Offenbacher Tierheim

Hunde-Entführer werden abgeschreckt

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Tierschutzvereins-Vorsitzender Jürgen Eichenauer (mit Tierheim-Hündin Kira) hofft, dass die neue Sicherheitstechnik potenzielle Hunde-Entführer und Einbrecher abhält.

Offenbach - Mit ihren wachsamen Glasaugen sondieren die Kameras alle Richtungen. Die Bilder werden auf eine Festplatte überspielt und sind mehrere Tage abrufbar. An den Türen und Fenstern registrieren Kontaktmelder jede Berührung und schlagen Alarm. Von Veronika Schade 

Sie sind mit einer Bewachungsfirma gekoppelt. Wenn abends die Mitarbeiter das Tierheim verlassen, ähnelt es einem Hochsicherheitstrakt. Seit einigen Wochen ist auf dem Buchhügel eine umfangreiche Sicherheitstechnik installiert. Grund sind Einbrüche und Tierentführungen, die in diesem und vergangenen Jahr dem Tierschutzverein Offenbach viel Kummer bereitet haben. Die Einbrüche waren noch vergleichsweise harmlos, aber ärgerlich, wie Vereinsvorsitzender Jürgen Eichenauer berichtet: „Aus der Spendenkasse wurden einmal etwa 50 Euro gestohlen. Weil die Einbrecher ein Zwingergitter aufgesägt und die Bürotür zerstört haben, lag der Schaden bei 1000 Euro.“

Mehrfach wurden Zäune geöffnet und Hunde laufen gelassen oder gar entführt, aber wohlauf wiedergefunden. Doch im Juli nahm eine Hundeentführung ein tragisches Ende. Der Australische Schäferhund Chip wurde einen Tag nach seinem Verschwinden tot auf einem Parkplatz in Hanau gefunden. Er starb durch stumpfe Gewalteinwirkung. Ob es Unfall oder Absicht war, darüber lässt sich nur spekulieren. „Ich glaube nicht, dass jemand Chip entführt hat, um ihn zu töten“, sagt Eichenauer. „Dafür würde er nicht so einen Aufwand betreiben.“ Um an den Hund im Freilaufgehege heranzukommen, mussten ein Maschendrahtzaun aufgeschnitten, Sichtschutzplatten demontiert und ein Stabgitterzaun aufgeschraubt werden. Die Polizei ermittelte intensiv, wertete gar Fingerabdrücke auf dem Hundehalsband aus – erfolglos. Das Verfahren wurde kürzlich eingestellt.

Tierschutzvereins-Vorsitzender Jürgen Eichenauer (mit Tierheim-Hündin Kira) hofft, dass die neue Sicherheitstechnik potenzielle Hunde-Entführer und Einbrecher abhält.

Einen Monat nach Chips Entführung verschwand der Schäferhund-Husky-Welpe Nanuk. Er wurde nach einer nächtlichen Odyssee am Neuen Friedhof gefunden. Die erneute Tat bestätigte den Tierschutzverein in seinem Entschluss, eine Alarmanlage einzubauen. 3500 Euro dafür sammelte er aus Spenden. Den laufenden Betrieb berechnet die Sicherheitsfirma BWS dem Tierheim nicht. „Seit wir die Anlage haben, ist nichts mehr passiert, es gab nur einen Fehlalarm“, so Eichenauer. Doch ganz sicher sei das Areal immer noch nicht. „Das würde laut Polizei zirka 30 000 Euro kosten. Das können wir uns nicht leisten.“ Allein ein neues Zaunstück kostete stolze 6000 Euro. „Geld, das wir lieber in die Tiere investiert hätten“, bedauert der Vorsitzende.

Als zusätzliche Sicherungsmaßnahme übernachten Hunde nicht mehr in Freilaufgehegen und möglichst nicht in Zwingern, die von außen einsehbar sind. Doch wer könnte für die Entführungen verantwortlich sein? „Eine Vermutung ist, dass es Leute sind, die ihren Wunschhund nicht bekommen haben“, sagt Eichenauer. Eine zweite Vermutung sei, dass mit den Tieren Geschäfte gemacht werden sollen: Rassehunde bringen auf dem freien Markt mehrere hundert Euro ein. Wer sich legal einen Hund aus dem Tierheim anschafft, zahlt 250 Euro. „Es kommt vor, dass Mitarbeiter unsere vermittelten Hunde bei E-Bay finden.“

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