Gisela wieder im Heim

In Katze schlummert ein Virus, von dem niemand etwas wusste

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Gisela würde sich freuen, wenn sie trotz der Diagnose FeLV-positiv ein neues Zuhause fände.

Offenbach - Dem Tierschutzverein fehlt das Geld, um all seine Schützlinge umfassend untersuchen zu lassen. So ist es unvermeidlich, dass Vermittlungen rückgängig gemacht werden, weil bei den Tieren nachträglich Krankheiten oder deren Erreger festgestellt werden. Von Rebecca Röhrich 

Gisela ist hübsch und zierlich. Mit grüngelben Augen, weißem Fell mit schwarzen Flecken auf Gesicht und Schwanz. Christina Drees fand die Katze im Offenbacher Tierheim süß. Jetzt, wo sie mit Mann und vierjährigem Sohn in ein Haus mit Garten gezogen ist, schien ihr der Zeitpunkt für eine Samtpfote passend. Ein Freigänger sollte es sein und unbedingt eine Katze aus dem Tierheim. „Ich liebe Tiere und wollte etwas Gutes tun“, erzählt die 34-Jährige. Gesagt, getan. Gisela kam ins traute Heim und gewöhnte sich schnell an die neue Umgebung. Doch dann kam die Empfehlung einer befreundeten Tierärztin, Gisela auf ansteckende Krankheiten überprüfen zu lassen: Der Schnelltest ergab, dass sie den übertragbaren Erreger der Katzenleukämie in sich trägt. Das Leukosevirus, abgekürzt: FeLV, kann diese tödliche Krankheit auslösen.

Das heißt nicht, dass die Katze wirklich krank wird. Aber Tiermediziner empfehlen, sie nicht rauszulassen, weil sie eben andere Katzen infizieren könnte. Für die Familie Drees war das Testergebnis niederschmetternd. Der Plan, die Katze als Freigänger zu halten, wurde gestrichen. Sehr zum Missfallen von Gisela. „Immer wenn wir die Tür zum Garten aufmachten, versuchte sie rauszukommen“, erzählt Drees. Stressig für die Menschen, scheinbar eine Quälerei für die Katze. Schließlich entscheidet man sich nach zwei Wochen, das Tier zurückzubringen. Christina Drees fühlt sich vor allem schlecht vom Tierheim beraten.

An der Offenbacher Rheinstraße gab es keinen Hinweis auf eine Infektion. Für umfassende Tests fehlt dem Verein schlicht das Geld. Cornelia Bauer, stellvertretende Leiterin des Tierheims, erläutert: „Wenn wir einen Neuzugang haben, wird er auf Symptome untersucht, die auf mögliche Krankheiten hinweisen.“ Hat das Tier beispielsweise Fieber, kommt es in Quarantäne. Ist es symptomfrei, darf es zu den anderen Artgenossen.

Die Offenbacher Tierärztin Marion Fenn bestätigt: „Erreger wie FeLV lassen sich bei Katzen nur sehr schwer mit Sicherheit nachweisen.“ Auch ein negatives Testergebnis bei einem Schnelltest gibt ihrer Meinung nach keine Gewissheit. Wirklich ausschließen lasse sich eine Infektion oder jede beliebige andere Erkrankung nur über ein umfangreiches Blutbild. Pauschal für jede Katze im Tierheim sei das nicht zu bezahlen.

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Der Deutsche Tierschutzbund bestätigt, dass es keine Pflicht für solche Untersuchungen gibt. Nur wenn das Tierheim gewusst hätte, dass Gisela FeLV-positiv ist, hätte es informieren müssen. Laut Tierschutzbund gehören symptomfreie Virusträger wie Gisela nicht zu den erkrankten Tieren. Das Heim hat also rechtlich gesehen nichts falsch gemacht. Aktuell hat das Offenbacher Tierheim etwa 40 Katzen in Obhut. Viel mehr dürften es nicht werden, sagt Cornelia Bauer. Da die Beratung aufgrund der Personalsituation nicht immer allumfassend sein könne, habe man extra eine große Pinnwand im Katzengang aufgehängt, auf der alle gängigen Krankheiten und Risiken aufgelistet seien.

Bauer findet es traurig, dass Gisela zurückgekommen ist. Der Virus ist nicht auf Hunde oder Menschen übertragbar. Sie kann die Entscheidung dennoch nachvollziehen. Dem Fall Gisela liegt also ein systemisches Problem zugrunde: Geldmangel. Das Offenbacher Tierheim wird im Jahr 2015 einen Verlust von 30.000 Euro machen, bestätigt Vorsitzender Jürgen Eichenauer. Dadurch könne nicht bei jedem Tier ein umfangreicher Gesundheitscheck gemacht werden. „Das ist wie bei uns Menschen“, so Eichenauer. „Bei uns kommen auch nur Privatversicherte in den Genuss vollumfänglicher Vorsorgeuntersuchungen.“ Auch Christina Drees ist das klar. Trotzdem hätte sie sich gewünscht, über die Risiken besser informiert worden zu sein. „Wir werden uns nach diesem Vorfall auf jeden Fall zusammensetzen und überlegen, wie wir die Beratung besser gestalten können“, sagt Bauer und hofft eine gelungenere Kommunikation.

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