Tiefgarage muss warten

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Wird eher nicht einstürzen, darf aber auch nicht mehr lange dem Verfall preisgegeben werden: Die Tiefgarage des Rathauses steht zur Sanierung an.

Offenbach ‐ Die Sanierung der öffentlichen Tiefgarage des Rathauses ist beschlossen - und zugleich verschoben. Im Stadtparlament genehmigte die Politik den Stadtplanern zwar grundsätzlich die auf zweieinhalb Millionen Euro geschätzte Heilung des Parkdecks. Von Marcus Reinsch

Anders als bisher angepeilt ist die Sanierung nun allerdings zeitlich zwingend an die Neugestaltung des über dem Parkdeck liegenden Stadthofs gekoppelt. Heißt: Es wird später.

Denn mit welcher neuen Einheitsoptik der Stadthof von den Resten seines während einer Sanierung in den achtziger Jahren erlittenen Waschbeton-Charmes erlöst werden soll, muss erst noch ein städtebaulicher Wettbewerb entscheiden. Vorteil am von der CDU geforderten und auch von der Offenbacher Ampelkoalition abgesegneten Abwarten: Erfolgen Sanierung und Gestaltung nicht nur nach Möglichkeit, sondern garantiert unmittelbar hintereinander, muss zwischenzeitlich keine provisorische Deckschicht auf die Garagendecke aufgetragen werden.

Über die exakten Kosten herrscht Verwirrung

Das spart Geld. Wobei über die exakten Kosten (das Revisionsamt hält die Sanierung angeblich auch für 1,9 Millionen Euro für möglich) in den parlamentarischen Fachausschüssen ebenso wie im Parlament selbst leichte Verwirrung herrschte. Und auch Ärger. Unter anderem Bernhard Schönfelder (CDU) warf der Verwaltung vor, zu leichtfertig mit Steuerzahlergeld umzugehen.

Denn dass die 1970 mit dem Rathaus eröffnete Tiefgarage saniert werden muss, hatten auch schon vor der jüngsten Prüfung durch das Frankfurter Ingenieurbüro Grontmij zwei Gutachten eindeutig belegt. Zuletzt vor vier Jahren. Saniert wurde damals aber nicht; die teuren Honorare für den Expertenrat hätte sich die Stadt also möglicherweise sparen können.

Allein: Mittlerweile ist es dringend. Allerdings wohl nicht ganz so dringend, wie es der Wille der Planer, eine „Beschleunigung der baulichen Maßnahme“ von Mai bis November 2011 durchzusetzen, noch vergangene Woche hatte vermuten lassen. Die Tiefgarage ist bei ihren Nutzern zwar längst auch als „Tropfsteinhöhle“ (Grünen-Fraktionschef Peter Schneider) bekannt; es gibt Wasserschäden, Betonabplatzungen, Rost an der Bewehrung, Überschwemmungen bei Regen und beim Gießen der Stadthof-Bepflanzung und eine viel zu kleine Mitteltreppe.

Doch dass die undichte Garagendecke einsturzgefährdet ist, verneinen die Fachleute bisher. Es würde also mutmaßlich reichen, sich erst 2012 um den Patienten Parkdeck und dann eben auch gleich um den Stadthof zu kümmern.

Drohendes Haushaltsdefizit von 100 Millionen Euro

So wird es nun „aller Voraussicht nach“ auch kommen, erklärte Oberbürgermeister Horst Schneider mit Verweis auf die Frostphase. Er gab zu Protokoll, dass man ihm später bloß nicht von „abgeplatzten Betonbrocken“ verbeulte Autos anlasten solle. Und auch das „Wunschkonzert“ zur Tiefgaragenverschönerung, das er von Parlamentariern quer durch alle Fraktionen vernommen habe, sei angesichts des im nächsten Jahr drohenden Haushaltsdefizit von fast 100 Millionen Euro unrealistisch. Ein Tiefgaragen-Aufgang zur ebenfalls neu zu gestaltenden City-Passage an der Frankfurter Straße (FDP-Idee) und andere Ideen seien für zweieinhalb Millionen Euro nicht machbar. Die Phantasie sei also „bitte im Zaum zu halten“.

Keine Phantasie, sondern mit dem CDU-Antrag beschlossene Sonderausstattung: Die Tiefgarage wird nach ihrer Sanierung auch als Stromtankstelle für Elektrofahrzeuge aller Art dienen.

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