg André, Musikhaus André, und Helen Schiebrack, Apotheke zum Löwen.

Moebus bestätigt zumindest, dass es Überlegungen gibt, das Bändchen-Design künftig sicherer zu gestalten. Vorschriftsmäßig muss die Farbe des Armbands außerdem regelmäßig wechseln. Bisher lugt es aber nur in blau unter den Jackenärmeln der Leute hervor. (Julius Fastnacht)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare