In den Tiefen der Kriminalstatistik

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Im gesamten Wirkungskreis des Offenbacher Polizeipräsidiums ging die Zahl der Straftaten um 7,3 Prozent zurück. Nur die Gesetzesbrecher in Offenbach-Stadt arbeiten gegen den Trend.

Offenbach - Den Kern der Botschaft hatte Polizeipräsident Heinrich Bernhardt schon Mitte Januar öffentlichkeitswirksam freigelegt: Nie zuvor seit Bildung des Offenbacher Polizeipräsidiums Südosthessen vor 15 Jahren waren die Zahlen der Kriminalstatistik erfreulicher: 54025 Delikte, 4235 weniger als 2007 und gut 10000 weniger als 1994. Von Marcus Reinsch

Den Kern der frohen Botschaft hatte Polizeipräsident Heinrich Bernhardt auf Drängen seines Innenministers schon Mitte Januar, rechtzeitig zur Hessen-Neuwahl, öffentlichkeitswirksam freigelegt: Nie zuvor seit Bildung des Offenbacher Polizeipräsidiums Südosthessen vor 15 Jahren haben die Mathematiker eine kleinere Gesamtfallzahl in ihre Kriminalstatistik einarbeiten dürfen als im vergangenen Jahr: 54 025 Delikte, 4 235 weniger als 2007 und gut 10 000 weniger als 1994. Und niemals zuvor lösten die Fahnder mehr Fälle - 53,3 Prozent, 2,6 Prozent mehr als im Vorjahr und 20,1 Prozent mehr als 1994.

Zum „historischen Tief“ - und dem Hoch bei der Aufklärungsquote - lieferte der Polizeichef gestern den statistisch detaillierten Nachschlag. Erst der macht eine Bewertung möglich, weil er auch regionale Unterschiede beschreibt. Der Wirkungskreis der Südosthessen-Polizei reicht immerhin von Stadt und Kreis Offenbach über Hanau bis in den letzten Winkel des Main-Kinzig-Kreises. Essenz der Aufdröselung: Zur Traumstatistik trägt vor allem der Kreis Offenbach (19 345 Delikte, 16,6 Prozent oder 3 851 weniger als 2007; 48 Prozent Aufklärungsquote) bei. Im Stadtgebiet selbst stieg die Fallzahl um 7,1 Prozent oder 861 auf 13 033 (56,6 Prozent aufgeklärt).

Bernhardt gewinnt der Steigerung nicht durchgängig etwas Negatives ab. Einer der Hauptgründe fürs Stadt-Plus seien - neben mehr Sachbeschädigungen in Stadt (951, 17,6 Prozent mehr) und auch Kreis (2 247, 1,2 Prozent mehr) - viele erwischte Schwarzfahrer und Drogenbesitzer. Und das gehe ja nun „nicht zu Lasten der Sicherheit für die Bürger“, sondern zeuge eher von „mehr Kontrolltätigkeit und somit einem Sicherheitsgewinn“.

In den Tiefen der Kriminalstatistik

Echte Sorgen bereitet der Anstieg der Betrugsfälle in der Stadt um 24,8 Prozent oder 479 auf 2 413 (Kreis: wegen einiger erledigter Sammelverfahren minus 26 Prozent auf 3 308). Das Internet erleichtere kriminelle Hinterhältigkeiten wie Waren- oder Abonnementbetrug immens. Und 2008 mussten sich die Fahnder auch erstmals 16 Fällen von „Skimming“ widmen, bei denen meist osteuropäische Täter EC- und Kreditkartendaten samt Geheimnummern mittels Minikameras und perfekten Aufsätzen an Geldautomaten ausspähten. Fünf dieser Fälle sind bisher gelöst.

Die Kategorie Betrug schmälert die Freude über das niedrige Niveau bei den Wohnungseinbrüchen. In Offenbach selbst vollendeten Einbrecher ihr Werk zwar 254 mal (2007: 235). Doch im Kreis sank die Zahl zum vierten Mal in Folge - um 80 auf 564 - auf den niedrigsten Stand seit 15 Jahren.

Dass die Gesamtzahl seit 2001 sogar um 68 Prozent abgerutscht und gleichzeitig der Anteil gescheiterter Einbrüche von unter 30 auf heute 44 Prozent gestiegen ist, schreibt der Polizeichef auch Präventionsmühen zu. An Aktionstagen klingelten sich Polizisten in Wohngebieten von Tür zu Tür, wurden ihre Botschaft von der Notwendigkeit einsehbarer Eingänge, gesicherter Fenster und den kostenlosen Beratungsofferten der Polizeiläden bisher in rund 10 000 Haushalten los.

Wermutstropfen: Ganoven nehmen jetzt verstärkt Firmen ins Visier. Die Zahl der Geschäftseinbrüche in Offenbach stieg um 37 auf 231 (plus 19,1 Prozent). Deshalb hat Bernhard nun Berufsgenossenschaften angeschrieben, um auch deren Klientel für die effektive Sicherung ihrer Räume zu gewinnen. 

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